Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Von Tagebuchsachen

Alles in mir ist still. Ich habe nicht mal Lust zu schreiben. Stattdessen werden die kleinsten Aufgaben gerade zu den größten Herausforderungen und wirken auf mich wie unbezwingbare Berge. Irgendein Schalter hat sich in mir umgelegt. Ich habe mich zurückgezogen, verstecke mich in mir selbst, schotte mich ab. Still, ein wenig verletzt, traurig, zweifelnd.
  • Der Januar war nie ein einfacher Monat. Dieses Jahr aber hat er mich zum ersten Mal nicht massiv beschäftigt. Nachdem ich mich letztes Jahr hingesetzt und über mehrere Stunden einen Brief an Ephraim geschrieben habe, in dem ich seinen Selbstmordversuch noch einmal rekapituliert und für mich verabreitete habe, geht es mir besser. Zu Beginn des Briefes hatte ich ernsthaft vor, ihm diesen Brief zukommen zu lassen. Aber nachdem ich die letzten Zeilen geschrieben hatte, fiel mir auf, wie ungerecht und egoistisch es wäre, ihm meine Gefühle nach so langer Zeit zuzumuten, damit in seinen Alltag einzugreifen und ihn in gewisser Weise aus seinem Leben herauszureißen. Das kam mir falsch vor. Also habe ich die beschriebenen Blätter in einen Briefumschlag gesteckt, diesen fein säuberlich verklebt und zu den Akten gelegt. Dort liegt er gut und wahrscheinlich werde ich ihn nie wieder öffnen. Denn es ist okay, so wie es eben ist. Ich habe meinen Frieden damit geschlossen. Auch wenn mein Herz im Januar manchmal stolpert.
  • Herausforderung 49, eine neue berufliche Aufgabe, wird mich in Zukunft 20 Stunden in der Woche kosten. Davon sind fast 6 Stunden reine Fahrtzeit, die ich auf der Autobahn verbringen werde. Was ich davon halte, weiß ich noch nicht. Aber klar ist, dass man mir Vertrauen entgegenbringt.
  • Ich war immer jemand, der sich sehr viel Gedanken darüber gemacht hat, was andere Menschen über ihn denken. Sicher ist das dem Umstand geschuldet, dass ich von jeher mit meinem Selbstvertrauen Kämpfe ausgefochten habe. Natürlich bin ich heute viel selbstbewusster als noch vor ein paar Jahren. Als fast-Sozialphobikerin, die ich mal war, erfreue ich mich noch immer regelmäßig daran, dass ich keine Angst mehr vor Menschen habe, sondern einem Beruf nachgehe, in dem ich sogar ständig wiederkehrend Konfrontationen ausgesetzt bin. Trotzdem spüre ich gerade jetzt - eben besonders in den Momenten, in denen es mir nicht gut geht - , dass es mir noch immer schwerfällt, mich von der Meinung anderer Menschen abzugrenzen und ihre Meinung zu meiner Person zu akzeptieren. Es kostet mich unwahrscheinlich viel Kraft, mich von Kritik an mir durchrütteln zu lassen, Kritik überhaupt zuzulassen und mir permanent Meinungen aus meinem Umfeld anzuhören. Ich mag Harmonie. Sinnlose Streitereien sind anstrengend für mich und gehen mir, wenn sie dauerhaft sind, an die Substanz.
  • Letzte Woche wurde ich mit einem Verdacht konfrontiert, der ungeheuerlich ist. Man hat mir organisierte, kriminelle Handlungen vorgeworfen, mit der ich anderen Menschen bewusst Schaden zufüge und dafür Geld kassiere. Vermutlich würde es mir ziemlich gut tun, den genauen Sachverhalt hier im Blog aufzuschreiben, mich davon frei zu schreiben. Aber das Thema ist zu sensibel. Stattdessen habe ich das, was letzte Woche geschehen ist, mit meinen Eltern besprochen, die aus allen Wolken gefallen sind. Natürlich ist der Verdacht völlig haltlos. Aber ich habe Angst davor, dass ich irgendwann mit einem Messer im Rücken im Straßengraben gefunden werde. Ich werde gleich mal eine Runde CS-Gas beim Bestellservice in Auftrag geben. Und vielleicht sollte ich meine Selbstverteidigungsfähigkeiten mal wieder auffrischen.
  • Wenigstens kann ich noch Leute zum Lachen bringen. Eines der Worte, die ich gerne und regelmäßig benutze, ist "fabelhaft". Letzte Woche habe ich damit einen DHL-Mann zum Kichern gebracht. Er stand fünf lange Minuten lachend vor mir und konnte gar nicht mehr aufhören zu feixen. Dann dreht er sich um, ging und brabbelte dabei in seinen Bart: "Fabelhaft! Wie geil ist das denn?! Das Wort habe ich schon ewig nicht mehr gehört... Höhö. Fabelhaft! Geil..." Als die Tür schon längst zugefallen war, hörte ich ihn immer noch kichern.

