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Von Friedrich II

Friedrich II - liebevoll auch Frerich genannt - ist heute Nacht gestorben.
Das hat sich schon ein paar Tage länger angekündigt. Aus der Zoohandlung hat der kleine Kampffisch eine ziemlich renitente Pilzinfektion mitgebracht. Ich habe immer wieder versucht, ihn zu behandeln, aber umsonst. Und so fischte er gestern, als ich von der Arbeit nach Hause kam, nur noch müde im Aquarium umher. Ließ sich mehr treiben, als wirklich aktiv zu fischen...
Das war der Moment, in dem ich merkte, wie angeschlagen ich noch bin: Ich habe erst einmal angefangen zu weinen. Das ist vielleicht - wahrscheinlich - total albern, weil Friedrich II "nur" ein Fisch war. Aber er war mein Fisch. Und ich wollte, dass es klappt. Dass es ihm gut geht und er sich bei mir wohlfühlt.
Den Abend gestern habe ich also damit verbracht, Friedrich II zu beobachten. Ich wollte ihm ein paar Stunden geben, um sich wieder aufzurappeln. Oder ihn am Ende des Abends erlösen. Das Wasser im Aquarium habe ich zu großen Teilen a…

Von ... komischen Dingen

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(Quelle: bdsmtest.org)

Ich war zunächst etwas irritiert von dem Testergebnis. Bin ich vielleicht auch immer noch. Das wird wohl noch ein bisschen in meinem Kopf Kreise drehen. Denn danach hatte ich das Gefühl, gar nicht mehr zu einer "normalen" Sexualität fähig zu sein. Was natürlich völliger Blödsinn ist. Ich finde "normal" einfach nur nicht ganz so spannend und erregend, wie einen Mann, der weiß, was er im Bett will. Normal ist okay. Manchmal auch schön. Nur eben auf Dauer (für mich) vielleicht auch etwas langweilig.
Na, wie dem auch sei: "Boy/Girl" hat mich zum Beispiel ziemlich nachdenklich zurückgelassen. Gerade in Hinblick auf Missbrauchserfahrungen in der Vergangenheit. Hier habe ich noch ein bisschen Grübel-Bedarf. Und gegen das eine oder andere Ergebnis wehre ich mich innerlich noch ein wenig, wie ich zugeben muss. Das mag ich mir noch nicht eingestehen.

(Memo an mich selbst: Ich könnte mal die Geschichte aufschreiben,  wie ich einen Pet-Player i…

Vom Trotz

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"In the nighttime When the world is at it's rest
You will find me
In the place I know the best
Dancin', shoutin'
Flyin' to the moon
Don't have to worry
'Cause I'll be come back soon..."

(Paul Kalkbrenner: Sky and Sand)
Auf dem Weg nach Hause fällt es mir plötzlich ein. Für einen Moment stehe ich regelrecht fassungslos neben mir. Aber in genau diesem Augenblick kann ich mich auch spüren. Mit all den Gefühlen, Gedanken und dem einzigartigen Chaos, das die letzten Wochen in mir hinterlassen haben. Ein Gefühl, das einem Flächenbrand ähnelt. Während die Sonnenstrahlen wärmend meine Haut streicheln und gleichzeitig eine Gänsehaut, von der  Zehenspitze bis in die letzte Haarwurzel hinein, über meine Haut wandert, durchzuckt mich eine Erkenntnis. Die in lauten Wellen nachhallt:
Irgendwo, zwischen dem Krankenhausaufenthalt meines Vaters, dem Tod meiner Opas und der Verantwortung, die ich viel zu lange für T.´s Wohlbefinden getragen habe, habe ich mich verloren.

Von der anderen Realität

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Es gibt nur einen Grund, warum ich es schaffe, das Büro zu betreten. Denn eigentlich will ich nicht. Oder besser: Ich kann nicht. Das denke ich zumindest, als ich auf dem Parkplatz vorm Büro stehe und versuche, mich dazu zu überreden, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Obwohl ich mich lieber umdrehen und im nicht vorhandenen Wandschrank verstecken will. Mir ist klar, dass meine Nerven äußerst dünn sind. Also rede ich mir selbst gedanklich gut zu. Versuche, mich zu stabilisieren. Was irgendwie nicht zu funktionieren scheint. So gar nicht. Ich ringe nur noch mehr um Fassung.

Irgendwann parkt mein Chef neben mir ein.
Ich drehe mich weg, atme tief durch und wische mir mit den Fingerspitzen die Tränen von den Wangen. Alles ist gut. Denke ich. Das Leben geht weiter.
Aber es ist die eine Sache, Zuhause zu sitzen und einen Verlust betrauern zu sollen.
Eine ganz andere Sache ist es, mit einem Male zu fühlen, dass der Verlust im Alltag ankommt.
Das ist eine ganz andere Art der Realität.
Ein n…

Vom Start in den Morgen

Grusel vorm ersten Arbeitstag...
Mein Körper scheinbar auch.
Er reagiert mit Kreislauf. Und zwar so heftig, dass ich erstmal im Bad zusammensinke und meine Stirn die kühle Klobrille küsst. Während ich gleichzeitig schwitze und friere. Mein Blickfeld schiebt sich irgendwie zusammen, vor meinen Augen tanzen Funken und mir ist kotzübel.

Ein paar Minuten später geht es wieder. Ich schleppe mich trotzdem zum Sofa und kuschle mich nochmal unter der Decke zusammen. Auf ein paar Minuten, die ich früher oder später arbeitsbereit bin, kommt es vermutlich nicht an.
Diese Kreislaufprobleme, die sind neu.
Hatte ich nie.
Die sind neu und nervig und eklig und sollen weggehen.
Ich bin kein Kreislaufmädchen.
Stattdessen bin ich es gewohnt, dass mein Körper funktioniert...

Vielleicht ist das eine Kopfsache.
Ich will nicht auf Arbeit.
Und reagiere psychosomatisch.
Wie damals, als ich noch ein Kind war:
Wenn ich in die Schule sollte, wurde mir auch immer übel.
An diesen Tagen habe ich mich im Wandschrank…

Von Fischen

Mein Verhältnis zu Angel- und Aquaristikläden ist irgendwie speziell. In dieser Art von Laden lerne ich immer mal wieder etwas über mich selbst. Und mache mich zum Apfel. Üblicherweise.

Bei einem Besuch vor ein paar Jahren habe ich beispielsweise über mich selbst gelernt, dass ich offenbar in Maßen zur Objektophilie neige. Anders kann ich mir meine Liebe, die ich urplötzlich für einen Pilker (künstlicher Köder), den ich noch nie im Leben gebraucht habe, nicht erklären. Dieser Pilker lag so schön in meiner Hand. Er hat so perfekt hineingepasst und hatte das ideale Gewicht. Und geglitzert hat er auch. Ich wollte ihn unbedingt haben.

Überhaupt überfallen mich in Angel- und Aquaristikläden häufig Liebesanfälle. So bin ich neuerdings verliebt in einen bezaubernden Fisch, der in dem Laden meiner Wahl fröhlich vor sich hin fischt. Wenn meine Wohnung ein riesiges Aquarium wäre, hätte ich ihn schon gekauft. So stehe ich nur in den letzten Tagen immer mal wieder vor dem Becken und murmle verzüc…