Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Von den Vorteilen, nicht mehr in einer WG zu wohnen

Heute Morgen, als ich völlig verschlafen aufstand, musste ich daran denken, dass es wirklich schön ist, nicht mehr mit anderen Menschen zusammenzuleben - nach sechs Jahren Aufenthalt im gemischten Internat und drei Jahren Wohngemeinschaft, weiß ich, wovon ich rede, das dürft ihr mir glauben. Darum ist es schön allein zu leben:
  1. Niemand zapft mehr illegal den Uni-Strom an, um in seinem umgebauten Kleiderschrank dutzende von Hanf-Pflanzen anzubauen.
  2. Mein asiatischer Mitbewohner erzählt mir endlich nicht mehr jeden Morgen mit verzücktem Gesichtsausdruck, wie "üppig" ich bin - nach fast drei Jahren pöbelte ihn dafür irgendwann einer meiner anderen Mitbewohner an und erklärte ihm völlig entnervt, dass ich ja wohl nicht wirklich fett wäre. Der Asiate wirkte daraufhin völlig perplex und vor den Kopf gestoßen. Wir benötigten drei weitere Stunden, um herauszufinden, dass "üppig" nicht "fett", sondern "hübsch" heißen sollte.
  3. Niemand meckert mehr mit mir, weil ich den Putzdienst nicht gemacht habe.
  4. In meinem Wohnzimmer sitzt keine Horde Asiaten mehr, die Trinkspiele mit kochendem Wasser spielt und ständig das Klo blockiert.
  5. Apropos Klo: Heute kann ich mir sicher sein, dass ich ins Bad komme und sich mir im Klo kein Haufen Kot präsentiert, in dem, wie eine heroische Siegestrophäe, eine Klobürste steckt. Außerdem hat niemand Kopf- und Intimhaare wild von sich geworfen und in der Regel treffen meine Besucher beim urinieren auch die Kloschüssel. Das ist total fabelhaft!
  6. Ich habe das Gefühl, wesentlich seltener stumpfe Diskussionen mit verkappten Ökotypen, deren Rastazöpfe bereits von innen schimmeln, weil sie statt Kernseife Shampoo zum Haarewaschen benutzen, falls sie sie denn überhaupt waschen, über die Legalisierung von Haschisch führen zu müssen. Und bei der These, dass Rauchen ungesünder ist als Kiffen, bluten mir die Ohren. 
  7. Niemand weckt mich mehr Nachts um 3:45 Uhr auf und schreit mir ins Ohr: "Gegenüber ist eine Privatparty, Muschelmädchen, die müssen wir unbedingt stürmen!!"
  8. Es ist nicht jeden Morgen eine kleine Überraschung, wo ich mich nach dem Aufwachen wiederfinde - keine nie vorher gesehenen fremden Wohnungen, keine durchfeuchteten Schlafsäcke, keine kalten Flachdächer mit Blick über die Stadt.
  9. Ich finde keine angenagten Überraschungs-Döner mehr in den letzten Winkeln meiner Handtasche, die mich daran erinnern, dass ich in der letzten Nacht zu tief ins Glas geschaut habe und dann Hunger hatte.
  10. Normalerweise stehe ich morgens auf und kenne die Gegenstände, die ich in meiner Wohnung finde. Keine geklauten Zeitungshalter, Gläser, Aschenbecher, Pfeffer- und Salzstreuer, XXL-Plakate, Kinosessel, vom Fahnenmast gepflückte Parteiflaggen sowie aus der Kneipe herausgeschummelte Tische. Alles sieht aus wie immer. Und ich muss kein schlechtes Gewissen mehr haben und mich nicht mehr kleinkriminell fühlen, weil ich Andenken an großartige Nächte gesammelt habe.
  11. Niemand wird mehr angemalt, wenn er abkackt. Ich sowieso nicht. Immerhin bin ich nie angemalt worden. Dafür war ich die Prinzessin der Penis-Malerei. Wegen mir hat mal eine ganze Partygesellschaft unter den Tischen statt auf den Matratzen geschlafen. Aber auch dort bin ich mit meinem Edding hingekommen! Harrrharrr!
