Vom Irren

Es ist nicht so, dass ich nicht versucht habe, mich mit ihm darüber zu unterhalten. Aber wenn ich daran denke, wird mir übel. Weil ich seine Argumentation so unterirdisch finde.
"Was soll ich denn tun, wenn ich dich anfassen will? Dann muss ich das doch."
"Ich kann nichts dafür, dass du scharf bist."
"Du tust ja gerade so, als hätte ich dich vergewaltigt."
"Nicht, dass du jetzt zu einer frigiden Trulla wirst!"

Heute hat mich jemand, der diesen Blog liest, gefragt, ob mich dieses Thema, das ich in meinem Jahresrückblick angeschnitten habe, noch beschäftigt. Meine Antwort war "Ja." Danach konnte ich nicht mehr sprechen, weil der müselig zusammengekleisterte Staudamm sich angefühlt hat, als wäre er kurz davor, zu brechen. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und einen riesigen Kloß im Hals. Das hat mich selbst erschrocken. Bisher war mir nicht bewusst, wie tief meine Empfindungen dazu gehen. Aber wie sollte mir das auch bewusst sein: Ich…

Von der Bedeutung

Abends krame ich meine kleine Lieblingsschatuelle hervor, die mir ein guter Freund zu meinem 16. Geburtstag schenkte. Alle Kleinigkeiten, die für mich von Bedeutung sind, sammle ich dort seit jenem Geburtstag. Die erste Rasierklinge, die ich über Jahre hinweg benutzt habe, selbst als sie schon ganz abgenutzt und stumpf war. Der letzte Brief von Ephraim, den er mir schrieb. Ein Haustier aus Kronkorken, welches mir ein Punk schenkte, als ich mich so sehr nach einem Haustier zum Liebhaben sehnte. Der metallene Schmetterling, den ich mir nach dem Tod meines Opas von seiner Gardine pflückte und heimlich in meine Hosentasche gleiten ließ. Die Brosche meiner über alles geliebten Uroma. Ein kleiner runder Glasstein, der mich an ein denkwürdiges Silvester in Hamburg erinnert, an dem ich das neue Jahr aus der Luft begrüßte. Ein Foto von meinem ersten ernsthaften Blind Date, dem zehn Jahre steter E-Mail-Verkehr vorangingen. Ein Plastik-Büstenhalter im Miniaturformat, den ich auf einer Party einsammelte, auf der wir alle nackt auf den Tischen tanzten und der Lilafarbene die Wiese staubsaugte. Gedichte vom Lilafarbenen, die von unserer Liebe zu Whiskey, durchzechten Nächten und philosophischen Diskussionen zeugen. Die Schablone der Friedenstauben, die wir Nachts an die Wände sprayten. Zwei Visitenkarten sowie zwei Büroklammern, die mir der Zaubermann schenkte. Die Scherbe, die die größte Narbe hinterlassen hat. Briefe. Jede Menge Briefe. Kleine und große. Viele, viele andere Dinge. Alles Erinnerungen, die ich niemals vergessen wollte.

Heute, am Abend des 31.05.2017, falte ich ein kleines Stück Papier dreimal. Damit ich nie wieder vergesse, dass es das Salz ist, das die bösen Geister vertreibt. Und wer derjenige war, der es geschafft hat, sie fortzujagen.


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