Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Vom aha-Effekt

Ich frage mich seit Monaten, wie es mir passieren konnte, dass ich mich von T. so habe konditionieren lassen. Ich, erwachsen, auf eigenen Beinen stehend, einigermaßen selbstbewusst, stolz. Ausgerechnet ich. Aber ich weiß es jetzt. Heute Abend habe ich es, anhand eines Mannes, der mir sehr viel bedeutet, gelernt: Menschen, denen ich Gefühle entgegenbringe, haben ein wunderbares Mittel, um mich unter Druck zu setzen und ganz leicht zu manipulieren. Sie haben das perfekte Instrument in der Hand, um mich vollkommen gefügig zu machen: Ich kann es nicht ertragen, wenn sich jemand von mir verletzt fühlt oder wütend auf mich ist. Wenn man mir Liebe entzieht. Das tut mir ziemlich weh. Dann fühle ich mich vollkommen hilflos, bin total verunsichert und ziehe mich in meine Muschel zurück.

Wenn ich darüber nachdenke, geht das wohl auf einige Erlebnisse in meiner Kindheit zurück. Meine Mutter hat mich häufig, als ich klein war, mit Liebesentzug bestraft. Sie hat mir in diesen Situationen um die Ohren geknallt, wie enttäuscht sie von mir ist und dass sie mich nicht mehr sehen will. Dann wurde ich auf mein Zimmer geschickt. Teilweise hat sie es ziemlich lange durchgehalten nicht mehr mit mir, ihrem Kind, zu reden. Bis sie sich irgendwann dazu durchringen konnte, wenigstens wieder das nötigste mit mir zu sprechen... Diese Momente, in denen sie sich gezwungen hat, wieder mit mir zu sprechen, haben sich jedes Mal angefühlt wie ein Gewaltakt.

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