Von der Gefühlsachterbahn

Es ist die Zeit der Oktoberfeste und auf einem solchen befinde ich mich schließlich am Samstagabend. Aus beruflichen Gründen. Der Brausepulvermann ist nicht anwesend. Und so gehe ich entspannt an diesen Abend heran, drehe mich in meinem Dirndl über die Tanzfläche und lasse mich, um meine Füße zu schonen, immer mal wieder von Gespräch zu Gespräch treiben.
"Wer ist eigentlich der Mann, der dich so scharf findet?", fragt eine Bekannte, "Zeigst du ihn mir?".
Als ich auf einen Mann, an einem der Tische in unserer näheren Umgebung, deute, zieht sie die linke Augenbraue nach oben.
"Ernsthaft?!", fragt sie, "Dem ist aber schon klar, dass er so gar nicht in deiner Liga spielt, oder?"
"Bitte?", frage ich verblüfft.
"Na ja. Der ist ungefähr 15 Jahre älter als du und... nicht dünn. Und er bekommt graue Haare!"
Ich schweige. Mir gefällt nicht, was sie sagt. Weil ich Laurenz mag. Ihn und seine Augen. Die mir so viel mehr über ihn verraten, …

Vom bunten Punkt im großen Grau

"Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun?"
(Erich Kästner)

Bunte, unterschiedlich farbige Socken tragen, um gegen den grauen Alltag zu rebellieren.
Blümchen und Herzchen auf teures Geschäftspapier zeichnen.
Einem Kind heimlich die Zunge rausstrecken und wild hinter dem Rücken des Mitarbeiters, zu dem das Kind gehört, anfangen zu tanzen, um es zum Lachen zu bringen. Ihm fünf Hände voller bunter Bonbons heimlich in die Hosen- und Jackentaschen schmuggeln.
Kirschkernweitspucken auf dem Dach des Bürogebäudes üben.
Die Uhren im Nachbarbüro heimlich um 5 Minuten vorstellen. Einmal täglich. 
Mädchenmäßig den Firmenwagen quer über drei Parkplätze parken.
Der Chefin statt Zucker einfach mal Salz in den Kaffee einzurühren. 
Dem Dauerklingeln des Telefon das laute Pfeiffen von Kinderliedern entgegensetzen.
Dem anrufenden Kunden eine selbst ausgedachte Warteschleife vorsingen.
Aus der Abmahnung für einen Mitarbeiter einen Papierflieger bauen und diesen zum Mülleimer fliegen zu lassen.
Der Kollegin im Vorbeigehen einen Eiswürfel in den Kragen gleiten lassen.
Sich einfach mal für ein Ruhepäuschen ins Hundekörbchen zu verkrümeln.
Den deutschlandweiten Verteiler in eine E-Mail einfügen und den Lieblingswitz erzählen.
Alles schon erledigt.

Bloß nicht erwachsen werden.
Nur nie erwachsen werden.


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