Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom Mimimi-Gedöns

Der Tag birgt zwei Erkenntnisse, die direkt auf einander folgen:

Erkenntnis 1: Ich wünsche mir einen Kleiderschrank. Als Kind zweier Steineschmeißer und Hausbesetzer hatte ich nie so einen richtig tollen Kleiderschrank. So einen total spießigen. Irgendwie hat sich das nie ergeben. Deshalb habe ich momentan ein halbes Kleiderzimmer, das viel zu klein ist. Ich finde gar nichts, habe gar keine Klamotten und alles, was ich anprobiere, sieht doof aus. Und überhaupt mag ich mein Spiegelbild heute nicht. Und weinerlich bin ich auch. Pah.

Erkenntnis 2: In starrer Regelmäßigkeit versucht mein Umfeld mir zu vermitteln, dass ich völlig überarbeitet bin. Beweisführend werden chronischer Schlafmangel durch 24/7-Rufbereitschaft und das durchgängig hohe Stresslevel im Job angeführt. Sturköpfig wie ich bin, streite ich Theorien dieser Art jedoch grundsätzlich ab. Dass an solcherlei Worten aber vielleicht doch etwas dran ist, wird mir bewusst, während ich mein "halbes Kleiderzimmer" aufräume. Dabei rutsche ich nämlich auf der weißen Corsage, die ich vorhin achtlos auf den Boden habe fallen lassen, aus und kippe der Länge nach über den Wäschetrockner. Lediglich die Tür verhindert meinen Aufschlag im Nachbarzimmer, indem sie meinen Kopf ziemlich hart ausbremst. Erst bin ich ziemlich verwirrt, dann werde ich, meinem Wesen vollkommen entgegen, ziemlich wütend und trommle mit meinen Fäusten auf den Wäschesack ein, der neben mir liegt. Und trete mit den Füßen nochmal nach. Bis ich irgendwann mädchenmäßig anfange zu weinen und gar nicht mehr aufhören kann. Himmel. Mir war nicht bewusst, WIE dünn mein Nervenkostüm gerade ist. Anstatt jetzt in die Stadt zu fahren, um Weihnachtsgeschenke einzukaufen, würde ich mich viel lieber auf dem Sofa zusammenrollen und schlafen. Überhaupt erscheint mir die Aufgabe, jetzt Autozufahren und mich in das vorweihnachtliche Getümmel zu stürzen, sinnlosen Smalltalk mit seltsamen Verkäufern zu führen und mich zwischen irgendwelchen Geschenken, von denen vielleicht keines richtig passt, entscheiden zu müssen, doof und anstrengend.

Mimimi.
Und nun genug rumgeheult.
Ich gehe jetzt einkaufen...

Kommentare

  1. Vielleicht bist Du tatsächlich überarbeitet. So etwas führt zu komischen Nebenwirkungen.

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    1. Na, solange die Nebenwirkungen nur komisch sind... Und das sind sie ja offenbar. Wenn man die unterschiedlichen Schuhe, die ich vor kurzem getragen habe, bedenkt.

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  2. Du solltest Dir selbst weitaus mehr Zeit und Priorität für Dein Leben einräumen...nutz die Weihnachtsfeiertage, um ein wenig runterzukommen und auszuschlafen. Ausgeschlafen sieht die Welt gleich viel freundlicher aus :-)

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  3. Äh ja.
    Du weißt es doch schon selbst, das das nicht gesund sein kann, wenn man ständig verfügbar ist.
    Den Wäschesack zu verdreschen hilft da auch nur bedingt, obwohl der das ja bereitwillig mit sich machen lässt.
    Meine Erfahrung mit der permanenten Verfügbarkeit:
    Weil ich ja wusste, jederzeit kann der Anruf kommen, hab ich dann irgendwann gar nix mehr für mich gemacht. Weil die Enttäuschung, wenn ich unterbrechen musste mich dann schon mehr nervte als alles andere.
    Kein Hobby mehr, kein Treffen mit Freunden mehr... nicht mal mehr Bücher lesen.
    Weißt Du, wie bescheuert ich mir vorkam?
    Ich hab die Reißleine gezogen. Und erst viel, viel später begriffen, wie gefährlich nah am Burnout ich zu der Zeit war.
    Seitdem gibt es Zeiten, die sind nur für mich. Da bin ich schlicht und ergreifend nicht verfügbar. Für niemanden. Ich bin ja in einer Zeit groß geworden, als man zum telefonieren noch 2km in die nächste Telefonzelle latschen musste. Jetzt ist das Handy halt aus.
    Deshalb dreht sich die Erde trotzdem weiter, und die Sonne geht auch jeden Tag auf. Das tun beide ja schon seit ein paar Jahren, und sie werden es auch weiter tun.
    Nimms bitte nicht übel das ich hier ziemlich direkt werde. Was Du da beschreibst, das klingt nur fatal nach mir vor zehn Jahren....

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    1. Ich-Zeiten sind eine tolle Idee, finde ich. Danke für den Hinweis. Irgendwann habe ich das mal gemacht, aber dann ist genau das irgendwo im Chaos untergegangen.
      Ich will gar nicht ständig verfügbar sein. Überhaupt nicht.
      Dennoch ist es aber - leider - auch ein Teil meines Jobs.

      Sei gerne direkt.
      Damit kann ich etwas anfangen.
      Danke für die offenen Worte. :-)

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