Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Vom Hochgespultsein

Freitagnachmittag spüre ich, dass ich allmählich an meine Grenzen stoße.
Da ist zum einen der Job, der tagtäglich 100% von mir fordert, und in dem es absolut keine Gelegenheiten gibt, mal zur Ruhe zu kommen. Unendlich viele Dinge müssen zeitgleich erledigt werden. Ohne den Überblick über die Gesamtsituation zu verlieren. Am Nachmittag beginnt mein Körper mit Übelkeit und Schwindel zu kämpfen. Der Kreislauf ist es nicht. Zumindest zeigt mein Körper nicht die Anzeichen einer Kreislaufschwäche. Ich arbeite einfach jegliches Unwohlsein weg. Was anderes bleibt mir bei der momentanen Bürobesetzung auch einfach nicht übrig.
Zum anderen läuft es im privaten Bereich im Moment auch eher suboptimal. Ich verstricke mich in allen möglichen Gedanken, drehe mich im Kreis und kämpfe mit Gefühlen, die ich eigentlich nicht haben sollte, weil sie mir nicht zustehen. Sehnsucht und Eifersucht sorgen für ein Wechselbad der Gefühle. Dabei balanciere ich permanent auf dem Grat zwischen dem Bedürfnis nach Nähe und der Angst, mich zu verletzbar zu machen, die mich zwingen will, Distanz zu erzeugen. Die aktuelle Erschöpfung, die ich in wirklich jeder Faser meines Körper spüre, intensiviert diese Gefühle.
Vor allem aber fühle ich mich allein. Mit allem. Dem Job, dem Haushalt, den wirren Emotionen. Um mich von all dem, was in meinem Kopf gerade Achterbahn fährt, abzulenken, fange ich nach der Arbeit an, die Wohnung aufzuräumen. Das beschäftigt mich tatsächlich mehrere Stunden. Küche, Bad, Schlafzimmer, Kleiderkammer, Balkon. Ich schneide sogar die Blumen. Einzeln. Bis mir irgendwann gegen 21 Uhr einfällt, dass ich den ganzen Tag noch nichts gegessen habe. Nicht gut.

Gegen 23 Uhr falle ich in einen traumlosen Schlaf. Aber ich wache schon wieder um 5 Uhr auf. Liege wie hochgespult in meinem Bett und fühle mich, als hätte ich Pep genommen: Todmüde, aber vollkommen aufgeputscht. Keine Chance auf mehr Schlaf. Obwohl ich die Anspannung und die Erschöpfung in meinen Gliedern spüren kann. Also stehe ich auf. In meinem Posteingang entdecke ich eine neue Nachricht von T. Dieses Mal auf einer anderen E-Mail-Adresse. Und da die Nerven dünn sind und meine Geduld endlich ist, reagiere ich dieses Mal darauf. Ich weise ihn darauf hin, dass er mich darum gebeten hat, absolut konsequent zu sein und keinen Kontakt mehr zu ihm zu suchen, weil es ihm nur so wieder gut gehen kann. Kurz führe ich an, dass ich all seinen Bitten nachgekommen bin, von ihm nun aber die selbe Konsequenz erwarte. Außerdem weise ich ihn daraufhin, dass meine Name noch immer in einem gemeinsam aufgebauten Projekt genannt ist und das ich möchte, dass er diesen entfernt. Das Logo, das ich entworfen habe, lasse ich ihm. Natürlich.
Ehrlich? Meine Mail ist alles andere als nett. Und hinterher fühle ich mich schlecht. Aber ich glaube und hoffe, dass es sinnvoll ist, Grenzen aufzuzeigen. Für ihn, aber auch für mich. Ich bin niemand, der sich erst zum Teufel jagen und dann wieder einfangen lässt. Für gewöhnlich entsorgt man mich genau ein einziges Mal.

Irgendwie muss ich es dieses Wochenende schaffen, mal runterzukommen und mich zu entspannen.
3 Wochen noch bis zu meinem Urlaub.
Die muss ich irgendwie noch überstehen.
Aber mich zu entspannen fällt mir gerade so schwer.

Kommentare

  1. Es ist schon erschreckend, wie schwer es manchmal sein kann, zu entspannen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn ich das so formuliert von dir lese, habe ich irgendwie das Gefühl, dass... es albern ist, sich nicht enspannen zu können (womit ich dir jetzt nicht unterstellen will, dass du das so gemeint hast). Vielleicht sollte ich mich selbst ein bisschen weniger ernst nehmen. :-)

      Löschen
    2. War auch nicht so gemeint.

      Löschen
    3. Das ist gut.
      (Übrigens switche ich, glaube ich, immer zwischen dem "Sie" und dem "Du". Habe beschlossen, jetzt einfach beim "Du" zu bleiben. Im Gegenzug verspreche ich dir auch hoch und heilig, kein getarnter Geheimagent zu sein. Ehrlich. :-))

      Löschen
    4. Das finde ich sehr beruhigend.

      Löschen
  2. Kenn ich leider manchmal auch. Bei mir ist die innere Unruhe dann manchmal so groß, dass ich erst gar nicht in den Tiefschlaf komme.
    In solchen Phasen haben drei Sachen bei mir zumindest einen leichten Effekt:
    Eine halbe Stunde bevor ich schlafen will, keine spannenden Bücher oder Filme, nichts Spannendes am PC.
    Ich höre mir das hier https://goo.gl/idK3bG bei YouTube an, inzwischen bin ich so konditioniert ;-) dass ich bei den ersten Tönen schon entspanne. Gehört nicht unbedingt zu meiner Hitliste, ist aber hilfreich.
    Und wenn ich früher als gewollt aufwache und nicht mehr einschlafen kann, ist es halt so. Ich nerve mich dann nicht mehr selber mit aller Gewalt wieder einschlafen zu wollen. Bleibe im Bett liegen und gönne zumindest meinem Körper die Ruhe, evt. lese ich noch
    Vielleicht ist etwas davon ja auch für Dich passend

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für die Ratschläge, liebe Miss Whimsy. Ich werde sie auf jeden Fall ausprobieren. Alle. Ich bin für jeden Tipp dankbar...

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Willkommen im Zauberreich. Da dieser Blog ziemlich viel persönlichen Krimskrams enthält, lassen Sie uns einander doch duzen:

Schreib mir gerne einen Kommentar, bringe mich zum nachdenken, schmunzeln oder lachen. Aber bitte vergiss nicht, dass dieser Blog ein Spiegel meines Innen- und Gedankenleben ist. Ich würde mich demnach freuen, wenn du deine Worte sorgfältig wählst und behutsam mit den Dingen umgehst, die ich hier niederschreibe. Außerdem möchte ich dich darum bitten, mir deinen Namen oder wenigstens ein Kürzel unter dem Kommentar zu hinterlassen, damit ich weiß, mit wem ich es zu tun habe. Dankeschön!

Bitte beachte zudem, dass die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung (https://zauberreich.blogspot.de/p/datenschutz.html) und in der Datenschutzerklärung von Google.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vom Mittag

Vom Aufräumen

Vom Mitmach-Post: Mitarbeitergespräche