Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom Tag

Also doch noch ein (kurzer) Eintrag dazu. Heute E-Mail von T. bekommen. Er schickt mir seine Dissertation. Da steckt so furchtbar viel von dem drinnen, was wir mal waren. Ich weiß gar nicht, ob er sie geschrieben hätte, wenn wir einander nicht kennengelernt hätten. Vielleicht ja. Aber dann sicher zu einem anderen Thema. Und ich werde einen kleinen Anhänger, den er mir gekauft hat, in dem Paket finden. Irgendwann habe ich mal erzählt, dass ich wünschte, mir würde mal ein Mann Schmuck schenken. Nicht weil ich viel Schmuck trage, sondern weil ich das Gefühl hätte, es würde etwas bedeuten. In meiner romantischen Disney-Vorstellung sind Schmuckgeschenke kleine und große Versprechen. Disney hat mich wohl für das wahre Leben ziemlich verdorben.
Er schreibt, ich würde ihm sehr fehlen. Wüsste gerne, wie es mir gehe, wäre sich aber unsicher, ob er fragen dürfe.
Ich habe nicht auf die Mail reagiert und werde auch das Paket nicht öffnen.
Stattdessen werde ich es zu dem anderen Paket legen.
Vermutlich wird einige Zeit vergehen, bis ich bereit bin, mich den Gefühlen, die die Inhalte dieser Pakete auslösen, zur Verarbeitung noch einmal voll zu stellen.

Heute war ein schwieriger Tag. Wahrscheinlich PMS-bedingt. Darauf deutet zumindest der Umstand hin, dass ich heute Morgen am liebsten meine Kaffeemaschine umgebracht hätte, weil sie nicht so wollte, wie ich. Normalerweise bringen mich derartige Banalitäten nicht so aus der Fassung. Auch das ich heute heftig weinen musste, als in dem Film, den ich mir angeschaut habe, jemand verstarb, ist ein deutliches Indiz dafür. In diesen Tagen ist es so anstrengend, Frau zu sein. Ständige Stimmungswechsel. Mein Körper fühlt sich völlig fremdbestimmt an. Ich fühle mich unattraktiv (um nicht zu sagen: hässlich), dick und vor allem einsam. Das Gedankenkarussel ist heute mit mir durchgegangen. Nicht einmal Dusche, Körperpflege, Apfelparfum, Kaffee und ein Sonnenbad konnten noch etwas retten. Auch nicht das Buch, in dessen Geschichte ich versucht habe, mich zu flüchten.
Aber gegen Abend wurde es besser.
Bis eben habe ich meinen neuen Mitbewohner angemalt.
Jetzt braucht er nur noch einen Namen. Aber den überlege ich mir morgen.
Mag sein, dass ich komisch bin.
Aber jede gute Mensch braucht doch einen Gartenzwerg.

Hoffentlich bricht der neue Tag schnell an.
Die Dunkelheit ist gerade nicht mein Freund.


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