Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Vom Tag

Also doch noch ein (kurzer) Eintrag dazu. Heute E-Mail von T. bekommen. Er schickt mir seine Dissertation. Da steckt so furchtbar viel von dem drinnen, was wir mal waren. Ich weiß gar nicht, ob er sie geschrieben hätte, wenn wir einander nicht kennengelernt hätten. Vielleicht ja. Aber dann sicher zu einem anderen Thema. Und ich werde einen kleinen Anhänger, den er mir gekauft hat, in dem Paket finden. Irgendwann habe ich mal erzählt, dass ich wünschte, mir würde mal ein Mann Schmuck schenken. Nicht weil ich viel Schmuck trage, sondern weil ich das Gefühl hätte, es würde etwas bedeuten. In meiner romantischen Disney-Vorstellung sind Schmuckgeschenke kleine und große Versprechen. Disney hat mich wohl für das wahre Leben ziemlich verdorben.
Er schreibt, ich würde ihm sehr fehlen. Wüsste gerne, wie es mir gehe, wäre sich aber unsicher, ob er fragen dürfe.
Ich habe nicht auf die Mail reagiert und werde auch das Paket nicht öffnen.
Stattdessen werde ich es zu dem anderen Paket legen.
Vermutlich wird einige Zeit vergehen, bis ich bereit bin, mich den Gefühlen, die die Inhalte dieser Pakete auslösen, zur Verarbeitung noch einmal voll zu stellen.

Heute war ein schwieriger Tag. Wahrscheinlich PMS-bedingt. Darauf deutet zumindest der Umstand hin, dass ich heute Morgen am liebsten meine Kaffeemaschine umgebracht hätte, weil sie nicht so wollte, wie ich. Normalerweise bringen mich derartige Banalitäten nicht so aus der Fassung. Auch das ich heute heftig weinen musste, als in dem Film, den ich mir angeschaut habe, jemand verstarb, ist ein deutliches Indiz dafür. In diesen Tagen ist es so anstrengend, Frau zu sein. Ständige Stimmungswechsel. Mein Körper fühlt sich völlig fremdbestimmt an. Ich fühle mich unattraktiv (um nicht zu sagen: hässlich), dick und vor allem einsam. Das Gedankenkarussel ist heute mit mir durchgegangen. Nicht einmal Dusche, Körperpflege, Apfelparfum, Kaffee und ein Sonnenbad konnten noch etwas retten. Auch nicht das Buch, in dessen Geschichte ich versucht habe, mich zu flüchten.
Aber gegen Abend wurde es besser.
Bis eben habe ich meinen neuen Mitbewohner angemalt.
Jetzt braucht er nur noch einen Namen. Aber den überlege ich mir morgen.
Mag sein, dass ich komisch bin.
Aber jede gute Mensch braucht doch einen Gartenzwerg.

Hoffentlich bricht der neue Tag schnell an.
Die Dunkelheit ist gerade nicht mein Freund.


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