Von der Gefühlsachterbahn

Es ist die Zeit der Oktoberfeste und auf einem solchen befinde ich mich schließlich am Samstagabend. Aus beruflichen Gründen. Der Brausepulvermann ist nicht anwesend. Und so gehe ich entspannt an diesen Abend heran, drehe mich in meinem Dirndl über die Tanzfläche und lasse mich, um meine Füße zu schonen, immer mal wieder von Gespräch zu Gespräch treiben.
"Wer ist eigentlich der Mann, der dich so scharf findet?", fragt eine Bekannte, "Zeigst du ihn mir?".
Als ich auf einen Mann, an einem der Tische in unserer näheren Umgebung, deute, zieht sie die linke Augenbraue nach oben.
"Ernsthaft?!", fragt sie, "Dem ist aber schon klar, dass er so gar nicht in deiner Liga spielt, oder?"
"Bitte?", frage ich verblüfft.
"Na ja. Der ist ungefähr 15 Jahre älter als du und... nicht dünn. Und er bekommt graue Haare!"
Ich schweige. Mir gefällt nicht, was sie sagt. Weil ich Laurenz mag. Ihn und seine Augen. Die mir so viel mehr über ihn verraten, …

Vom Aufräumen

Ich habe ein wenig aufgeräumt in den letzten Tagen. In der Wohnung, aber auch innerlich. Dazu hat es gehört, mir einmal komplett von der Seele zu schreiben, mit welchen Vorwürfen mich T. konfrontiert hat und mich mit diesen auseinandzusetzen, um mich positionieren zu können. Die Unterstellungen ich wäre lieblos, hätte sein Vertrauen missbraucht und ihn verraten, haben mir zu schaffen gemacht. Sie haben mich vergiftet. Wie all diese Worte, die es darauf angelegt haben, mich zu verletzen und ein letztes Mal nachzutreten. Und ich habe mich ernsthaft hinterfragt, um herauszufinden, wie viel Wahrheit in diesen Worten steckt. Ich musste überprüfen, ob ich mich noch im Spiegel ansehen kann. Habe mich durch verschiedene sinnlose wie sinnvolle Internet-Tests geklickt, um herauszufinden, ob ich irgendeine Persönlichkeitsstörung, vielleicht einen ausgeprägten Hang zum Narzissmus, vorweisen kann. Stets bemüht, die ganzen Fragen, die mir das Internet gestellt hat, aus mir selbst heraus zu beantworten und nicht aus der Sicht des Menschen, der ich sein will. Ich habe mich gefragt, was mit mir nicht stimmt. Warum es manchmal Menschen gibt, die mich so... anders sehen oder empfinden, als ich selbst es tue.

Aber ich habe nur herausgefunden, dass ich noch immer nicht wirklich gut darin bin, mich zu streiten. Zwar hat sich das in den letzten Jahren ein wenig gebessert, aber gestern durfte ich feststellen, dass ich noch immer nicht anschreitauglich bin. Sobald man mich anschreit, mache ich die Schotten dicht. Dann ziehe ich mich in mich selbst zurück, fühle mich wie gelähmt und bringe kein einziges Wort mehr heraus. Eigentlich will ich in solchen Momenten nur meine Beine in die Hand nehmen und rennen, als wäre der Teufel hinter mir her. Heute kann ich mir kaum noch vorstellen, dass das irgendwann einmal, vor mehr als einer gefühlten Ewigkeit, anders war. Das ich irgendwann in meinem Leben mal impusiv und ungestüm war, Worte meinen Mund schneller verlassen habe, als ich denken konnte. Heute muss ich nicht mehr bereuen, was ich meinte, sagen zu müssen. Stattdessen kann ich mich darüber ärgern, geschwiegen zu haben. Es wäre wohl gut, einen Mittelweg zu finden. Und langsam, wenngleich vorsichtig, mal wieder aus der Muschel herauszuspähen.


Kommentare

  1. Alleine die Suche nach den eigenem Fehlverhalten schließ Narzissmus etc. aus ;-)
    Vielleicht mal ganz unweiblich nach dem passiv-aggressivem Verhalten des Gegenübers recherchieren.
    Erst dann raus finden, wie man sich davor schützt.

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    1. Das ist gar nicht so leicht. Es liegt mir eher Fehler erst einmal bei mir zu suchen. Aber was Abgrenzung angeht, hast du zweifellos recht: daran muss ich arbeiten.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Ich glaube, manchmal muss man das tun - "Seelenritzerei". Das hat auch was mit Heilung zu tun, weil man Mechanismen erkennt. Wirkungsweisen. Sich selbst und aber auch den anderen. Man kann nicht "heilen", wenn man nur von sich wegschiebt. Tief in einem drin bleibt das und nagt und zerrt und zehrt, so lange, bis man es aufgearbeitet hat.
      "Wann weiß ich, wann ich verarbeitet habe?" habe ich vor Jahren gefragt und mir wurde geantwortet: "Dann, wenn Sie sich selber nicht mehr darüber sprechen hören mögen. Dann, wenn Sie keine Lust mehr haben, davon zu erzählen."
      Und für mich persönlich stimmt das. Jedoch hat das viele Jahre gebraucht, auch die Seelenschnitzerei.
      Ich glaube, entscheidend ist, was am Ende bleibt: ob man sich selbst zerstört oder gestärkt daraus hervorgeht. Und ich denke, das Muschelmädchen wird letzteres tun - eines Tages ;)

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    2. Ich sehe das ähnlich. Um Geschehenes zu verarbeiten, muss ich mich mit dem, was passiert ist, auseinandersetzen. Also im Grunde genommen, ja, "Seelenritzerei", wie Anna es bezeichnet. Aber nur wenn ich alles verstehe, kann ich einen Abschluss finden. Weil ich mich dann positionieren und Frieden schließen kann.
      Das ich gestärkt darauf hervorgehe, glaube ich auch. Selbst wenn es dauern mag. Aber ich bin definitiv zu stolz, um klein beizugeben.

