Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Von der Bedeutung

Abends krame ich meine kleine Lieblingsschatuelle hervor, die mir ein guter Freund zu meinem 16. Geburtstag schenkte. Alle Kleinigkeiten, die für mich von Bedeutung sind, sammle ich dort seit jenem Geburtstag. Die erste Rasierklinge, die ich über Jahre hinweg benutzt habe, selbst als sie schon ganz abgenutzt und stumpf war. Der letzte Brief von Ephraim, den er mir schrieb. Ein Haustier aus Kronkorken, welches mir ein Punk schenkte, als ich mich so sehr nach einem Haustier zum Liebhaben sehnte. Der metallene Schmetterling, den ich mir nach dem Tod meines Opas von seiner Gardine pflückte und heimlich in meine Hosentasche gleiten ließ. Die Brosche meiner über alles geliebten Uroma. Ein kleiner runder Glasstein, der mich an ein denkwürdiges Silvester in Hamburg erinnert, an dem ich das neue Jahr aus der Luft begrüßte. Ein Foto von meinem ersten ernsthaften Blind Date, dem zehn Jahre steter E-Mail-Verkehr vorangingen. Ein Plastik-Büstenhalter im Miniaturformat, den ich auf einer Party einsammelte, auf der wir alle nackt auf den Tischen tanzten und der Lilafarbene die Wiese staubsaugte. Gedichte vom Lilafarbenen, die von unserer Liebe zu Whiskey, durchzechten Nächten und philosophischen Diskussionen zeugen. Die Schablone der Friedenstauben, die wir Nachts an die Wände sprayten. Zwei Visitenkarten sowie zwei Büroklammern, die mir der Zaubermann schenkte. Die Scherbe, die die größte Narbe hinterlassen hat. Briefe. Jede Menge Briefe. Kleine und große. Viele, viele andere Dinge. Alles Erinnerungen, die ich niemals vergessen wollte.

Heute, am Abend des 31.05.2017, falte ich ein kleines Stück Papier dreimal. Damit ich nie wieder vergesse, dass es das Salz ist, das die bösen Geister vertreibt. Und wer derjenige war, der es geschafft hat, sie fortzujagen.


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