Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Vom Morgentrödeln

Ich mag es, die Ehrenamtsaufgaben morgens vor der Arbeit zu erledigen. Da die Fülle an Blogs, die ich lese, morgens eh nicht ausreicht, um mich eine komplette Kaffeelänge zu beschäftigen, verbinde ich notwendiges mit nützlichem und widme mich Esstörungen, Angststörungen, Verhaltensstörungen, Familienproblemen, Missbrauch, Vergewaltigung, Süchten und Selbsttötungsgedanken. Wenn viel zu tun ist, stelle ich mir den Wecker eher. Es ist ein gutes Gefühl mit einer sinnvollen Tätigkeit in den Tag zu starten. Auch wenn ich manchmal morgens ganz schön müde bin und mich von den Problemen erschlagen fühle. Aber um diese Uhrzeit funktioniert mein Kopf noch. Ich kann mich voll und ganz auf die Problematiken einlassen. Nach der Arbeit, wenn ich den ganzen Tag im direkten Kontakt mit Menschen stand, fällt mir das schwerer. Dann sind Haut und Nerven dünner und mein Akku fühlt sich leer an. Ich reagiere wesentlich sensibler auf Selbstmitleid und möchte manchmal den Menschen einfach nur in den Hintern treten, damit sie aufstehen, den Hintern bewegen und das in ihrem Leben verändern, was ihnen nicht passt, anstatt sich passiv durch das Leben treiben zu lassen und sich selbst leid zu tun. Selbstmileid ist generell etwas, womit man mich furchsig machen kann. Für die Seelenhygiene ist es zweifellos wichtig. Aber irgendwann hat man sich selbst genug bedauert. Dann ist es wichtig, die Kraft und den Mut zu finden, die Dinge anzugehen. Immerhin ist niemand anderes als man selbst verantwortlich für sein Leben. Also sollte man doch aktiv auf sein eigenes Leben Einfluss nehmen?

Früher bin ich immer kurz vor knapp aufgestanden: Soll heißen, dass ich quasi direkt vom Bett ins Auto gefallen bin. Mittlerweile mag ich das nicht mehr. Ich brauche morgens 30 Minuten auf dem Sofa, um mit halb geschlossenen Augen Lieblingsblogs zu lesen und in die Realität zurückzufinden. Gefrühstückt habe ich noch nie, aber mindestens ein Kaffee muss drin sein. Das hilft mir, mich mental auf den Tag vorzubereiten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich morgens, wenn ich wach werde, auch erst meine Schutzschilde wieder hochfahren muss. Mich ein wenig wappnen muss, um im Alltag bestehen zu können. Aber vielleicht ist das auch Einbildung.

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