Vom Irren

Es ist nicht so, dass ich nicht versucht habe, mich mit ihm darüber zu unterhalten. Aber wenn ich daran denke, wird mir übel. Weil ich seine Argumentation so unterirdisch finde.
"Was soll ich denn tun, wenn ich dich anfassen will? Dann muss ich das doch."
"Ich kann nichts dafür, dass du scharf bist."
"Du tust ja gerade so, als hätte ich dich vergewaltigt."
"Nicht, dass du jetzt zu einer frigiden Trulla wirst!"

Heute hat mich jemand, der diesen Blog liest, gefragt, ob mich dieses Thema, das ich in meinem Jahresrückblick angeschnitten habe, noch beschäftigt. Meine Antwort war "Ja." Danach konnte ich nicht mehr sprechen, weil der müselig zusammengekleisterte Staudamm sich angefühlt hat, als wäre er kurz davor, zu brechen. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und einen riesigen Kloß im Hals. Das hat mich selbst erschrocken. Bisher war mir nicht bewusst, wie tief meine Empfindungen dazu gehen. Aber wie sollte mir das auch bewusst sein: Ich…

Von der Möglichkeit wegzugehen

Ich war immer jemand, der gerne ausgebrochen ist. Der viel gereist ist. Und ein Angebot, alles hinzuschmeißen und ans andere Ende der Welt zu gehen, ist reizvoll. Sehr. Obwohl ich häuslicher geworden bin. Mittlerweile spiele ich nur noch selten mit dem Gedanken, all mein Geld abzuheben und irgendwohin durchzubrennen. Alles hinter mir zu lassen.
Ich spüre aber, dass mich die Sehnsucht und das Fernweh kitzeln. Beide rieseln wie Brausepulver durch meinen Körper und zaubern mir Bilder von Meer, Quokkas und Rucksacktourismus in den Kopf. Muss da draussen nicht noch irgendwo mehr für mich sein? Irgendetwas was mich glücklicher macht als dieser graue Alltag? Warum nicht verrückt und unstetig leben?
Auf der anderen Seite: Ich bin 31 Jahre alt. Auch wenn ich das niemals laut sagen würde (und schon gar nicht einem Mann), möchte ich irgendwann ein Haus kaufen und eine Familie... gründen (Wie spießig. Ich glaube langsam, dass es die Bio-Uhr wirklich gibt.). So ein Ausbruch würde natürlich auch komplett jede Planung durcheinanderwirbeln. Und ich habe Angst, die Zeitfenster dafür zu verpassen. Was Blödsinn ist mit 31 Jahren. Oder? Ja, doch. Definitiv Blödsinn. (Meine Bio-Uhr gehört scheinbar zur hysterischen Sorte.)

Und was ist mit dem Mann?
Was davon kann ich mir mit ihm an meiner Seite vorstellen und was nicht?
Will ich noch einmal komplett von vorne anfangen?

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