Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Von 8 guten Dingen

Was gut ist:
  1. Morgens das Dachfenster zu öffnen und tausende von kleinen Regentropfen im Licht glitzern zu sehen. Hinter den Tropfen, in verwaschenen Streifen, das rosarote Morgenrot zu erahnen.
  2. Die Bettdecke noch einmal bis zur Nasenspitze zu ziehen und sich in der Wärme der Nacht einzukuscheln. Die Augen zu schließen und sich selbst zu umarmen.
  3. Sich zufällig im Spiegel zu sehen und sich wieder daran zu erinnern, dass der Friseur gestern auf die Aufforderung "Tun sie, was immer sie wollen." die Schere zur Hand genommen hat, um den Haarschopf um 10cm zu kürzen. Ich greife mit beiden Händen in meine Haare, wuschle sie durcheinander und strecke meinem Spiegelbild die Zunge raus.
  4. Milchkaffee zu trinken. Aus meiner riesigen weißen Tasse mit den blauen Pünktchen. "Life is lovely" steht in rosa Lettern auf ihr geschrieben.
  5. Sonnensteinchens kleine Aufmerksamkeiten zu genießen. Die wieder und wieder schnurrend zu mir aufs Sofa spingt, um ihr Köpfchen an meiner Wange zu reiben. Sie dabei, leise und zufrieden, guren zu hören.
  6. Die frische Luft, die durch das geöffnete Fenster schwappt, tief einzuatmen. Den feinen, aber scharfkantigen Schmerz zu spüren, der sich bei der Erinnerung daran, das Opa nicht mehr ist, durch den Körper zieht. Dennoch am Leben zu sein.
  7. Im Bett liegend die Vogelschwärme dabei zu beobachten, wie sie über das Haus hinwegziehen. Den bunten Blättern dabei zuzusehen, wie sie ein letztes Mal im Wind tanzen, bevor sie zu Boden gehen.
  8. Zum Frühstück Schokoladeneis zu essen. Dabei dem leisen Knacken der Schallplatte, die "La vie en rose" von Edith Piaf spielt, zuzuhören. Und sich dabei wieder wie ein kleines Kind zu fühlen. An einen Tag voller Abenteuer und eine Welt voller Wunder glaubend.

Kommentare

  1. Diese schönen (und vielleicht gar nicht so kleinen) Dinge zu schätzen hilft den Wundern dieser Welt sehr dabei, wahr werden zu können. Das glaube ich ganz fest :-).

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