Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom Muster

"Ich bin jetzt wieder auf den Beinen. Vielleicht möchtest du mir ja Gutes tun, mir den Rücken stärken, mich befriedigen. Melde dich einfach, wenn dir danach ist."

(SMS, 05.09.2017)

Diese SMS bringt mich nach der Arbeit dazu, das Risiko, mir ein zweites Fahrverbot einzuhandeln, einfach einzugehen. Ich bin so wütend, dass es mir unmöglich ist, die doofe Landstraße mit nur 100 km/h zu fahren. Also gebe ich Gas. Und zähle langsam hoch. Bremse bei 180 km/h ab. Gebe wieder Gas und zähle. Bremse. Zähle. Gas. Bremse. Gas. Gas. Gas.

Im Geben bin ich gut. Bin ich wirklich. Und ich gebe sehr gerne. Menschen, die mir etwas bedeuten, bekommen von mir Zeit, Aufmerksamkeit, Geborgenheit, Sicherheit und Halt. Anfangs interessieren sie sich auch noch für mich. Sie fragen, wie es mir geht und was mich beschäftigt. Aber mit der Zeit lässt das nach. Das Geben - beziehungsweise dann: das Nehmen - rückt in den Mittelpunkt. Phasenweise ist das absolut in Ordnung. Generell glaube ich aber schon, dass sich das Geben und Nehmen, in welcher Art von Beziehung auch immer, ungefähr die Waage halten sollte. Ich wünsche mir, dass ich gesehen werde, sehne mich danach, dass meine Empfindungen und Gedanken etwas bedeuten und auf Interesse stoßen. Aber das tun sie häufig nicht. Immer wieder rutsche ich in diese Art von Beziehungen rein, in denen ich einfach untergehe. Das kostet mich unwahrscheinlich viel Kraft.

Die SMS da oben ist ein klassisches Beispiel. Der Absender ist T. Wir haben seit Monaten kaum noch Kontakt. Er hat mich darum gebeten, mich nicht mehr bei ihm zu melden, keine "Lockstoffe" auszusenden und ihm somit zu ermöglichen, glücklich zu werden. Natürlich bin ich niemand, der sich irgendjemandem in den Weg stellt - ich bin also, ohne irgendwas davon großartig zu diskutieren, fast stillschweigend allen Aufforderungen nachgekommen und habe den Kontakt eingestellt. Natürlich war ich verletzt von seinem Verhalten mir gegenüber. Ohne Frage. Aber auf der anderen Seite hat mich seine Aufforderung auch erleichtert. Weil ich nicht die Kraft hatte, dauerhaft für mich und noch eine zweite Person, die ihr Wohlergehen oder sogar ihr Leben von mir abhängig macht, die Verantwortung zu tragen.
Nun probiert er, schon seit etwa zwei Monaten, zurückzurudern. Ich habe ihn mehrfach gebeten, mich nicht in den Kontakt hineinzuzwingen. Dennoch bekomme ich immer mal wieder Nachrichten, auf allen möglichen Kanälen. Das ist soweit auch okay. Damit kann ich leben. Ein-, zweimal bin ich sogar darauf eingegangen. Kurz. Nachdem er meine Bitten, das zu unterlassen, ignoriert hat. Aber Nachrichten, wie diese da oben, geben mir das Gefühl, dass seine Kontaktversuche gar nicht auf mich zielen, sondern auf irgendeinen Menschen, der ihm das zu geben vermag, was er braucht. Bedürfnisbefriedigung.

