Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Von Frühlingsgefühlen

Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich eines Tages Spaß dabei empfinden werde, Kaltakquise zu betreiben, wäre ich vermutlich in halbwegs panisches Gelächter ausgebrochen und hätte mir ungläubig lächelnd an den Kopf getippt. Noch immer überrasche ich mich manchmal selbst:
Denn ich kann Vertrieb, bin sogar gut darin. Vermutlich weil ich vollkommen strategielos, sogar regelrecht unbedarft bei potentiellen Kunden aufschlage und einfach losquatsche, ohne mir den Kopf über Wortwahl und Inhalt zu zerbrechen. Die ersten Lacher heimse ich zumeist schon ein, wenn ich motiviert durch die Eingangtüren hüpfe und fröhlich "Servus, Grüezi und hallo." rufe.
Als ich bei einer dieser Vertriebstouren heute einen ziemlich hübschen Mann kennenlerne, merke ich, dass sich langsam Frühlingsgefühle in mir regen. Während wir uns durch den Smalltalk treiben lassen und ich mein Gegenüber mit Nervennahrung in Form von Schokolade versorge, stelle ich mir vor, dass er mich stante pede auf seinem Schreibtisch vernascht. Tut er aber nicht. Weil er Anstand besitzt. Und ich viel zu zurückhaltend bin, um im beruflichen Umfeld herumzubaggern. Mein Kopfkino genieße ich trotzdem. Zumindest bis er mich jäh aus meinem ganz persönlichen, kleinen Porno herausreißt und mir lächelnd mitteilt, dass er die Schokolade, die ich ihm mitgebracht habe, an seinen Kollegen weiterleiten wird, weil er selbst gerade diätet. Pah! Ich frage mich, welches Milligramm an seinem absolut perfekten Körper er weghungern will, hake aber nicht nach, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen. Stattdessen wird mir just in diesem Augenblick bewusst, dass ich mich nach einem Flirt sehne. Einem unverbindlichen, heftigen Flirt mit einem klugen Mann. Knisternd, offensiv, intensiv, dreckig, mitreißend und alles versprechend. Der mein Herz für einen Moment tanzen lässt.



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