Von verhexten Beziehungen

In den letzten Minuten hab ich viele Sätze getippt, nur um sie anschließend wieder zu löschen. Ich kann fühlen, was ich schreiben will, aber es fällt mir schwer, es auf den Punkt zu formulieren: Es beschäftigt mich seit ein paar Tagen mal wieder intensiv, dass ich in den allermeisten meiner Beziehungen das Gefühl habe, nicht gesehen zu werden und nicht gut genug zu sein.  Da ist zum Beispiel die enge Freundin, die mir Tag und Nacht WhatsApp-Nachrichten schreibt, mich quasi in Echtzeit an ihrem Seelenleben teilhaben lässt, aber nicht einmal auf die Idee kommt, mich zu fragen, was los ist, obwohl ich klar formuliere, dass es mir nicht gut geht. Da ist der Mann, der in all den Jahren nicht auf die Idee gekommen ist, mich heiraten zu wollen. Vermutlich weil ich nicht gut genug bin. Was einerseits okay ist, weil ich nicht heiraten will, aber andererseits in stummer Beharrlichkeit das Gefühl in mir erzeugt hat, dafür wohl nicht gut genug zu sein. Ein Gefühl, das schmerzt. Da ist die Freundin

Vom leeren Kopf

"Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit."

(Rainer Maria Rilke) 

Die Sonne klebt an einem wunderbar wolkenfreien, blauen Himmel. Vogelschwärme ziehen über das Dach hinweg und der Wind entlockt den Laubbäumen vor dem Haus ein kaum wahrnehmbares Rauschen.
Ich stelle das rote Koffergrammophon auf den Balkon. Während ich die neuen Pflanzen, die ich für den Balkon gekauft habe, einpflanze und das sanfte Staubknacken des Grammophons genieße, singe ich leise mit. Über der einen oder anderen Pirouette, die ich zwischen den Pflanzkübeln tanze, leert sich mein Kopf. Ich denke an gar nichts mehr. Stattdessen genieße ich es, meine Hände in der Blumenerde zu vergraben und die Blumen zu pflanzen. Dabei bin ich ganz behutsam. Ich will nicht, weder aus Absicht noch aus Versehen, Blätter abzupfen oder Blüten abbrechen.
Zwischen den blauen Vergissmeinnicht und den bunten Strohblumen, die ich in die Erde setze, ist die Welt in Ordnung. Und ich denke, dass alles so bleiben soll. Alles soll genau so bleiben, wie es in diesem Augenblick ist.
So perfekt.

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