Das hier, was ich am Beispiel von T. beschrieben habe, ist ein Muster, dass sich wieder und wieder durch mein Leben zieht. Das einzige Talent, was ich habe, ist, dass ich ziemlich gut in Menschen lesen kann. Es fällt mir leicht, Defizite aufzudecken, Sehnsüchte zu benennen, konkrete Hilfestellungen zu geben. Obwohl ich schon seit Jahren versuche, nicht mehr ganz so genau hinzusehen, passiert es immer mal wieder, dass ich jemandem nahe komme. Meistens sind das nur Begegnungen auf Zeit, weil sich mein Gegenüber irgendwann enttäuscht von mir abwendet, wenn er merkt, dass ich es nicht schaffe, seine Bedürfnisse  langfristig ausreichend zu befriedigen, ohne dass mir selbst darüber die Kraft ausgeht. Dabei bin ich (das über sich selbst zu schreiben ist völlig dämlich) leicht umgänglich - die Wahrheit ist zweifelos, dass ich genügsam bin. Emotional und materiell. Leider aber nicht genügsam genug, denn auch wenn ich es gerne könnte und mir wünschen würde, ein besserer Mensch zu sein, ist es mir dennoch unmöglich, nur von Luft und Liebe leben und meine Kraft, die ich brauche, um geben zu können, nur aus mir selbst heraus schöpfen. Auch ich brauche Menschen in meinem Leben, die mir Ruhepol sind, die mir zuhören, mich auffangen, mir Geborgenheit, Sicherheit und Halt geben. Die gut zu mir sind und mich sehen. Als Mensch mit Bedürfnissen, Sehnsüchten, Träumen. Vollumfänglich. Solche Menschen geben mir Kraft und Antrieb.

Ein sinnloser Post, den ich hier schreibe.
Lange Rede, kurzer Sinn:
Eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich finde, dass die SMS andersherum lauten müsste. Da müsste stehen: "Geht es dir wieder gut, Muschelmädchen? Kann ich dir etwas Gutes tun, dir den Rücken stärken? Melde dich einfach, wenn dir danach ist." Ich denke, dass ich das verdient hätte. Nach dieser Geschichte. Aber vielleicht liege ich auch mit allem falsch. Keine Ahnung.

Kommentare

  1. Mein erster Impuls beim Lesen dieser SMS war, dass er mit dieser mentalen Grundhaltung vielleicht besser im Massagesalon nach einem "Happy Ending" gefragt hätte...

    (Pardon. Es steht mir natürlich, zumal mit meinem ersten Kommentar hier und ohne weitere Details über Euch zu kennen, nicht zu, das so schnoddrig zu kommentieren. Aus irgendwelchen Gründen mach ich's aber trotzdem. Und "sinnlos" find' ich den Post auch nicht.)

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    1. Schnoddrig war super! Ich hatte ganz ähnliche Gedanken...

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  2. Ob so eine SMS mal zum erhofften Erfolg führt?

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    1. Bei mir nicht. Aber es gibt ja noch ein paar oder ein paar mehr Milliarden anderer Menschen.

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  3. das ist ziemlich frech. und ja, die sms hätte so lauten sollen wie in deinem letzten absatz..

    sinnlos finde ich diesen post überhaupt nicht.

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    1. Wahrscheinlich ist die Nachricht nicht halb so frech gemeint, wie sie wirkt. Manchmal hilft das aber auch nicht.

      (Ich schreibe hier manchmal einfach nur, um die Dinge aus meinem Kopf rauszubekommen. Aber wenn ich mich selbst noch nicht verstehe, ist es schwierig, nachvollziehbare Gedanken zu notieren. Außerdem frage ich mich oft, wen dieses Kopfchaos interessiert.)

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    2. schreiben ist eine tür zum inneren. wen dein kopfchaos nicht interessiert, der muss es nicht lesen. ich schreibe seit ich schreiben kann. und ich bin der überzeugung, dass es mir geholfen hat und hilft.

      da ich den kontakt zwischen dir und t. nicht kenne, hört es sich für mich frech an. richtig. aber wie du das aufnimmst, kannst nur du selbst interpretieren.

      das gleiche gilt für mich. wenn ich schreibe, sind das bruchstücke. niemand kann daraus wirklich einen gesamten eindruck gewinnen. ich kann gar nicht alles schreiben, bzw veröffentlichen, das wäre die reinste katastrophe.

      einen schönen abend wünsche ich dir.

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    3. Das kenne ich. Ich habe hier im Blog ungefähr...., nein, ganz genau: 466 Posts auf Entwurf. Und nochmal ein paar Posts im verschlüsselten zauberreich, die mir zu persönlich sind, um sie hier zu veröffentlichen.
      Mir hilft das Schreiben auch. So kommt es zu Posts wie diesem.
      Ich wünsche dir auch einen schönen Abend. Halt die Ohren steif...

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