Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom Bodensatz

In meinem Beruf erfahre ich sehr viel menschliche Härte. Ich lerne die Menschen kennen, die am absoluten Rand der Gesellschaft stehen. Unsere Gesellschaft hat einen Bodensatz, wenn man es grob formulieren möchte. Den hatte ich hier mal beschrieben: Bodensatz

Ich beginne, eine ziemliche Wut auf das System zu entwickeln, in dem wir leben. Das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass ich das Gefühl nicht loswerde, dass man vor diesem Teil der Gesellschaft einfach die Augen verschließt, immer in der Hoffnung, dass der Mob schon nicht auf die Idee kommen wird, zu den Mistgabeln zu greifen. Obwohl ich diese Menschen wieder und wieder versuche aufzufangen, ihnen Sinnhaftigkeit und eine neue Richtung versuche zu geben, fühle ich mich so hilflos in Anbetracht der finanziellen, materiellen, geistigen und menschlichen Armut mit der ich konfrontiert werde. Der Kampf, den ich in meinem Beruf führe, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Und er macht mich an vielen Tagen einfach nur müde, weil ich nicht frustrationstolerant genug bin und zu viel Herz in die Dinge lege, die ich tue. Ich wünsche mir oft einen anderen Job. Einen Job, in dem ich mich nicht mit den kleinen und großen Sorgen anderer Menschen beschäftigen muss, sondern einfach nur meine Aufgaben "abarbeiten" und danach nach Hause gehen und mich mit Banalitäten beschäftigen kann. Aber auf der anderen Seite kann ich mir häufig ebenso wenig vorstellen, etwas anderes zu tun. Denn wenn ich mir vorstelle, einem anderen Beruf nachzugehen, beschleicht mich das Gefühl, einer von denen zu werden, die weggucken. Das möchte ich nicht. Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder werde weggucken können.

Warum gehen wir nicht ein bisschen Sand ins Getriebe der Gesellschaft streuen?
Warum werfen wir keine Steine?

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