Vom Irren

Es ist nicht so, dass ich nicht versucht habe, mich mit ihm darüber zu unterhalten. Aber wenn ich daran denke, wird mir übel. Weil ich seine Argumentation so unterirdisch finde.
"Was soll ich denn tun, wenn ich dich anfassen will? Dann muss ich das doch."
"Ich kann nichts dafür, dass du scharf bist."
"Du tust ja gerade so, als hätte ich dich vergewaltigt."
"Nicht, dass du jetzt zu einer frigiden Trulla wirst!"

Heute hat mich jemand, der diesen Blog liest, gefragt, ob mich dieses Thema, das ich in meinem Jahresrückblick angeschnitten habe, noch beschäftigt. Meine Antwort war "Ja." Danach konnte ich nicht mehr sprechen, weil der müselig zusammengekleisterte Staudamm sich angefühlt hat, als wäre er kurz davor, zu brechen. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und einen riesigen Kloß im Hals. Das hat mich selbst erschrocken. Bisher war mir nicht bewusst, wie tief meine Empfindungen dazu gehen. Aber wie sollte mir das auch bewusst sein: Ich…

Von Erbeerfeldern und Tattoos

Ich überlebe eine weitere Autofahrt mit ihr. Wir fahren in Gemeinschaftsarbeit: Das heißt: Sie hält das Lenkrad fest und ich schalte. Während sie immer wieder neue Musik auf ihrem Handy sucht, erzähle ich ihr, wo sie laut stummgeschalteten Navi abbiegen soll, bringe sie dazu hochzusehen, wenn sie dabei ist in den Gegenverkehr abzudriften und weise sie manchmal, mehr oder weniger panisch, darauf hin, dass sie mal bremsen könnte. Sie amüsiert sich lediglich darüber. "Bleib locker, Muschelmädchen.", ruft sie dann fröhlich.
Mit quietschenden Reifen parkt sie das Auto schließlich vor einem Tattoo-Studio. Überrascht sehe ich sie an. Das nenne ich spontan. Und ich bewundere sie zweifelos für ihre Spontaneität. "Wir sind da!", klärt sie mich auf und fordert mich schließlich strahlend dazu auf, auszusteigen. Ohne weitere Worte zu verlieren, steigen wir aus dem Auto und fallen quasi ins Tattoo-Studio hinein. "Hallo", begrüßt sie den Tätowierer freudestrahlend. Und fragt sogleich: "Habt ihr Zeit?". Die Frage wird lächelnd verneint. Ein guter Tätowierer hat nie einfach so Zeit. Hier läuft alles nach Termin. Und mit Anzahlung. Also greift sie nach meiner Hand und zieht mich wieder aus diesem seltsamen Laden hinaus. Wir fahren einfach irgendwo anders hin und nehmen mit, was uns vor die Füße fällt.

Später spazieren wir durch ein riesiges Erdbeerfeld. Die Sonne scheint am wolkenlosen Himmel. Bis auf ein paar vereinzelte Vögel, die ein leises Lied zwitschern, ist es still. Wir naschen hier und da ein paar Erdbeeren, genießen den süßen Geschmack, der allmählich auf der Zunge vergeht. Friedlich ist es hier, denke ich, als mein Blick sich am Horizont verliert. Bis es mir wieder einfällt. Abrupt drehe ich mich zu ihr um.
"Was für ein Tattoo wolltest du dir vorhin eigentlich stechen lassen?", frage ich.
"Mir?", sie schaut verwirrt, "Gar keins. Ich wollte dir ein Tattoo stechen lassen."
Verblüfft starre ich sie an.
Sie lächelt. Irgendwie tief. Herzlich.
"Glaubst du wirklich", fragt sie sanft, "dass du hier wegziehst und mich verlässt, ohne dass du ein Tattoo mitnimmst?"

Erst Stunden fällt mir wieder ein, dass ich eigentlich gar kein Tattoo will.
Ich hätte gerne ein eigenes Erbeerfeld.

Kommentare

  1. (*seufztleise*) Auch noch ein Erdbeerfeld??

    Also gut.
    Kommt auf die Liste.
    Die lange.

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    1. Die Liste ist ganz sicher riesig! Lass uns auch noch eine Kuh auf der Liste vermerken. Ich liebe Erbeermilch :-)

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