Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Vom Wunschdenken

Ach, lass uns doch blaumachen. Wir zeigen der restlichen Welt den Stinkefinger, füllen die Thermoskannen mit Kaffee und fahren zum Meer. Einmal in meinem Leben mag ich mir einen spießigen Strandkorb ausleihen. Einen Doppelbett-Srandkorb. Wir nehmen ein dickes Federbett, ganz viel Schokolade und ein paar Chips mit, krümeln all das ins Bett und lauschen dem Wellenrauschen. Dem Schreien der Möwen. Dem Wind. Ab und an klingen ein paar Gesprächsfetzen vorbeigehender Spaziergänger zu uns. Nachts will ich mit dir Wein trinken, Sterne zählen und Geschichten tauschen. Wenn du willst, teilen wir das Päckchen Gras, dass ich seit Jahren in meiner Geldbörse aufhebe und träumen ein wenig. Ich kuschle meinen Kopf in deine Halsbeuge und fühle mich geborgen.


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