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Von der Gefühlsachterbahn

Es ist die Zeit der Oktoberfeste und auf einem solchen befinde ich mich schließlich am Samstagabend. Aus beruflichen Gründen. Der Brausepulvermann ist nicht anwesend. Und so gehe ich entspannt an diesen Abend heran, drehe mich in meinem Dirndl über die Tanzfläche und lasse mich, um meine Füße zu schonen, immer mal wieder von Gespräch zu Gespräch treiben.
"Wer ist eigentlich der Mann, der dich so scharf findet?", fragt eine Bekannte, "Zeigst du ihn mir?".
Als ich auf einen Mann, an einem der Tische in unserer näheren Umgebung, deute, zieht sie die linke Augenbraue nach oben.
"Ernsthaft?!", fragt sie, "Dem ist aber schon klar, dass er so gar nicht in deiner Liga spielt, oder?"
"Bitte?", frage ich verblüfft.
"Na ja. Der ist ungefähr 15 Jahre älter als du und... nicht dünn. Und er bekommt graue Haare!"
Ich schweige. Mir gefällt nicht, was sie sagt. Weil ich Laurenz mag. Ihn und seine Augen. Die mir so viel mehr über ihn verraten, …

Vom nicht-Schneewittchen

"Oh, guck mal!", rufe ich verzückt und zeige mit dem Finger aus dem Autofenster. Asa und ich stehen gerade an einer roten Ampel. Vor uns überquert, ganz beschwingt, eine ziemlich hübsche Frau die Kreuzung.
"So möchte ich auch aussehen.", seufze ich, "So schlank und hübsch. Damit ich auch mal ein Kleid anziehen kann, ohne deformiert auszusehen."
Asa schnaubt leise. Er kleingtc fast ein wenig genervt.
"Was ist denn?", frage ich verwundert und wende mich ihm zu.
"Nichts.", gibt er knurrend von sich.
"Nichts?", frage ich.
Er schweigt. Nur um nachzuschieben:
"Ich könnte jetzt nur etwas sagen, was total sexistisch wäre. Also lasse ich es, sonst pöbelst du mich gleich an.", sagt er.
"Hm.", erwidere ich. Ich kämpfe mit meiner Neugier. Es interessiert mich ja schon, was er sagen wollte. Nachdenklich betrachte ich ihn von der Seite. Er verzieht seine Lippen zu einem Lächeln.
"Du weißt, dass ich es merke, wenn du…

Vom Manchmal

"Man muß nie verzweifeln, wenn etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muß, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzten vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir uns scheinbar im Widerspruch stehen. Man muß in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünften, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt."

(Rainer Maria Rilke)
Manchmal schrumpfe ich mich in Gedanken. Dann krieche ich in seine Jackentasche, wärme uns, rolle mich in seiner rechten Handinnenfläche zusammen, genieße unsere Nähe, oder setze mich auf seine Schulter, um dort mit den Beinen zu baumeln, fröhlich vor mich hinzu glucksen, zu lachen und ihm kleine, subtile Späße ins Ohr zu raunen.
Ich stelle mir vor, wie er darüber lachen muss oder sich, an den dunkleren Tagen, gegen seinen eisernen Willen, zum…

Vom Trottel-Gen

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"Autsch!!!", rufe ich und reibe mir das Knie. Das diese blöden Türen und Stühle und Möbel und überhaupt aber auch immer im Weg sein müssen. Einen Moment lang muss ich hart dagegen ankämpfen, nicht zurückzutreten. Das wäre jetzt vielleicht nicht so k-l-u-k, bei einer Glastür.
"Mist-Tür!", brumme ich in mich hinein. Aus der letzten Ecke der Küche kichert es leise. "Irgendwann hast du dir alles abgestoßen!", sagt Asa, beißt sich auf die Lippen und versucht eher schlecht als recht sich das Lachen zu verkneifen. Wütend funkle ich ihn an.
"Pfff!", sage ich, "Sei du erst mal ich!". Der hat ja keine Ahnung, wie das ist, tollpatschig zu sein. Voll anstrengend! Wenn ich groß bin, werde ich anders.
Und meine Zehen und Ellenbogen kriegen Augen.
Jawoll.

