Posts

Von Fischen

Mein Verhältnis zu Angel- und Aquaristikläden ist irgendwie speziell. In dieser Art von Laden lerne ich immer mal wieder etwas über mich selbst. Und mache mich zum Apfel. Üblicherweise.

Bei einem Besuch vor ein paar Jahren habe ich beispielsweise über mich selbst gelernt, dass ich offenbar in Maßen zur Objektophilie neige. Anders kann ich mir meine Liebe, die ich urplötzlich für einen Pilker (künstlicher Köder), den ich noch nie im Leben gebraucht habe, nicht erklären. Dieser Pilker lag so schön in meiner Hand. Er hat so perfekt hineingepasst und hatte das ideale Gewicht. Und geglitzert hat er auch. Ich wollte ihn unbedingt haben.

Überhaupt überfallen mich in Angel- und Aquaristikläden häufig Liebesanfälle. So bin ich neuerdings verliebt in einen bezaubernden Fisch, der in dem Laden meiner Wahl fröhlich vor sich hin fischt. Wenn meine Wohnung ein riesiges Aquarium wäre, hätte ich ihn schon gekauft. So stehe ich nur in den letzten Tagen immer mal wieder vor dem Becken und murmle verzüc…

Von Freitagsfragen

Vielen Dank an den Brüllmausblog, von dem ich heute die Freitagsfragen gemopst habe, die mich jede Woche reizen, aber die ich meistens zu spät - nämlich erst am Samstag - lese.
Heute habe ich Zeit und sie sind mir eine willkommene Abwechslung zu der Rumheulerei hier im Blog. Die mich gerade selbst anstrengt.

1.) Wenn es Warnhinweise für Menschen gäbe, wie lautete Deiner?

Achtung, Verbrennungsgefahr.

2.) Was lief in dieser Woche richtig gut?

Argh, schwierig. Gerade diese Woche ist so alles andere als schön und leicht.
Oh, doch, ich weiß: Ich habe eine (ziemlich lange) E-Mail geschrieben. Und jeden einzelnen Gedanken, den ich hatte, darin notiert. Ich habe mich quasi leergeschrieben. Und total geöffnet. Das ist mir nicht leichtgefallen. Aber ich habe jemandem eine Menge Entschuldigungen geschuldet. Auch wenn es manchmal nicht ausreicht, sich zu entschuldigen, war das vermutlich ein Schritt in die richtige Richtung.

3.) Was sollte ein Besucher Deiner Heimatstadt (oder einer Stadt Deiner Wa…

Vom Gefühl: not broken just bent

Es heißt ja, dass man in den schlechten Phasen seines Lebens eine Menge über sich selbst lernen kann. Das scheint irgendwie zu stimmen. Je mehr Zeit ich gerade Zuhause verbringe, auf der ersten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung meines Beruflebens hockend, desto mehr fange ich an, mich selbst zu verstehen. Manche Erkenntnisse erstaunen mich. Wieder andere schockieren mich selbst. Ich glaube, ich bin ziemlich verbogen. Nicht zerbrochen, aber verbogen und verbeult. Dabei bin ich viel zu jung, um mir die Hörner am Leben abzustoßen. Und zu stur.

Vor kurzem war ich für zwei, drei Tage verreist. Zusammen mit meiner Mama. Ich habe sie gebraucht. Ihre Liebe, ihre Zuwendung, die Gespräche mit ihr. In einem kleinen Restaurant am Meer, einem Italiener, habe ich ihr erzählt, dass ich schwanger bin. Ihre Reaktion hat sich in mich eingebrannt. Sie hatte Tränen in den Augen. Vor Freude.
Und sie sagte: Wir werden deinem Kind beibringen, dass es lieben muss. Denn das ist es, was ich in den letzten Jahre…

Von noch mehr Tagebuchsachen

Fieber messen.
OP-Kleidung anziehen.
Zugang legen lassen.
Blutdruck messen.
Als ich im Krankenhaus ankomme, liegt mein Blutdruck erstaunlicherweise irgendwo bei "scheintot". Dieses eine Mal verwundert mich das nicht. Er spiegelt vermutlich mein Innenleben. Ich fühle mich vollkommen gefühlstaub. Alles, was ich weiß, ist, dass ich hier nicht sein will. Aber genauso wenig besitze ich die Geduld, auf einen natürlichen Abgang zu warten. Der sich tage- bis wochenlang hinziehen könnte und nicht unbedingt ungefährlich sein muss. Dann will ich lieber einen klaren Schnitt. Möglichst brutal und bitte so schmerzhaft wie möglich. Damit ich weiß, dass es vorbei ist. Vielleicht kann ich mich dann auch wieder spüren.

