Von der Gefühlsachterbahn

Es ist die Zeit der Oktoberfeste und auf einem solchen befinde ich mich schließlich am Samstagabend. Aus beruflichen Gründen. Der Brausepulvermann ist nicht anwesend. Und so gehe ich entspannt an diesen Abend heran, drehe mich in meinem Dirndl über die Tanzfläche und lasse mich, um meine Füße zu schonen, immer mal wieder von Gespräch zu Gespräch treiben.
"Wer ist eigentlich der Mann, der dich so scharf findet?", fragt eine Bekannte, "Zeigst du ihn mir?".
Als ich auf einen Mann, an einem der Tische in unserer näheren Umgebung, deute, zieht sie die linke Augenbraue nach oben.
"Ernsthaft?!", fragt sie, "Dem ist aber schon klar, dass er so gar nicht in deiner Liga spielt, oder?"
"Bitte?", frage ich verblüfft.
"Na ja. Der ist ungefähr 15 Jahre älter als du und... nicht dünn. Und er bekommt graue Haare!"
Ich schweige. Mir gefällt nicht, was sie sagt. Weil ich Laurenz mag. Ihn und seine Augen. Die mir so viel mehr über ihn verraten, …

Von extra Aufgaben

Das Diensthandy wechselt seinen Besitzer wochenweise. Es ist ausschließlich dazu da, um in Notfällen reagieren und schnelle Lösungen finden zu können. Ich brauche so unbedingt eine Augenbraue, die ich nach oben ziehen kann. Dass ist es zumindest, was ich denke, als ich morgens um 4:30 Uhr zum Handy greife. Ich will dem Werksleiter eine SMS schicken. Bevor ich aber dazu komme, verirrt sich mein Blick rein zufällig in den SMS-Verlauf. Irgendeiner meiner Kollegen schreibt SMS mit ihm. Und zwar über mich.
"Gib mir mal bitte die Handynummer vom Honigbrummer.", steht da. Und: "Hallo Werksleiter, der Honigbrummer hat versucht, dich anzurufen. Du hast ihn weggedrückt und jetzt ist er ganz traurig und lässt den Kopf hängen." Einige andere SMS reihen sich an. Aha. Hm. Ich bin reichlich irrtiert. So irritiert, wie man morgens um 4:30 Uhr sein kann. Schließlich fällt mir ein, warum ich das Handy zur Hand genommen habe. "Hallo Werksleiter", tippe ich, "Herr Müller verspätet sich um 20 Minuten. Er beeilt sich aber. Viele Grüße, Muschelmädchen." Die Antwort lässt keine drei Minuten auf sich warten: "Guten Morgen Muschelmädchen. Dann komm du vorbei und arbeite so lange bis er da ist." "Er ist schneller da, als ich es bin", schreibe ich, "Aber ich arbeite schon mal in Gedanken für ihn vor." Wieder piept das Handy. Dieses Mal muss ich die SMS zweimal lesen. "Für dich habe ich extra Aufgaben.", steht auf dem Display des Diensthandys.
Ich frage mich ernsthaft, ob es einem Mann möglich ist, so eine SMS zu schreiben, ohne einen Hintergedanken zu haben. Vielleicht bin ich einfach nur so sexuell verdorben, dass ich da etwas hineinlese, was eigentlich gar nicht da steht? Morgens, zu so früher Uhrzeit, bin ich noch nicht dazu fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Aber das muss ich auch nicht. Das Diensthandy fängt unvermittelt anzuklingeln. Vor 8:00 Uhr wird es nicht mehr verstummen.

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