Von Gewichtigem - KW 36

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Mein letzter Gewichtspost liegt - ich bin selbst ganz erstaunt darüber - ziemlich lange zurück. Ich habe ihn am 20.05.2018 verfasst.
Kurz nach diesem Post ging plötzlich alles drunter und drüber. Denn mit einem Mal stellte ich fest, dass ich schwanger bin. Nachdem der Frauenarzt die Schwangerschaft bestätigt hatte, war klar, dass ich ganz viel in meinem Leben ändern muss. Ich stellte also nicht nur von heute auf morgen das Rauchen ein, sondern musste auch wieder mehr Kohlenhydrate in mein Leben lassen. Lustigerweise fiel mir zweiteres viel schwerer, als das Rauchen aufzugeben. Ich musste mich regelrecht dazu zwingen, wieder Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln usw. zu essen. Manchmal, besonders am Anfang, musste ich auch von außen, besonders von meiner Mama, dazu gezwungen werden, wieder normal zu essen. Aus Frust und Angst, die Waage würde mich ärgern, hörte ich auf, mich zu wiegen. Nur beim Arzt musste ich hin und wieder auf die Waage steigen. Aber als dieser schließlich feststellte, dass…

Von neuen Ideen

Ich liege noch im Bett, als das Handy piept. 5 Uhr morgens. Ich bin total verschlafen, als ich nach dem Handy taste und die soeben eingetroffene SMS öffne. Ein Mitarbeiter schreibt:
"Was soll ich zur Arbeit mitnehmen? An Arbeitskleidung?"
Mit geschlossenen Augen tippe ich blind:
"Arbeitssicherheitsschuhe, bitte."
Wieder piept das Telefon. Das ist toll. Weil ich so herausfinde, dass man auch mit geschlossenen Augen mit den Augen rollen kann.
"Sind Sie sich sicher?!", fragt der Mitarbeiter.
Meine Finger klicken schneller auf den antworten-Knopf, als mein Kopf heute morgen denken kann.
"Ja.", schreibe ich.
"Wirklich???", fragt er.
"Ja!", antworte ich.
Gleich darauf trifft die nächste Nachricht ein. Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber ihr "pling" klingt wesentlich dringlicher. Ich öffne ein halbes Auge um auf das Display des Telefons zu schielen.
Schlagartig bin ich wach. Und fange an zu kichern.
"Aber Frau …

Von der Frage an Euch

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Man muss schon ganz schön abgebrüht sein, um seinen Neffen in einem Land, das ihm völlig unbekannt ist, dessen Sprache er nicht spricht und in dem er keinen einzigen anderen Menschen kennt, an einem Sonntag mit all seinen kleinen Habseligkeiten auf die Straße zu setzen. Das zumindest denke ich, als ich meinen Sonntagnachmittag damit verbringe, einen ziemlich verzweifelten Mitarbeiter zu beruhigen und Notunterkünfte sowie Obdachlosenheime abzutelefonieren. Aber immerhin habe ich nach ein, fast zwei Stunden Erfolg und in einem Obdachlosenheim, zwanzig Kilometer von der Kleinstadt entfernt, in der sich der Mitarbeiter befindet, geht eine freundliche, ältere Dame ans Telefon, die sich sofort bereit erklärt, ihm Asyl zu gewähren. Allerdings nur für eine Nacht. Was vermutlich besser als gar nichts ist.

Den Rest des Tages verbringe ich damit, Draht zu verbiegen. Die Arbeit mit den Händen beruhigt mich ein wenig. Trotzdem komme ich nicht umhin, mich ernsthaft zu fragen, wo ich meinen Mitarbei…