In dem Zimmer, das ich mit drei anderen Frauen teile, rolle ich mich in meinem Bett zusammen, verstecke mich tief unter der Bettdecke, schließe die Augen und grenze mich aus. Ich will keine Gespräche. Nur meine Ruhe. Die Russin, im Bett neben mir, telefoniert durchgängig. Eine…

Von Tagebuchsachen

"Was in aller Welt ist mit euch los?", fragte Pippi gereizt. "Ich will euch nur sagen, dass es gefährlich ist, zu lange zu schweigen. Die Zunge verwelkt, wenn man sie nicht gebraucht."

(Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf geht an Board)
Ich habe das Gefühl, dass ich diesen Post schreiben muss. Ob ich dazu aber bereit bin, weiß ich nicht. Es fühlt sich nicht so an. Überhaupt fühlt es sich so an, als wäre ich für gar nichts bereit. Alles ist zu viel, alles ist zu schnelllebig, zu laut, zu grob. Ich bin zu empfindlich.
Das hier ist ein Post, der einfach nur wehtut.
Aber der raus muss.
Weil mich die Gedanken vergiften.


Von Bewerbern

Das Jo.bcen.ter ist seltsam. Ich meine, mir ist bewusst, dass Mitarbeiter des Jo.bcen.ters auch nur nach Vorgaben handeln. Aber die Bewerber, die mir im letzter Zeit vom Jo.bcen.ter vermittelt werden, werden immer seltsamer. Für eine Stelle in der Produktion, bei der man körperlich belastbar sein muss, wurde mir zuletzt ein Bewerber vorgeschlagen, dem ein ganzer Arm fehlte. Ein anderer hatte Glasknochen. Und ein Dritter erzählt mir während unseres Gespräches, dass er mal ein führendes Mitglied einer bekannten Motorradgang war und mit einem Fingerschnipsen den Laden hier abbrennen könnte, ohne sich selbst dabei die Hände schmutzig zu machen, wenn er das denn wollte. Ich bin ein Mädchen. Natürlich schrecke ich vor Einstellungen dieser Art zurück. Weil ich diese Erfahrung bereits gemacht habe. Und sie mich, vor gar nicht allzu langer Zeit, fast meinen Job gekostet hätte.

Auch das heutige Bewerbungsgespräch läuft nicht besser.
Denn das heutige Gespräch endet bereits nach 15 Minuten. So la…

Von Veränderungen

In den letzten Wochen bin ich so richtig auf die Nase geknallt. Wie ich das gemacht habe und wie es dazu gekommen ist, rekonstruiere ich gerade für mich selbst. Viele der Veränderungen, die sich in den letzten Tagen und Wochen vollzogen haben, will ich hier gar nicht teilen. Denn zum einen bin ich mir noch nicht sicher, ob es hier für mich weitergehen soll, ob es sich richtig anfühlt, mich hier zu öffnen. Nachdem ich mir zum 25.05.2018 sowieso einmal das komplette Layout des Blogs zerschossen habe und im Moment nicht wirklich die Geduld finde, auf Fehlersuche zu gehen, liegt es nahe, umzuziehen. Obwohl mir das Abschiednehmen von hier nicht ganz leichtfallen würde. Zum anderen sind die Veränderungen der letzten Zeit ziemlich intim, vor allem aber tiefgreifend. Ab jetzt ist nichts mehr so, wie es mal war. Kein Stein ist auf dem anderen geblieben und alles wird anders. Mir ist noch nicht klar, ob es vielleicht ausreicht, einen Teil meiner Gedanken ins verschlüsselte zauberreich auszulage…