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Es werden Posts vom März, 2018 angezeigt.

Von Dienstag, Mittwoch und Donnerstag

Dienstag

Der Einkäufer fährt er einen Audi A8. Er - der Einkaufer, nicht das Auto - ist ein kleiner Mann mit Halbglatze und abstehenden Ohren. Fast 45 Minuten lässt er uns warten. Um sich dann dickbräsig in seinem Bürostuhl zurückzulehnen, von seinen langjährigen Erfahrungen als gestandener Geschäftsmann zu erzählen und mit feuchter Aussprache ein Preisangebot nach dem anderen abzubügeln. Ihn interessiert nicht, wie die Preiserhöhung zustande kommt. Er ist sich lediglich sicher, dass er sie nicht mittragen wird.
Wenn mir dieser Termin nicht so wichtig wäre, wäre ich  - auf eine, wie ich zugeben muss, fast schon perverse Art und Weise - fasziniert von dieser Art der Verhandlungsführung. Die Zusammenkunft endet mit einem Preisangebot. In den kommenden Tagen will er Bescheid geben, ob der Preis für ihn akzeptabel ist. Ich bin mir jedoch sicher, dass er es nicht ist. Denn nachdem der Preis erst einmal genannt ist, steht er abrupt auf und fragt, ob dass das letzte Angebot ist, was bejaht w…

Vom Affen im Kopf

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Am Sonntag wache ich, nach einer viel zu langen Nacht und einer großartigen Party, auf und fühle mich, als hätte man mir in den vergangenen drei Stunden, die ich geschlafen habe, einen Kochtopf um den Kopf geschnallt, auf dem ein wild gewordener Affe Schlagzeug spielt. In meinem Kopf überschlagen sich die Erinnerungen an die vergangene Nacht. Ich versuche die Gedanken, die durch meinen Kopf purzeln, zu vertreiben und drehe mich im Bett von rechts nach links, links nach rechts, rechts nach links. Aber das nützt nichts. Ich kann nicht mehr schlafen. Und weil ich vermutlich immer noch einigermaßen betrunken bin - Gin Tonic, Aperol Spritz, Cuba Libre, Caipi und Wodka Energy sind in rauen Mengen geflossen - kitzeln sich in mir die Selbstzweifel noch:
Habe ich mich daneben benommen?
Blödsinn geredet?
Mich zum Apfel gemacht?

Es ist etwa 17:30 Uhr, als ich den ersten Drink in der Hand halte. Weil ich den Großteil der Leute, die auf dieser Party rumspringen, kenne, habe ich mich, wie ich zugeb…

Von den Dingen, die ich noch tun will

FallschirmspringenSkydivingEin Buch schreibenDurch Georgien wandernEin Quokka streichelnKlosterreise/PilgernEinen Kirschbaum pflanzenSchreiben lernenEin Kamel reitenPolarlichter beobachtenVerliebt nach Paris reisenRumänisch lernenAlleine segeln (Überhaupt mal wieder segeln)Eine Holzbank bauenPassfotos im Automaten mit einer Spontanbekanntschaft machenKanutourNoch einmal spontan als Rucksacktouristin ins Ausland durchbrennenAlle Fensterläden blau streichenEine Musikreise durch die USA machen. Start ist Nashville.Einen eigenen Garten haben, um Gemüse anzubauen.Einen Marathon laufen (Schon hundertmal angefangen zu trainieren. Genauso oft kapituliert.)"Krieg und Frieden" von Tolstoi lesenUrlaub auf den Azoren machen...oder am besten eine Weltreise.AnkommenEine Fahrt mit der transsibirischen EisenbahnZwei Kugelfischen ein Zuhause geben. (Formicarium wieder durch Aquarium ersetzen)99 Luftballons mit Helium füllen. Und sie alle behalten.2027 die Sagrada Familia erneut besuchenLerne…

Von Männern und Frauen

"Ich war gerade um Supermarkt", berichte ich lächelnd. "Hinter mir stand ein Mann in der Kassenschlange. Er hat ein Glas Bockwürste, eine Packung Kinderriegel, eine Tüte Milch und eine Cola auf das Kassenband gelegt. Plötzlich ruft eine blonde, total hübsche Frau quer durch den Supermarkt seinen Namen. Er dreht sich zu ihr um, grüßt sie und sie stellen fest, dass sie gerade dabei sind, exakt die gleichen Dinge einzukaufen. Sie haben einander so angestrahlt, woher auch immer sie sich kennen, ich bin mir sicher, dass sie sich gerade hoffnungslos in einander verliebt haben. Ich habe eben den Beginn einer großartigen Liebesgeschichte miterlebt. Daran habe ich keinerlei Zweifel."

