Vom Irren

Es ist nicht so, dass ich nicht versucht habe, mich mit ihm darüber zu unterhalten. Aber wenn ich daran denke, wird mir übel. Weil ich seine Argumentation so unterirdisch finde.
"Was soll ich denn tun, wenn ich dich anfassen will? Dann muss ich das doch."
"Ich kann nichts dafür, dass du scharf bist."
"Du tust ja gerade so, als hätte ich dich vergewaltigt."
"Nicht, dass du jetzt zu einer frigiden Trulla wirst!"

Heute hat mich jemand, der diesen Blog liest, gefragt, ob mich dieses Thema, das ich in meinem Jahresrückblick angeschnitten habe, noch beschäftigt. Meine Antwort war "Ja." Danach konnte ich nicht mehr sprechen, weil der müselig zusammengekleisterte Staudamm sich angefühlt hat, als wäre er kurz davor, zu brechen. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und einen riesigen Kloß im Hals. Das hat mich selbst erschrocken. Bisher war mir nicht bewusst, wie tief meine Empfindungen dazu gehen. Aber wie sollte mir das auch bewusst sein: Ich…

Vom schwimmenden Kompliment

"Komm, wir gehen zusammen den Bach runter,
denn ein Wrack ist ein Ort, an dem ein Schatz schlummert..."

(Alligatoah: Willst du)
 
Irgendwann necke ich ihn mal wieder. Solange, bis er seine Hände auf meine Hüften legt, sein Gesicht zu mir hinunterbeugt und gefährlich leise sagt: "Hör auf, mich zu ärgern. Anderenfalls stopfe ich dir den Mund." Von da an sind wir friends-with-benefits. Zwar ist er das eine oder andere Jahr jünger als ich, aber ich mag es, dass er im Bett weiß, was er tut und sich nicht davor scheut, auch mal zuzupacken. Er ist der erste Mann, bei dem ich mich nicht unwillkürlich frage, was er da unten tut, während er mich hingebungsvoll leckt. Stattdessen kann ich mich einfach fallenlassen. So sehr, wie man sich eben fallenlassen kann, wenn man sich turtelnd und lachend in einem leeren Vorlesungssaal verbarrikadiert hat.

Eines Morgens, wir sind gerade miteinander durch die Betten getobt, liegen wir rücklings nebeneinander auf der weichen Matratze, atemlos, erhitzt, verklebt von Körperflüssigkeiten. Noch hat der Wecker nicht geklingelt. Ich genieße die Stille. Die ersten Sonnenstrahlen, die sich den Weg in die kleine, gemütliche Einzimmerwohnung suchen. Das leise Zwitschern der Vögel vor dem Fenster.
Als ich ihn das nächste Mal ansehe, merke ich, dass er sich zu mir gedreht hat, den Kopf auf den Ellenbogen stützt und mich betrachtet. Ich lächle leicht.
Er sagt: "Wenn man alle Teile von dir einzeln betrachtet, bist du wunderschön."
Ich ziehe mir die Bettdecke bis zur Nasenspitze und fühle mich hässlich als Ganzes.

Und dann liebt er mich.
Von heute auf morgen.
Ohne Sex, aber dafür mit Haut und Haar und vielen Gefühlen.
Friends-with-benefits geht den Bach runter.
Dicht gefolgt von unserer Freundschaft.

Kommentare

  1. Eine schöne romantische Vorstellung, dass aus Freundschaft plus eine tiefe Beziehung entstehen kann. Pro: die Unkompliziertheit des Anfangs, Contra: die Seltenheit 😉

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    1. Contra: Solche Geschichten gehen niemals gut aus - wenigstens nicht bei mir. ;-)

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  2. So kann es Jedem ergehen - auf beiden Seiten der Erzählperspektive.
    Vielleicht war das "und dann liebt er mich" aber doch nicht so ganz von heute auf morgen?

    Und die zweite anzuzweifelnde Aussage steht dann im Kommentar unter dem von Nelly^^ - sag niemals "nie"... ;-)

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    1. Du bist der Grund, warum ich die Einschränkung "- wenigstens nicht bei mir" noch angefügt habe. Dass solcherlei Geschichten bei dir gut ausgehen, weiß ich. :-) Bei mir halte ich das allerdings eher für unwahrscheinlich. Dass mit den Gefühlen hätte genauso gut mir passieren können. Und ich glaube, dass ich normalerweise, ziemlich weiblich, dazu neige, Gefühl und Sex nicht allzu gut trennen zu können.

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