Von verhexten Beziehungen

In den letzten Minuten hab ich viele Sätze getippt, nur um sie anschließend wieder zu löschen. Ich kann fühlen, was ich schreiben will, aber es fällt mir schwer, es auf den Punkt zu formulieren: Es beschäftigt mich seit ein paar Tagen mal wieder intensiv, dass ich in den allermeisten meiner Beziehungen das Gefühl habe, nicht gesehen zu werden und nicht gut genug zu sein.  Da ist zum Beispiel die enge Freundin, die mir Tag und Nacht WhatsApp-Nachrichten schreibt, mich quasi in Echtzeit an ihrem Seelenleben teilhaben lässt, aber nicht einmal auf die Idee kommt, mich zu fragen, was los ist, obwohl ich klar formuliere, dass es mir nicht gut geht. Da ist der Mann, der in all den Jahren nicht auf die Idee gekommen ist, mich heiraten zu wollen. Vermutlich weil ich nicht gut genug bin. Was einerseits okay ist, weil ich nicht heiraten will, aber andererseits in stummer Beharrlichkeit das Gefühl in mir erzeugt hat, dafür wohl nicht gut genug zu sein. Ein Gefühl, das schmerzt. Da ist die Freundin

Von der Seltsamkeit der Männer

Die längste durchgängige Zeit, in der ich single war, beträgt 4,5 Jahre. In dieser Zeit habe ich händeringend einen Mann gesucht, der mir gefällt. Aber es war, als hätte man mir ein für mich selbst nicht sichtbares "Achtung, diese Frau sucht verzweifelt einen Mann!" auf die Stirn tätowiert. Denn es gab einfach keine Männer, die mich wollten. Zumindest wenn man von dem Sadisten, der in seiner Kindheit sexuellen Missbrauch erfahren musste, absieht. Und von dem langhaarigen, blonden Mann, der nicht nur einen Kopf kleiner war als ich es bin, sondern auch so aggressiv sächsisch gesprochen hat, dass sich weder Anziehung noch körperliche Erregung einstellen wollten. Nicht mal unter dem massiven Einfluss von Alkohol und Haschisch. Und auch nicht in der Kombination beider Genussmittel. Ehrlich, ich habe es ernsthaft versucht.

Dabei war ich damals, finde ich, ganz nett und auch noch ein bisschen weniger vollweiblich, als ich es heute bin. Ich war - zumindest hoffe ich das - nie eine Frau, die sich angebiedert hat. Mir stand immer eher die Rolle der Kumpelfreundin. Die, mit der man ordentlich einen trinken konnte, die zum Pferdestehlen bereit war und jeden Blödsinn mitgezogen hat. Zu dieser Zeit hatte ich oft den Eindruck, nicht stereotyp weiblich genug zu sein. Ich habe niemals einem Mann hinterher spioniert, neige nicht zu hysterischen Anfällen, wenn ein Männerabend ansteht und kann nicht mit ausgeprägter Eifersucht auffallen. Streitpunkte diskutiere ich weder vor Freunden noch vor Familienmitgliedern, ich stehe darauf, unabhängig zu sein und mein eigenes Konto zu besitzen und finde es völlig okay, sich in einer Beziehung keine Kosenamen zu geben. Männer, die sich von ihrer Freundin, "Baby" nennen lassen, finde ich unfassbar gruselig und die Bezeichnung "Schatz" empfinde ich als nichtssagend. Ich bin gerne ich. Nicht immer nur Teil eines "wir". Sich für einander freuen zu können, nicht krampfhaft danach zu streben, den anderen zu verändern und der eigenen Wunschvorstellung anpassen, sondern ihn auch einfach mal sein zu lassen, ist mir wichtig. Mit diesen Überlegungen hatte ich damals häufig das Gefühl, zu kompliziert zu sein, um wirklich in eine Beziehung hineinzupassen. Wenn man den Partner einfach sein lässt, wer dieser sein will, geht sehr viel Reibungsfläche verloren. Das ist vermutlich der Punkt, an dem man beginnt, sich mit einander auseinanderzusetzen und sich zu unterhalten. Oder eben der Punkt, an dem das große Schweigen seinen Anfang (vom Ende) findet.

Heute weiß ich, dass Männer seltsam sind. Wenn man sie sucht, verschwinden sie vom Erdboden, aber wenn man sie meiden will, findet man einen nach den anderen. Im Moment meide ich sie. Und sammle vermutlich gerade deshalb die eine oder andere Einladung zum Kaffee. Bisher habe ich noch jedes Angebot, freundlich, aber vehement, ausgeschlagen. Nichtsdestotrotz ist es schön, viel herumzukommen. Ich knüpfe neue, spannende Kontakte, lerne die unterschiedlichsten Menschen kennen und genieße es sehr, mich auszutauschen. Und ich treffe Menschen wieder, die ich bereits kennengelernt habe. Gestern habe ich, für uns beide vollkommen unerwartet, meinen James Hetfield-Verschnitt aus der Brausepulvernacht wiedergetroffen. Aber das ist dann wohl Stoff für einen anderen Post.

Kommentare

  1. Antworten
    1. Ich würd´ dich ja auch zum Kaffee einladen. Ganz ohne "Hintergedanken" ... :-)

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    2. Du bist doch in Norddeutschland zuhause?
      Ich bin voraussichtlich Anfang Mai in Bremen und im September in Ostfriesland.
      Passt da was?

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    3. Ich bin noch ganz viel nördlicher zu finden. Aber, ja, kriegen wir hin! Eines von beiden wird schon passen.
      Das würde mich freuen! :-)

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    4. Mich würde das auch ausserordentlichst freuen!
      Wir können das dann gerne via eMail festzurren.

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    5. Sehr gerne.
      Sag mir Bescheid, wenn du ein Datum hast und genau weißt, wo es dich hin verschlägt.

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