Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom Nein-sagen

"Ich möchte, dass du der Kollegin bei der Pflege der Personalakten hilfst.", sagt der Chef.
Ich lehne mich an die Tür, verschränke die Arme vor der Brust und atme tief ein, während ich nach geeigneten Worten suche. Und dann sage ich:
"Nein."
Im Büro herrscht frostige Stille.
Dann erkläre ich laut, was ich alles tue. Das meine Tage eigentlich schon doppelt so viele Stunden haben müsstem, um all das, was man mir übergibt, in der dafür vorgesehenen Zeit zu schaffen. Ich verdeutliche, dass ich bereits regelmäßig mehrfach in der Woche lange vor dem offiziellem Arbeitsbeginn an meinem Schreibtisch sitze, um meine Aufgaben überhaupt zu schaffen.

"Ich möchte, dass du der Kollegin bei der Pflege der Personalakten hilfst.", wiederholt der Chef.
"Nein.", sage ich wieder. Dabei bohre ich den Fingernagel meines Zeigefingers fest in meine Daumenkuppe, wild entschlossen, mich hier nicht mehr zum Volldeppen machen zu lassen.

"Ich helfe meinen Kollegen gerne, wenn es nötig ist.", sage ich, "Aber wenn sie bei der Arbeit rumtrödeln, weil sie sich darauf verlassen, dass sie irgendwann schon irgendjemand unterstützen und retten wird, dann werde ich sauer. Und dann bin ich auch nicht mehr bereit, zu helfen. Übrigens sitze ich hier immer alleine, wenn ich früher kommt, um den Berg wegzuarbeiten, der sich auf meinem Schreibtisch in die Höhe türmt..."
Kurz denke ich nach.
"Und ganz im Ernst", sage ich schließlich, "Es kann doch wohl auch nicht die Lösung sein, dass immer mir all die Aufgaben übergeben werden, die andere nicht auf die Reihe kriegen. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass das regelrecht ausgenutzt wird, frei nach dem Motto: ´Mmh, die Aufgabe finde ich doof, die mache ich einfach nicht, wenn ich das lange genug hinausschiebe, wird Frau Muschelmädchen das schon machen...´. Für mich ist es aber keine Lösung, all die Aufgaben zugeschustert zu bekommen mit der Ansage: ´Mach das mal, bei dir weiß ich wenigstens, dass du das hinkriegst und kann mich darauf verlassen, dass das läuft.´"
"Ehrlich", sage ich und klinge mittlerweile vermutlich einigermaßen angefrustet, "Das kann doch so nicht richtig sein. Ich schaffe die Arbeit einfach nicht mehr, ich komme nicht mehr hinterher. Und müde bin ich auch."

Anschließend hilft der Chef der Kollegin bei der Pflege der Personalakten.
Sie bedankt sich nicht bei ihm und steht nach getaner Arbeit als erste an der Tür, um endlich in den Feierabend zu gehen. Vermutlich ist sie angefressen, ob der Überstunde, sie sie nun gezwungenermaßen machen musste.
Ich rolle innerlich mit den Augen. Mein Chef mustert mich und nickt mir unauffällig zu. Auch er hat ihr Verhalten bemerkt. Vielleicht weiß er jetzt, was ich meine.

Kommentare

  1. Antworten
    1. Danke. Ich bin auch ein bisschen stolz, um ehrlich zu sein.

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  2. Das war mutig (und überfällig). Und unter uns: Nach dem ersten Nein wird es meist ein wenig leichter.^^

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    1. Nachtrag: Und wenn sich ob des Neins das schlechte Gewissen meldet, dann denk an die Sauerstoffmasken-Metahpher (oder googele mal danach). Die war damals mit (m)ein Augenöffner. Gemeinsam mit der Erkenntnis, dass ich keinen Wert auf Menschen lege, die mich nur als Ja-Sager mögen.

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    2. Wow, absolut richtig gemacht. Das ist so treffend zur Zeit, hoffentlich färbt das ab (auf mich)

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    3. Das "Nein" hat mir einfach gut getan, muss ich zugeben. Ich bin davon überzeugt, dass das richtig war. Aber wenn es leichter werden würde, nein zu sagen, wäre das auch schön...

      @Whimsy: Wenn wir uns im Oldenburger Cafe sehen, darfst du mir gerne siebenmal über den Kopf streicheln. Vielleicht bringt das Glück und das Nein-sagen färbt ab. :-)

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  3. Respekt und Kompliment!
    Manchmal muss man deutlich werden. Sonst ist man der Esel, der sich lieber totschleppt als "nein" zu sagen!
    Und wenn der Chef gemerkt hat, was bei manchen Deiner Kollegen Methode ist, dann hat es wohl hoffentlich auch nachhaltig genutzt.

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    1. Danke und danke.
      Allerdings glaube ich, dass mein Verhalten verpuffen wird und schon zeitnah wieder in Vergessenheit gerät. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich ja. Das wäre schön.

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