Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom schwimmenden Kompliment

"Komm, wir gehen zusammen den Bach runter,
denn ein Wrack ist ein Ort, an dem ein Schatz schlummert..."

(Alligatoah: Willst du)
 
Irgendwann necke ich ihn mal wieder. Solange, bis er seine Hände auf meine Hüften legt, sein Gesicht zu mir hinunterbeugt und gefährlich leise sagt: "Hör auf, mich zu ärgern. Anderenfalls stopfe ich dir den Mund." Von da an sind wir friends-with-benefits. Zwar ist er das eine oder andere Jahr jünger als ich, aber ich mag es, dass er im Bett weiß, was er tut und sich nicht davor scheut, auch mal zuzupacken. Er ist der erste Mann, bei dem ich mich nicht unwillkürlich frage, was er da unten tut, während er mich hingebungsvoll leckt. Stattdessen kann ich mich einfach fallenlassen. So sehr, wie man sich eben fallenlassen kann, wenn man sich turtelnd und lachend in einem leeren Vorlesungssaal verbarrikadiert hat.

Eines Morgens, wir sind gerade miteinander durch die Betten getobt, liegen wir rücklings nebeneinander auf der weichen Matratze, atemlos, erhitzt, verklebt von Körperflüssigkeiten. Noch hat der Wecker nicht geklingelt. Ich genieße die Stille. Die ersten Sonnenstrahlen, die sich den Weg in die kleine, gemütliche Einzimmerwohnung suchen. Das leise Zwitschern der Vögel vor dem Fenster.
Als ich ihn das nächste Mal ansehe, merke ich, dass er sich zu mir gedreht hat, den Kopf auf den Ellenbogen stützt und mich betrachtet. Ich lächle leicht.
Er sagt: "Wenn man alle Teile von dir einzeln betrachtet, bist du wunderschön."
Ich ziehe mir die Bettdecke bis zur Nasenspitze und fühle mich hässlich als Ganzes.

Und dann liebt er mich.
Von heute auf morgen.
Ohne Sex, aber dafür mit Haut und Haar und vielen Gefühlen.
Friends-with-benefits geht den Bach runter.
Dicht gefolgt von unserer Freundschaft.

Kommentare

  1. Eine schöne romantische Vorstellung, dass aus Freundschaft plus eine tiefe Beziehung entstehen kann. Pro: die Unkompliziertheit des Anfangs, Contra: die Seltenheit 😉

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    1. Contra: Solche Geschichten gehen niemals gut aus - wenigstens nicht bei mir. ;-)

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  2. So kann es Jedem ergehen - auf beiden Seiten der Erzählperspektive.
    Vielleicht war das "und dann liebt er mich" aber doch nicht so ganz von heute auf morgen?

    Und die zweite anzuzweifelnde Aussage steht dann im Kommentar unter dem von Nelly^^ - sag niemals "nie"... ;-)

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    1. Du bist der Grund, warum ich die Einschränkung "- wenigstens nicht bei mir" noch angefügt habe. Dass solcherlei Geschichten bei dir gut ausgehen, weiß ich. :-) Bei mir halte ich das allerdings eher für unwahrscheinlich. Dass mit den Gefühlen hätte genauso gut mir passieren können. Und ich glaube, dass ich normalerweise, ziemlich weiblich, dazu neige, Gefühl und Sex nicht allzu gut trennen zu können.

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