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    3. Ich verzweifele gerade ein wenig. Das recht „starke“ (so empfinde ich es zumindest) Wort der „Seelenritzerei“ habe ich bewusst gewählt, um zu verdeutlichen, dass das nichts, aber auch gar nichts mit der notwendigen Selbstreflexion zu tun hat. Sich hinterfragen? Gut. Jederzeit. Ohne geht es nicht. Seelenritzerei betreiben (= sich selbst quälen)? Mit Worten, die nur um des Verletzens willen ausgesprochen wurden? Nicht gut, nicht heilsam, nicht hilfreich. Meine(!) Definition. ;) Aber jeder empfindet das anders und jeder muss seinen Weg finden.

      <3 liche Grüße an euch beide ;)

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    4. Oh nein, nicht verzweifeln. Das tut nicht not.
      Ich verstehe, was du meinst. Aber ich frage mich, ob das, was du als "Seelenritzerei" bezeichnest, nicht auch ein Teil des Prozesses ist, um letztendlich abzuschließen. So fühlt es sich für mich an. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich dazu neige, ganz geduldig mit anderen Menschen zu sein, mich aber absolut konsequent verhalte, wenn meine Geduld irgendwann einmal erschöpft ist - denn dann breche ich alle Brücken unwiderruflich ab. Eventuell untermauert die Seelenritzerei (fieses Wort) für mich auch die Entscheidung, die ich getroffen habe. Und ich ritze deshalb ein bisschen in meiner Seele herum.
      Oder aber es liegt in allen Worten eine Wahrheit. Auch in denen, die nur ausgesprochen wurden, um zu verletzen...

      Allerliebste Grüße zurück :-*

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  3. @Helma: Die Art der "Seelenritzerei", die ich meine, ist nicht heilsam. Ganz gewiss nicht. Aber -nicht wundern - ich ziehe meinen Kommentar mal zurück. Ich möchte das aus versch. Gründen hier und jetzt nicht Gedanken austauschend vertiefen/erklären. Sieht so nur ein bisschen blöd aus, weil dein Kommentar "ins Leere läuft". Entschuldige.

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  4. Narzissmus? Du? Never!
    Ich glaube eher, dass irgendjemand, irgendetwas Dir nahezu das ganze gesunde Selbstvertrauen genommen hat, das jeder Mensch dringend benötigt.
    Da helfen Dir leider auch keine Suchen im Internet. Da helfen ausschließlich Gespräche. Gespräche mit Menschen, die Dir zuhören wollen und können und vielleicht auch den ein oder anderen nützlichen Tipp geben können. Und damit meine ich nicht zwingend die Sparte derjenigen, die damit ihr Geld verdienen ...

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    1. Dein Kommentar hat mich sehr berührt und es hat ein bisschen gedauert herauszufinden, warum genau das so ist. Ich glaube, der Gedanke, dass du recht haben könntest mit deinem ersten Absatz, macht mir Angst. Aber ich kann ihn nicht ganz von mir weisen.

      Menschen die professionell zuhören meide ich gerne. In dieser Richtung habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Aber ich glaube auch, dass das nicht notwendig ist. Im Moment fällt es mir ziemlich schwer, mich überhaupt zu öffnen und Worte zu finden. Aber das geht bestimmt wieder vorbei. Hoffe ich.

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  5. Ich wäre gespannt, welche Perle aus der Muschel hervorhuschen würde... Komm raus, Muschelmädchen, zeig die volle Pracht des Menschen, der du bist! ❤️

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    1. Liebe Fairytale, deinen Kommentar zu beantworten fällt mir ein wenig schwer. Du kennst mich länger und ein wenig tiefer als alle anderen Kommentatoren hier. Wer, wenn nicht du, sollte nach den letzten Jahren besser wissen, dass die Muschel perlenlos ist? ...

      Danke für die lieben Worte.
      Ich hoffe, es geht dir gut.
      Fühl dich umarmt. ❤️

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    2. Liebes Muschelmädchen,stell dich nicht in den Schatten. Irgendwo ist da eine Perle, dafür leih ich dir gerne ein bisschen von meine Rosabrille-Optimismus 😊
      Mir geht es gut, deine Umarmung gebe ich dir umso fester zurück ❤️

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    3. Liebes Muschelmädchen, ich habe von dir bereits eine ganze Menge gelesen, und allein deine wunderbaren Texte sind eine herrliche Perle in dir. Es gibt so viele Texte, die mich immer wieder faszinieren, weil sie sich so bunt und leicht anfühlen, wie die Namen, die du dir in den Blogs gibst.
      Ich bewundere dich ein wenig um deine zauberhafte "Schreibweise", mir fehlen gerade ein wenig die Worte...
      Ich kenne dich nicht wirklich, aber die kurze Zeit, in der wir uns in die Augen schauen konnten, bestätigten mir das, was mir deine Texte schon erzählt hatten: Du bist ein wunderbares Wesen...
      Alles Liebe von Rolf

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    4. Hab Dank für die lieben Worte, Rolf.
      Unser Treffen - wenngleich es nun schon ein paar Jahre her ist - war zauberhaft.

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