Kommentare

  1. Es gibt diese Momente, in denen ein- u. ausatmen das Einzige ist, was möglich ist (oder zu sein scheint). Atmen und mir u. anderen den geringstmöglichen Schaden (absichtlich od. unabsichtlich) zufügen. Momente, in denen ich absolut nachvollziehen kann, dass man sich mit Ablenkungen u. Ersatzhandlungen nahezu um den Verstand oder um die Ecke bringt. Um dieses Herzstolpern nicht fühlen und aushalten zu müssen. Der Januar ist allerdings nicht dazu angetan, es einem da leichter zu machen. Kämpfe auch gerade sehr mit mir/gegen mich. Dann kamen gestern Abend allerdings ein paar Karussellbilder (du wirst sie gesehen haben, hoffe ich) über den Feedreader rein und der grantige Geist war kurz abgelenkt und träumte von einem Frühlingstag mit Zuckerwatte, gebrannten Mandeln(sehr wichtig!), Karussels und Leichtigkeit. Manchmal ist es so einfach ... für einen Wimpernschlag. ;)

    "Fabelhaft" mag ich übrigens sehr gerne. Nur "zauberhaft" ist besser. Und dir wünsche ich, dass sich der Januar auf seine letzten Tage von seiner fabelhaften Seite zeigt. Das war/ist viel Kraftraubendes auf einen Schlag, was du da verbloggst...

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    1. Der fabelhafte Januar ist vorbei. Es folgt der zauberhafte Februar... Der wird besser. Hoffe ich.
      Danke.

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  2. Lass Dich nur nicht von Nr. 49 überrollen.

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    1. Nein, nein.
      Meine Familie würde sagen: Unkraut vergeht nicht und schlechten Menschen geht es immer gut. Und Sprichwörtern soll man ja bekanntlich Glauben schenken...

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  3. ich nehme mir bewusst nur noch einen tag vor, ohne viel vorausschauender planerei. ich wünsche dir viel kraft und lass dich nicht unterkriegen. und vor allem, lass dir nichts ankreiden von irgendwelchen schwachmaten. davon gibts leider genug.

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    1. Das ist so einfach gesagt... Aber ich arbeite daran.
      Momentan versuche ich auch, von Tag zu Tag zu schauen...

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  4. Liebstes Muschelmädchen,
    ich mache mir ernsthaft Sorgen um Dich. Kann ich mehr tun, als Dich virtuell zu drücken?

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  5. Liebstes Muschelmädchen,
    ich mache mir ernsthaft Sorgen um Dich.
    Kann ich mehr tun, als Dich virtuell zu drücken?

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    1. Du bist lieb.
      Danke für die virtuelle Umarmung....
      Aber - ganz wichtig! - du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Bisher bin ich noch immer wieder auf die Füße gefallen...

      Schön, dass du wieder da bist.
      Aber das sagte ich schon, oder?
      Mmh. Na ja. Doppelt hält besser.

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