Vom Irren

Es ist nicht so, dass ich nicht versucht habe, mich mit ihm darüber zu unterhalten. Aber wenn ich daran denke, wird mir übel. Weil ich seine Argumentation so unterirdisch finde.
"Was soll ich denn tun, wenn ich dich anfassen will? Dann muss ich das doch."
"Ich kann nichts dafür, dass du scharf bist."
"Du tust ja gerade so, als hätte ich dich vergewaltigt."
"Nicht, dass du jetzt zu einer frigiden Trulla wirst!"

Heute hat mich jemand, der diesen Blog liest, gefragt, ob mich dieses Thema, das ich in meinem Jahresrückblick angeschnitten habe, noch beschäftigt. Meine Antwort war "Ja." Danach konnte ich nicht mehr sprechen, weil der müselig zusammengekleisterte Staudamm sich angefühlt hat, als wäre er kurz davor, zu brechen. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und einen riesigen Kloß im Hals. Das hat mich selbst erschrocken. Bisher war mir nicht bewusst, wie tief meine Empfindungen dazu gehen. Aber wie sollte mir das auch bewusst sein: Ich…

Vom bunten Punkt im großen Grau

"Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun?"
(Erich Kästner)

Bunte, unterschiedlich farbige Socken tragen, um gegen den grauen Alltag zu rebellieren.
Blümchen und Herzchen auf teures Geschäftspapier zeichnen.
Einem Kind heimlich die Zunge rausstrecken und wild hinter dem Rücken des Mitarbeiters, zu dem das Kind gehört, anfangen zu tanzen, um es zum Lachen zu bringen. Ihm fünf Hände voller bunter Bonbons heimlich in die Hosen- und Jackentaschen schmuggeln.
Kirschkernweitspucken auf dem Dach des Bürogebäudes üben.
Die Uhren im Nachbarbüro heimlich um 5 Minuten vorstellen. Einmal täglich. 
Mädchenmäßig den Firmenwagen quer über drei Parkplätze parken.
Der Chefin statt Zucker einfach mal Salz in den Kaffee einzurühren. 
Dem Dauerklingeln des Telefon das laute Pfeiffen von Kinderliedern entgegensetzen.
Dem anrufenden Kunden eine selbst ausgedachte Warteschleife vorsingen.
Aus der Abmahnung für einen Mitarbeiter einen Papierflieger bauen und diesen zum Mülleimer fliegen zu lassen.
Der Kollegin im Vorbeigehen einen Eiswürfel in den Kragen gleiten lassen.
Sich einfach mal für ein Ruhepäuschen ins Hundekörbchen zu verkrümeln.
Den deutschlandweiten Verteiler in eine E-Mail einfügen und den Lieblingswitz erzählen.
Alles schon erledigt.

Bloß nicht erwachsen werden.
Nur nie erwachsen werden.


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