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Es werden Posts vom 2015 angezeigt.

Von der Gefühlsachterbahn

Es ist die Zeit der Oktoberfeste und auf einem solchen befinde ich mich schließlich am Samstagabend. Aus beruflichen Gründen. Der Brausepulvermann ist nicht anwesend. Und so gehe ich entspannt an diesen Abend heran, drehe mich in meinem Dirndl über die Tanzfläche und lasse mich, um meine Füße zu schonen, immer mal wieder von Gespräch zu Gespräch treiben.
"Wer ist eigentlich der Mann, der dich so scharf findet?", fragt eine Bekannte, "Zeigst du ihn mir?".
Als ich auf einen Mann, an einem der Tische in unserer näheren Umgebung, deute, zieht sie die linke Augenbraue nach oben.
"Ernsthaft?!", fragt sie, "Dem ist aber schon klar, dass er so gar nicht in deiner Liga spielt, oder?"
"Bitte?", frage ich verblüfft.
"Na ja. Der ist ungefähr 15 Jahre älter als du und... nicht dünn. Und er bekommt graue Haare!"
Ich schweige. Mir gefällt nicht, was sie sagt. Weil ich Laurenz mag. Ihn und seine Augen. Die mir so viel mehr über ihn verraten, …

Von der Auszeit

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Vom Gleichmut

Gleichmut. Allen Dingen, Situationen und Menschen mit der gleichen Art von Mut zu begegnen. Ihnen nicht in Distanz gegenüberstehen, sondern in Nähe und liebevoller Gelassenheit. Dabei anzunehmen, was ist, loszulassen, was gehen will oder nicht gut tut und, natürlich, zu lieben. Immer aus dem Blickwinkel heraus, dass die ganze Welt in Bewegung ist. Innerhalb dieses Flusses in sich selbst verhaftet zu sein, aber trotzdem ein kleinstes Teil von allem zu sein. Dadurch zu Gleichmut, aber auch Stabilität und Sicherheit, zu finden. Das hört sich gut an. Mehr Gleichmut für mich.

Von der Zorroline in mir

"Wherever you fall
If you need a hand to hold
I'll come running, because
You and I won't part till we die
You should know
We see eye to eye, heart to heart"

(James Blunt: Heart to Heart)
Schweigen.  "Ich mag den Menschen, zu dem du mich machst.", sagt er nachdenklich, "Ich wollte immer, dass mich jemand so sieht.".

Ich kichere unbemerkt in mich hinein. Mit einer einzigen, lässigen Handbewegung rücke ich mir den imaginären, schwarzen Hut zurecht, drehe mich einmal schwungvoll um meine eigene Achse und fühle mich ein bisschen wie Zorro.
Leise lachend spüre ich dem Kribbeln in mir nach. Wenn man die Fingerspitzen auf das legt, was gut ist und tief berührt, schrumpft der Rest zu Glück.
Dann wird es ganz einfach, zu zaubern.
...

Von der Erdbeerprinzessin

“Wie es ist, wenn nichts anderes auf der Welt einem so wichtig erscheint, wie die richtigen Worte zu finden, um ein Gefühl zu malen, ein Bild zu schreiben, einen Ausdruck so laut oder leise zu formulieren, dass er dort gehört wird, wo er bleiben möchte. Wie es ist, von Hoffnung zu erzählen, ohne dabei nach verflossenen Liebschaften zu klingen, einen Sonnenuntergang nicht mit den Farben Orange und Rot zu beschreiben, eine Träne nicht einfach nur salzig sein zu lassen und einen Augenblick, der nie wieder kommen wird, so zu umfassen, dass man ihn für immer sehen kann, auch wenn er gar nicht stattgefunden hat.” 

(Lilly Lindner: Splitterfasernackt)
*.*

Lieber Wanderer,
ein Muschelmädchen gibt es hier nicht. Hier gibt es nur eine Erdbeerprinzessin und die genießt den zauberhaften Sommerschnee. Der sieht nämlich nicht nur schön aus, sondern streichelt auch die Haut, so wunderbar leicht und weich, fast so schön, wie Wind, Sonne, Regenbogen und Federspitze. Der Himmel ist ganz blau, hi…