Er lächelt, während er meinen Worten lauscht. Als ich alles gesagt habe, was zu sagen ist, erwidert er in seiner typischen trockenen Art: "Eigentlich ist die Frau, die du gerade im Supermarkt gesehen hast, die Nachbarin des Mannes, der hinter dir in der Kassenschlange stand. Sie beobachte…

Vom Sicherheitsbedürfnis eines russischen Kastenbrotes

"How I wish you were here...
We're just two lost souls,
swimming in a fish bow..."

(Pink Floyd - Wish you were here)
Es klingelt und als ich die Tür öffne, steht Harry davor. Fröhlich schwenkt er zwei Einkaufstüten vor meiner Nase herum.
"Essen macht glücklich!", ruft er und strahlt mich an.
Ich lächle etwas schief zurück. Die vergangene Nacht hängt mir ein wenig hinterher. Zu drei Stunden Schlaf habe ich es immerhin gebracht. Den Rest der Zeit habe ich meine Gedanken zu Tode gegrübelt. Jetzt fühle ich mich, als hätte ich den vergangenen Abend mit zwei Flaschen schweren Rotweins verbracht. Dafür bin ich nicht mehr so überdreht und aufgewühlt. Nur noch müde.
Harry drückt sich an mir vorbei und läuft in die Küche.
"Ich habe so leckere Sachen gekauft, Muschelmädchen!", stellt er begeistert fest und fängt sofort an, mir eine Reihe von Lebensmitteln aufzuzählen.
Während er erzählt, lasse ich mich erschöpft auf den nächsten Stuhl fallen und präsentiere…

Too much to dream

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(Vielen lieben Dank an Rain, der die Rohfassung überarbeitet und Rechtschreibverbrechen aufgelöst hat, als ich keine Lust mehr dazu hatte. Er war auch so lieb mit pflegender Hand noch einmal über die Formatierung zu gehen. Deshalb heute ein Titel, der aus der Reihe tanzt.)

Ich befinde mich in einer verspiegelten Halle, die sich inmitten einer Fußgängerzone befindet.

Intuitiv weiß ich, dass ich zwar hinaussehen, aber man von außen nur hineinsehen kann,
wenn innen die Beleuchtung angeschaltet ist.
Das beruhigt mich.
Denn ich liege nackt auf einem riesigen weißen Bett, das in der Mitte des Raumes steht
 - dem einzigen Gegenstand, der sich hier befindet.

Jemand tritt von hinten an mich heran. Ich sehe ihn nicht.
Aber ich spüre, wie er mit einem kräftigen Griff meine Schenkel spreizt.
Als seine Finger sanft über meine nackte Scham streicheln, stöhne ich leise auf.
Ich sehe, wie sich eine Gruppe junger Frauen von außen der verspiegelten Halle nähert.
Sie bleiben direkt vor mir stehen.
So n…

Vom Wochenende

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Vor mir liegt ein Wochenende, das ich mit einer guten Freundin am Meer verbringe. Ich sehne mich danach, den Wind in den Haaren zu spüren, die Füße im kalten Sand zu vergraben, mit meinen Fingerspitzen den Horizont zu streicheln, Muscheln zu sammeln und dabei die Seele baumeln zu lassen. Wir haben uns ein kleines Haus gemietet, werden viel laufen und Abends feiern gehen, uns bis in die Morgenstunden hinein unterhalten, um schließlich gemeinsam in das etwas schmal ausgefallene Bett zu kriechen.
Ich bin ein bisschen hibbelig.
Und freue mich auf die kommenden drei Tage.


(Der Horizont kippt in meinen Fotos immer ab.  Vermutlich habe ich einen Knick in der Optik.  Aber das macht nix: Das gehört so.)

