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Von der Gefühlsachterbahn

Es ist die Zeit der Oktoberfeste und auf einem solchen befinde ich mich schließlich am Samstagabend. Aus beruflichen Gründen. Der Brausepulvermann ist nicht anwesend. Und so gehe ich entspannt an diesen Abend heran, drehe mich in meinem Dirndl über die Tanzfläche und lasse mich, um meine Füße zu schonen, immer mal wieder von Gespräch zu Gespräch treiben.
"Wer ist eigentlich der Mann, der dich so scharf findet?", fragt eine Bekannte, "Zeigst du ihn mir?".
Als ich auf einen Mann, an einem der Tische in unserer näheren Umgebung, deute, zieht sie die linke Augenbraue nach oben.
"Ernsthaft?!", fragt sie, "Dem ist aber schon klar, dass er so gar nicht in deiner Liga spielt, oder?"
"Bitte?", frage ich verblüfft.
"Na ja. Der ist ungefähr 15 Jahre älter als du und... nicht dünn. Und er bekommt graue Haare!"
Ich schweige. Mir gefällt nicht, was sie sagt. Weil ich Laurenz mag. Ihn und seine Augen. Die mir so viel mehr über ihn verraten, …

Vom Erwachen

"Das morgendliche Erwachen beginnt, wenn man bin sagt und jetzt. Dann liegt das Wachgewordene eine Weile still, starrt die Zimmerdecke an und in sich hinein, bis es sich wiedererkannt hat und daraus den Schluss zieht: ich bin. Ich bin jetzt."
(Christopher Isherwood: Der Einzelgänger)
Morgens, im Bett liegend, mit den Zehen wackeln und langsam erwachen. Den Mund voller Zahnpasta gurgelnd ein Lied singen. Mit den Händen wild durch die langen Haare fahren, sich eine Wischmobbfrisur hexen und dem Spiegelbild eine Grimasse schneiden. Heiß duschen und die kleinen, fluffigen Wasserdampfwolken bestaunen. Sie anhauchen und mit den Fingern zu durchkämmen. Sich von der Luft trocknen zu lassen. Dabei halb verschlafen die Fingerspitzen über den Körper wandern lassen und sich behutsam selbst zu genießen. Einen schwarzen Kaffee kochen, in dem der Löffel steht. Das Fenster zu öffnen. Die kalte Luft zu fühlen, die in das Zimmer dringt und zu riechen, wie der Geruch von Schnee und Kaffee l…

Vom Zukunfts-Muschelmädchen

Von der Lust

Manchmal verliere ich mich in kurzen Tagträumen. 
Dann schweift mein Blick zum Fenster und ich stelle mir vor, wie ich dort stehe, hinausschaue und er leise von hinten an mich herantritt. Ohne etwas zu sagen schlingt er einen Arm fest um meinen Oberkörper, während er mit der anderen Hand meinen Rock hochschiebt, den Reißverschluss seiner Hose öffnet, meine Unterwäsche ohne Umschweife beiseite schiebt und tief in mich eindringt. Unwillkürlich beuge ich mich vor, klammere mich an das Fensterbrett und keuche leise. 
Es muss ein seltsames Bild abgeben, wenn man von außen beobachtet, wie wir hier, eng aneinander gedrückt, stehen, er, seltsam gelassen, ich, mit leicht geöffneten Lippen. Zwei Menschen, die das bunte Treiben vor dem Fenster beobachten. Währernd er mich nimmt. Hart, schnell und präzise.

Von der Morgenträumerei

Vom Licht

„Manchmal wissen die Leute nicht, was sie versprechen, wenn sie es versprechen”, sagte ich. Isaac sah mich an. “Ja, klar. Aber man muss seine Versprechen trotzdem halten. Genau das ist doch Liebe. Liebe ist, das Versprechen trotzdem zu halten.“
(John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter)
Der Himmel ist grau. Ab und an reißt die kompakte, schwere Masse auf und ein Sonnenstrahl verliert sich auf dem nassen Boden. Reflektiert sich in Pfützen und wird doch, nur Sekunden später, wieder vom Nebel verschluckt. Wie schade… Den nächsten versuche ich, festzuhalten. Ich öffne meine Hand und strecke sie aus. Mit den Fingerspitzen berühre ich das Licht. Tausende kleiner Staubkörner leuchten. Ich lächle und greife zu, greife mitten hinein in das Licht und verschließe meine Hand fest zu einer Faust. Fast zeitgleich schiebt sich die graue Wolkenmasse wieder vor die Sonne. Ich fröstle, als der Wind unter meinen Schal fährt und mich am Hals kitzelt. Eine Gänsehaut wandert meinen Rücken hinab un…