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Es werden Posts vom August, 2013 angezeigt.

Von der Gefühlsachterbahn

Es ist die Zeit der Oktoberfeste und auf einem solchen befinde ich mich schließlich am Samstagabend. Aus beruflichen Gründen. Der Brausepulvermann ist nicht anwesend. Und so gehe ich entspannt an diesen Abend heran, drehe mich in meinem Dirndl über die Tanzfläche und lasse mich, um meine Füße zu schonen, immer mal wieder von Gespräch zu Gespräch treiben.
"Wer ist eigentlich der Mann, der dich so scharf findet?", fragt eine Bekannte, "Zeigst du ihn mir?".
Als ich auf einen Mann, an einem der Tische in unserer näheren Umgebung, deute, zieht sie die linke Augenbraue nach oben.
"Ernsthaft?!", fragt sie, "Dem ist aber schon klar, dass er so gar nicht in deiner Liga spielt, oder?"
"Bitte?", frage ich verblüfft.
"Na ja. Der ist ungefähr 15 Jahre älter als du und... nicht dünn. Und er bekommt graue Haare!"
Ich schweige. Mir gefällt nicht, was sie sagt. Weil ich Laurenz mag. Ihn und seine Augen. Die mir so viel mehr über ihn verraten, …

Von meinem Monster

„Natürlich war ich zurückgezuckt, als er mich berührte. Mit ihm zusammen zu sein hieß, ihm wehzutun - unvermeidlich. Und das war das Gefühl, das ich hatte, als er die Hand nach mir ausstreckte: das Gefühl, dass ich ihm etwas zuleide tat, denn genau so war es.“ (John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter)

Der Zaubermann hat vor kurzem ein wenig von seinem Monster geschrieben und mich damit nicht nur ziemlich berührt, sondern auch sehr nachdenklich gemacht. Er hat mich an mein eigenes Monster erinnert. Wobei ich es nie als Monster begriffen habe. Als „schwarzes Loch“ habe ich es lange bezeichnet. „Das schwarze Loch in meinem Leben“ – etwas Unantastbares, über das ich weitestgehend schreiben, aber nicht sprechen kann, das ich hüte, wie ein Geheimnis und welches ich an den meisten Tagen aus meinem Leben ausklammere. Aber die Bezeichnung „Monster“ trifft es gut.


Mein Monster ist viele, viele Jahre alt und vermutlich gibt es nichts Vergleichbares, das ich erlebt habe, was mich so seh…

Von einem Brief an einen Fremden

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„Weil Menschen eben keine Zahlen sind. Sie sind eher wie Buchstaben. Und diese Buchstaben wollen sich zu Geschichten verbinden. Und Dad hat gesagt, Geschichten muss man mitteilen.“
(Extrem laut & unglaublich nah)

Lieber H.,
ob du wohl auch ab und an darüber staunst, wie seltsam das Leben ist? Was für unglaubwürdige, fast absurde Geschichten es manchmal schreibt? Denn das tut es doch, nicht wahr?

Hast du dich mal gefragt, warum es Hüpfburgen-Feste gibt? Warum sich im Dezember Frauen in knappen Kostümen auf den Weihnachtsmärkten die Beine in den Bauch stehen und frieren, während sie versuchen, Zuckerwatte zu verkaufen? Stellst du dir auch manchmal vor, dass wir Menschen wie Ameisen sind? Wunderst dich darüber, dass wir uns an manchen Tagen so groß fühlen, während wir an anderen Tagen auf die Größe eines Stecknadelkopfes schrumpfen? Spielst du ein Instrument, H.? Trägst du gleichfarbige Socken? Ich frage mich, wo du geboren wurdest? Vergisst du manchmal nach rechts und links zu schau…

Von Gummibärchen und Lieblingsgeld

Ein etwa sechsjähriges Kind, das vor mir in der Warteschlange zur Kasse steht, zählt sein Kleingeld. "1 Euro und 79 Cent habe ich!", erzählt das kleine Mädchen stolz seiner Mutter und öffnet die Hand, um ihr das Geld zu zeigen, "Damit will ich meine Gummibärchen heute selbst bezahlen! Ich bin ja schon groß!". Die Mutter nickt zustimmend. Einige Minuten später scannt die Kassiererin die Gummibärchen. Sie sagt: "Das macht bitte 87 Cent.". Das kleine Mädchen schüttet alles Geld, das sie noch immer in der Hand hält, neben die Kasse, lächelt die Kassiererin aufmunternd an und erweist ihr eine große Ehre - sie deutet auf den Haufen Kleingeld, der nun vor ihr liegt, und sagt großzügig: "Sie können sich gerne aussuchen, welche Centstücken sie wollen! Manche sind schon nicht mehr so schön, aber das hier glänzt noch! Wollen sie das haben?".  Wenn es in diesem Moment, in genau diesem Supermarkt, einen einzigen Menschen gibt, der nicht lächeln muss, dann k…

Von einem besonderen Mann

Vom Widerstand gegen die political correctness