Vom Mitmach-Post: Mitarbeitergespräche

Am Samstag um 21 Uhr klingelt das Rufbereitschaftshandy. Am Telefon ist ein Mitarbeiter, der schon 6 Jahre bei mir beschäftigt ist. Er ist etwa 55 Jahre alt, redet gerne ziemlich viel und ist ab und an etwas verpeilt.
Folgender Dialog spielt sich zwischen uns ab:

Er [ganz aufgeregt]: "Frau Muschelmädchen! Wie schön, dass sie ans Telefon gehen. Ich habe ein Problem!"
Ich [noch tiefenentspannt]: "Probleme gibt es heute nicht, Herr Mustermann. Es ist Wochenende, da ruhen die Probleme."
Er [zerknirscht]: "Das stimmt nicht. Ich habe wirklich ein Problem."
Ich [nachgebend]: "Na, dann immer raus damit. Was kann ich für sie tun?"
Er [völlig aufgewühlt]: "Frau Muschelmädchen, ich soll am Montag in der Frühschicht arbeiten. Die beginnt um 5 Uhr morgens."
Ich [zustimmend]: "Ich weiß."
Er [erklärend]: "Nun habe ich aber gerade den Wetterbericht für Montag gesehen!"
Ich [etwas irritiert]: "Aha...?"
Er [bestätigend]: "Ja! U…

Von Warnhinweisen zur Bedienungsanleitung

Warnhinweise zur
Bedienungsanleitung
Das Muschelmädchen wird nie ein Mensch sein, der irgendwann alle Geheimnisse preisgegeben hat. Es wird immer Dinge geben, die es mit sich selbst ausmacht. Und es wird immer und immer wieder für eine Überraschung - eine unerzählte Geschichte, ein unbenanntes Gefühl oder eine unberechenbare Reaktion - gut sein.Sein Vertrauen verschenkt das Muschelmädchen in der Regel exakt ein einziges Mal. Es wird auch bei einem Vertrauensmissbrauch versuchen, den ursprünglichen Zustand der etwaigen Beziehung wieder herzustellen. Erfahrungsgemäß fällt ihr das aber sehr, sehr schwer. Ist das Vertrauen erst einmal angeschlagen, reagiert sie empfindlicher, sensibler und vorsichtiger als zuvor. Es braucht dann Zeit, um wieder Vertrauen zu fassen. Ob das tatsächlich gelingt, steht allerdings in den Sternen. Es wäre deshalb gut, wenn Sie das Vertrauen des Muschelmädchens einfach von Beginn an behutsam behandeln. Es ist wesentlich einfacher, sein Vertrauen zu verlieren, als…

Vom Edeka-Land

X [plaudernd]: "Ich muss noch etwas einkaufen und fahre schnell nach Edeka."
Muschelmädchen [verwirrt]: "Edeka? Von diesem Land habe ich noch nie gehört? Wo liegt das?"
X [verständnislos]: "Hä?"
Muschelmädchen [fragend]: "Meinst du den Supermarkt?"
X [nickend]: "Ja, sicher."
Muschelmädchen [eine Augenbraue hochziehend]: "Dann heißt das ´zu´ - ´Ich fahre schnell zu Edeka!´ Zu, zu, zu!!!"
X [massiv genervt]:"Muschelmädchen, du bist so ein Klugscheißer!"

[10 Minuten später]

X [sinnierend und kontextlos]: "Du bist größer wie ich."
Muschelmädchen [nachdenklich]: "Ich glaube, das liegt an meinem Gehirn."
X [verwundert]: "Was?"
Muschelmädchen [lächelnd]: "Wie bitte?"
X [irritiert]: "Wovon redest du Muschelmädchen?"
Muschelmädchen [anstrengend neunmalklug]: "Davon das ich mir gemerkt habe, wann ich ´als´und wann ich ´wie´ verwende. Deshalb ist mein Kopf größer als deiner. Das Wor…

Von der vierten Chance

Dreimal habe ich Frau Muster eingestellt:
Das erste Arbeitsverhältnis zwischen uns dauert fünf Wochen an. Sie kommt und geht, wann sie will, kann wegen der monatlichen Regelblutung nicht arbeiten und beschließt irgendwann, sich ihren Urlaub selbst auszusuchen und diesen nach Gutdünken, ohne je einen Urlaubswunsch geäußert oder einen Urlaubsantrag eingereicht zu haben, zu nehmen.
Ihre zweite Chance bei mir nutzt sie. Zumindest in den ersten anderthalb Monaten unseres Beschäftigungsverhältnisses. Dann kommt sie auf die Idee, einen Fahrservice zum Arbeitsplatz einzufordern, für eine Strecke von sechs Kilometern, die man auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen kann. Als ich ihr diesen Service verwehre, verweigert sie mir die Arbeitsleistung.
Beim dritten Versuch, um den sie unter Tränen fleht, geht sie für vier Wochen arbeiten, fehlt schließlich hier und da immer mal wieder unentschuldigt, bis sie schließlich gar nicht mehr auftaucht. Jegliche Anrufversuche bei ihr versanden un…

Von Grauzonen

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(Warnhinweis: Kein Post für Zartbesaitete)