  12. Ich muss am Ende des Monats kein Brot mit Tomatenmark mehr essen, weil ich den Rest der Kohle für Kram wie Alkohol usw. rausgepulvert habe. Ergo: Keine Mitbewohner, kein schlechter finanzieller Einfluss. :-)
  13. Ich muss nicht mehr einmal aller vier Wochen mit unzähligen, prall gefüllten gelben Säcken zum Supermarkt tingeln, um Pfandflaschen abzugeben und 200 Euro Pfand zu kassieren. Jihaaaarrrr.
  14. Meine Küche sieht nicht mehr aus wie eine Metzgerstube. Hier liegt kein Hackebeil mehr rum, an den Wänden finden sich keine Blutspritzer mehr und da ich keine Durchreiche mehr habe, die mit einem Tuch verhangen ist, kann ich auch nicht mehr, wenn ich in meinem Zimmer das Licht ausgeschaltet habe, die Silhouette meines asiatischen Mitbewohners sehen, der sein gekauftes Fleisch unter Ächzen und Stöhnen zu Tode hackt und dabei aussieht, als würde er ein Rind schlachten. (Vergesst den Asia-Kram, den man in Deutschland isst. Die originale asiatische Küche ist komplett anders. Und manchmal ziemlich speziell.)
  15. Ich sitze nicht mehr morgens um 4:30 Uhr im Wohnzimmer, um mir Klausurstoff in den Kopf hineinzuprügeln. Also kann auch niemand mehr, bekleidet nur mit einem roten, riesigen Schlüpfer, aus seinem Zimmer herauskommen und sich wohlig streckend mir gegenüber in den Sessel fläzen. Um mich dann zu fragen, warum ich schon so früh wach bin, während er mir lächelnd und breitbeinig die allerfeinste Morgenlatte präsentiert.
  16. Ich stolpere kaum noch über Kulturunterschiede, seit ich alleine wohne. Soll heißen, dass ich schon ziemlich lange niemandem mehr erklären musste, warum die Freundin panisch aus der WG flüchtet, wenn man mit einem Küchenmesser auf einen Berg Klamotten einsticht und dazu wütend ruft: "Das machst du mit meinem Herz!!!"
  17. Es gibt keine Kerle mehr, die mir volltrunken meine High Heels klauen und darauf fröhlich zur Musik durch die Wohnung wanken.
  18. Niemand klingelt mehr Nachts um 3 Uhr an meiner Wohnungstür, um Tabak zu schnorren.
  19. Ich muss mich nicht mehr Abends, im Dunkeln, vor meinem Bett erschrecken, weil irgendjemand mal wieder meine Schaufensterpuppe Agathe nackt darin platziert hat.
  20. Ich werde nicht mehr regelmäßig von zwei halbnackten Männern geweckt, die direkt neben meinem Kopf Dudelsack und Geige spielen. Oder wahlweise Nana Mouskouri singen.
  21. Niemand macht sich mehr über mich lustig, weil ich Dosenapfelmus für gesund halte, mich wochenlang von trockenem Brot mit Salami ernähren kann und uns alle heimlich für Helden halte.

 (Der Post schreit nach einer Fortsetzung. Es gibt nämlich auch ziemlich viele Gründe,
die für das Leben in einer WG sprechen.)

Kommentare

  1. Ich stelle fest: ich habe es mit der Auswahl meiner WGs nie richtig schlecht getroffen - trotz Punks und Rastahippies, Industrial- und Drei-Streifen-Parties und Asiaten und IT-Nerds.

    Schön wars. :-)

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    1. In gewisser Hinsicht bin ich froh, dass gewisse Kelche an mir vorbeigegangen sind^^, andererseits empfinde ich auch einen Hauch von Neid.
      Aber was ich bei BESUCHEN in WGs gesehen habe, hat mich hinterher stets zufriedener und dankbarer in meine eigenen Wohnungen zurückkehren lassen^^.

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    2. Ach, ich finde ja, so ein bisschen WG-Erfahrung kann gar nicht schaden. Es gibt halt gute und weniger gute WGs. Die guten machen richtig Spaß :-)

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