Vom Irren

Es ist nicht so, dass ich nicht versucht habe, mich mit ihm darüber zu unterhalten. Aber wenn ich daran denke, wird mir übel. Weil ich seine Argumentation so unterirdisch finde.
"Was soll ich denn tun, wenn ich dich anfassen will? Dann muss ich das doch."
"Ich kann nichts dafür, dass du scharf bist."
"Du tust ja gerade so, als hätte ich dich vergewaltigt."
"Nicht, dass du jetzt zu einer frigiden Trulla wirst!"

Heute hat mich jemand, der diesen Blog liest, gefragt, ob mich dieses Thema, das ich in meinem Jahresrückblick angeschnitten habe, noch beschäftigt. Meine Antwort war "Ja." Danach konnte ich nicht mehr sprechen, weil der müselig zusammengekleisterte Staudamm sich angefühlt hat, als wäre er kurz davor, zu brechen. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und einen riesigen Kloß im Hals. Das hat mich selbst erschrocken. Bisher war mir nicht bewusst, wie tief meine Empfindungen dazu gehen. Aber wie sollte mir das auch bewusst sein: Ich…

Vom Bodensatz

In meinem Beruf erfahre ich sehr viel menschliche Härte. Ich lerne die Menschen kennen, die am absoluten Rand der Gesellschaft stehen. Unsere Gesellschaft hat einen Bodensatz, wenn man es grob formulieren möchte. Den hatte ich hier mal beschrieben: Bodensatz

Ich beginne, eine ziemliche Wut auf das System zu entwickeln, in dem wir leben. Das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass ich das Gefühl nicht loswerde, dass man vor diesem Teil der Gesellschaft einfach die Augen verschließt, immer in der Hoffnung, dass der Mob schon nicht auf die Idee kommen wird, zu den Mistgabeln zu greifen. Obwohl ich diese Menschen wieder und wieder versuche aufzufangen, ihnen Sinnhaftigkeit und eine neue Richtung versuche zu geben, fühle ich mich so hilflos in Anbetracht der finanziellen, materiellen, geistigen und menschlichen Armut mit der ich konfrontiert werde. Der Kampf, den ich in meinem Beruf führe, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Und er macht mich an vielen Tagen einfach nur müde, weil ich nicht frustrationstolerant genug bin und zu viel Herz in die Dinge lege, die ich tue. Ich wünsche mir oft einen anderen Job. Einen Job, in dem ich mich nicht mit den kleinen und großen Sorgen anderer Menschen beschäftigen muss, sondern einfach nur meine Aufgaben "abarbeiten" und danach nach Hause gehen und mich mit Banalitäten beschäftigen kann. Aber auf der anderen Seite kann ich mir häufig ebenso wenig vorstellen, etwas anderes zu tun. Denn wenn ich mir vorstelle, einem anderen Beruf nachzugehen, beschleicht mich das Gefühl, einer von denen zu werden, die weggucken. Das möchte ich nicht. Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder werde weggucken können.

Warum gehen wir nicht ein bisschen Sand ins Getriebe der Gesellschaft streuen?
Warum werfen wir keine Steine?

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