Vom Flirten mit Frauen

"Und hier ein großes Eis für die Frau mit den riesigen Augen.", sagt sie, stellt den Eisbecher vor mich und lächelt mich an. "So riesig sind meine Augen gar nicht.", sage ich und werde ein bisschen rot. Flirtet sie mit mir...? "Auf jeden Fall sind sie wunderschön!", gibt sie zurück. Als sie meinen Gesichtsausdruck sieht, fängt sie an zu lachen. "Und sie können sogar noch größer werden!", stellt sie amüsiert fest. Verlegen schaue ich sie an und lasse mich von ihrem Gelächter anstecken. Ab und an weiche ich ihrem Blick aus, um mich am Ende doch wieder in ihm zu verfangen. Sie flirtet mit mir. Es ist ganz eindeutig. Eine kleine Gänsehaut kitzelt sich langsam über meinen Rücken und die feinen Härchen an meinen Armen richten sich auf. Plötzlich bin ich mir der leichten, kurzen Kleidung, die ich trage, sehr bewusst. Nicht weil ich mich nackt vor ihr fühle, sondern weil ich die Lust spüre, die sich völlig unkontrolliert in mir in mir an die Oberfläche …

Von der Verführung

Ich will ihn verführen. Und das werde ich.  Das kleine, schwarze Kleid wird sich eng und weich an meinen Körper schmiegen. Es wird erahnen lassen, dass ich darunter lediglich halterlose Strümpfe trage. Ich werde mich auf seinen Schoß setzen und mich an ihm reiben. Erst unauffällig, kaum wahrnehmbar, und später mit deutlichem Nachdruck. Mit der Zunge werde ich behutsam über seine Lippen fahren, ihn zu mir ziehen und ihn schließlich meine Fingernägel fest in seinem Nacken spüren lassen. Ich will seine Gier genießen, sie an- und ausreizen, ganz Frau sein und ihn das fühlen lassen. Wenn er kurz davor ist, die Beherrschung zu verlieren, werde ich ihm direkt in die Augen schauen. Ich werde seinen Blick erwidern und ihn bitten, mich zu ficken. Vollkommen kontrolllos.

...

Von der Nacht im Bus

"'Cause you can't jump the track, we're like cars on a cable
And life's like an hourglass, glued to the table
No one can find the rewind button, girl.
So cradle your head in your hands
And breathe... just breathe,
Breathe, just breathe..." 

(Anna Nalick - Just Breath)
Heute vor einem Jahr lagen wir in dem Bett des kleinen, blauen Busses. Eingekuschelt in unsere Schlafsäcke, die Hände nicht von einander lassen könnend. Sein Daumen auf meinem Handrücken, streichelt sanft meine Haut. Die lange Nacht, die hinter uns liegt, weicht allmählich dem Tag. Während die Stunden verstreichen, halte ich ihn fest. Wir reden kaum. Alles, was wir teilen, sind Berührungen und Blicke. Ich verliere mich in ihm. Und das, obwohl ich ganz genau weiß, dass ich nicht hier sein dürfte. Als er mich das erste Mal küsst, rollt mir eine Träne über die Wange und verebbt auf seinen Lippen.
Später am Tag, es ist schon fast Mittag, tischt er ein kleines Frühstück auf. Er trinkt keinen Kaffee, aber …

Von einer E-Mail

Ausschnitt:

Ah, ich wollte dir noch etwas erzählen:
Wir beschäftigen einen Russen. Olek, so ist sein Name. Oleks Familie lebt in Russland. Alles Geld, was er bei uns verdient, schickt er seiner Familie. Er ist etwa... 40 Jahre alt und vermisst seine Frau, seine Eltern und seine Kinder sehr. Das merkt man unter anderem daran, dass er immer ganz viel Körperkontakt sucht. Anfangs war mir das unheimlich und ich bin immer zurückgeschreckt. Dann habe ich mit meinem Chef darüber gesprochen und er hat mir erklärt, was Olek fühlt (Ich kannte ihn ja nicht und wusste sein Verhalten nicht einzuordnen.). Irgendwann habe ich bemerkt, dass er ganz liebe Augen hat. Umso öfter ich ihn sah, desto mehr verflüchtigten sich meine Ängste. Oleks Eltern sind vor ein paar Tagen ums Leben gekommen. In Russland. Er war heute bei uns. Hat erzählt davon. Es war nicht etwa so, dass er Trost gesucht hat. Stattdessen hat er einen Arm um meine Taille gelegt, mich, ganz behutsam, mit seinen Riesenpranken umfa…

Vom Handlesen

Meine Chefin liest aus meiner Hand:
Ich bekomme zwei Kinder (in fünf, sechs Jahren)Ich habe eine große Liebe erlebt (So groß, dass sie innegehalten hat und mich angestarrt hat. Sehr... überrascht.)Ich liebe(Ich werde nicht alt. Glaube ich. Sie hat das nicht gesagt. Nur schnell das Thema gewechselt. Sie würde nie jemandem etwas Schlechtes sagen.) Eigentlich glaube ich nicht an solche Dinge. Andererseits kenne ich niemanden, der ein vergleichbares Bauchgefühl/Intuition hat. Das ist manchmal... wirklich unheimlich. Oder nur Chef-Gen.