Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Von der Möglichkeit wegzugehen

Ich war immer jemand, der gerne ausgebrochen ist. Der viel gereist ist. Und ein Angebot, alles hinzuschmeißen und ans andere Ende der Welt zu gehen, ist reizvoll. Sehr. Obwohl ich häuslicher geworden bin. Mittlerweile spiele ich nur noch selten mit dem Gedanken, all mein Geld abzuheben und irgendwohin durchzubrennen. Alles hinter mir zu lassen.
Ich spüre aber, dass mich die Sehnsucht und das Fernweh kitzeln. Beide rieseln wie Brausepulver durch meinen Körper und zaubern mir Bilder von Meer, Quokkas und Rucksacktourismus in den Kopf. Muss da draussen nicht noch irgendwo mehr für mich sein? Irgendetwas was mich glücklicher macht als dieser graue Alltag? Warum nicht verrückt und unstetig leben?
Auf der anderen Seite: Ich bin 31 Jahre alt. Auch wenn ich das niemals laut sagen würde (und schon gar nicht einem Mann), möchte ich irgendwann ein Haus kaufen und eine Familie... gründen (Wie spießig. Ich glaube langsam, dass es die Bio-Uhr wirklich gibt.). So ein Ausbruch würde natürlich auch komplett jede Planung durcheinanderwirbeln. Und ich habe Angst, die Zeitfenster dafür zu verpassen. Was Blödsinn ist mit 31 Jahren. Oder? Ja, doch. Definitiv Blödsinn. (Meine Bio-Uhr gehört scheinbar zur hysterischen Sorte.)

Und was ist mit dem Mann?
Was davon kann ich mir mit ihm an meiner Seite vorstellen und was nicht?
Will ich noch einmal komplett von vorne anfangen?

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vom Mittag

Vom Aufräumen

Vom Mitmach-Post: Mitarbeitergespräche