Vom Mitmach-Post: Mitarbeitergespräche

Am Samstag um 21 Uhr klingelt das Rufbereitschaftshandy. Am Telefon ist ein Mitarbeiter, der schon 6 Jahre bei mir beschäftigt ist. Er ist etwa 55 Jahre alt, redet gerne ziemlich viel und ist ab und an etwas verpeilt.
Folgender Dialog spielt sich zwischen uns ab:

Er [ganz aufgeregt]: "Frau Muschelmädchen! Wie schön, dass sie ans Telefon gehen. Ich habe ein Problem!"
Ich [noch tiefenentspannt]: "Probleme gibt es heute nicht, Herr Mustermann. Es ist Wochenende, da ruhen die Probleme."
Er [zerknirscht]: "Das stimmt nicht. Ich habe wirklich ein Problem."
Ich [nachgebend]: "Na, dann immer raus damit. Was kann ich für sie tun?"
Er [völlig aufgewühlt]: "Frau Muschelmädchen, ich soll am Montag in der Frühschicht arbeiten. Die beginnt um 5 Uhr morgens."
Ich [zustimmend]: "Ich weiß."
Er [erklärend]: "Nun habe ich aber gerade den Wetterbericht für Montag gesehen!"
Ich [etwas irritiert]: "Aha...?"
Er [bestätigend]: "Ja! Und für Montagmorgen ist Regen angesagt!"
Ich [relativ unbeeindruckt]: "Mag sein. Ich schaue keine Wetterberichte."
Er [nachdrücklich und engagiert]: "Ja, doch. Das hat der Wetterbericht gesagt. Wirklich. Es soll am Montag regnen. Und jetzt kommt mein Problem: Was mache ich denn, wenn es regnet? Immerhin fahre ich 23 Kilometer mit dem Auto zu Arbeit. Und stellen sie sich mal vor, aus diesem Regen wird ein großer Eisregen. Ich wollte mal fragen: Wie verhalte ich mich denn jetzt?!"

Und jetzt kommt ihr:
Was hättet ihr geantwortet?

Kommentare

  1. Jetzt, lieber Mitarbeiter, machste dir mal nicht ins Hemd.
    Warte ab bis Montag. Sollte es spiegelglatt sein, dann warte bitte, bis es sicher ist, loszufahren.´ Da rufst uns halt an.
    Aber vielleicht ist es ja auch einfach nur nass, oder der Regen fällt aus.
    (Je nach dem, wie gut ich den kenne, hätte ich aber auch gefragt, ob er mich vergackeiern will, ob wir den ersten April haben, oder so was...)

    Nämliches Problem hab ich vermutlich morgen früh. Hier gibt es grad Schneeregen auf gefrorenen Boden.
    Und ich denke immer noch an die Kollegin, die sich im vollen Pflichtbewusstsein bei Glatteis von der Landstraße geschossen hat. So was will ich nie wieder erleben. Nicht selber, nicht als Kollege und auch nicht als Vorgesetzter. Macht die Bude halt später auf, die Welt wird sich trotzdem weiterdrehen.

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    1. Deine Antwort hat mich - und das war das Ziel dieser Frage im Post - ein bisschen nachdenklich gemacht. Ich neige nämlich zu der Antwort, die du in der Klammer eher beiläufig erwähnt hast. Es liegt mir nicht unbedingt, an einem Samstagabend um 21 Uhr das Wetter am Montag zu besprechen. In einer Rufbereitschaftszeit, die für Notfälle ist.

      Die Bude später aufzumachen ist nicht unbedingt eine Option. Das bedeutet Maschinenausfall, bedeutet Produktionstillstand, bedeutet Kosten. Und: Sage ich einem Mitarbeiter, er kann später kommen, kann ich davon ausgehen, dass sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet und der Rest (verständlicherweise) selbiges fordert.
      Für mich war die Lösung ganz einfach, auch wenn ich mich jetzt etwas herzlos fühle, wenn ich sie aufschreibe: "Lieber Mitarbeiter, dann kulkuliere bitte Regen oder etwaige Glätte in deinen Anfahrtsweg mit ein. Nimm ein Telefon mit und wenn es Probleme gibt, rufst du an. Bis dahin gehe ich aber ersteinmal davon aus, dich pünktlich bei der Arbeit zu sehen."

      Ich hoffe, du bist gut zur Arbeit gekommen.

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    2. Wie erwartet, war es morgens nur halb so wild. ;-)
      Du hast natürlich Recht, es schafft auch Probleme, wenn man großzügig ist, es wird sehr gern ausgenutzt. Trotzdem, gleiches Recht für alle kann auch nur bedingt funktionieren. Ich mein, der Mitarbeiter, der direkt neben der Firma wohnt, hat halt in manchen Situationen eine bessere Chance den Arbeitsplatz zu erreichen, als einer der noch 100km zu fahren hat. Und was willst du machen, wenn einer anruft, und sagt, das durch das Hochwasser alle Straßen aus seinem Ort raus gesperrt sind, die Öffis fahren nicht mehr....(Der saß - das gab die Topografie so vor - ganz sicher auf seinem Hügel. nur rundherum war halt Wasser.)
      Gleichheit hin oder her, der kann doch dann echt nicht. Und wenn die Kollegen da anfangen, zu diskutieren (Was wir hatten!), dann ist es einfach nur Kindergarten, kleine Gruppe.

      Weißt, sein Gehalt als Vorgesetzter bekommt man ja auch dafür, das man eine klare Linie fährt. Wozu schlicht und ergreifend gehört, das man sich gelegentlich auch mal unbeliebt macht. Ich find Deine Antwort nicht direkt herzlos, sondern eher geradlinig.
      Klar, die Bude später aufmachen, ist auch nix was mir wirtschaftlich gefällt, aber eh ich anschließend drei schwerverletzte Mitarbeiter hab, schluck ich lieber die bittere Pille. Bei uns geht's jetzt nicht um Maschinen und so, da wäre es eher so, das es früh erst mal ein "Sparprogramm" bei der Versorgung gibt. Haben wir gerade wegen der Grippewelle auch so. Wenn wir früh nur zu zweit sind, wird dann Menge und Umfang reduziert, man kann sich doch nicht zerteilen.

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    3. Ich freue mich darüber, dass es nur halb so wild war. Hier war es genauso. Ich war ganz froh darüber. Natürlich gebe ich dir recht, wenn du schreibst, dass diesbzüglich ein gleiches Recht für alle, aufgrund von Wohnort und Distanz zur Arbeit, nur bedingt funktioniert. Das sehe ich auch so. Allerdings bin ich nicht dazu bereit, den Mitarbeitern mit weniger Arbeitsmotivation den Weg zu ebnen, um frei zu machen. Der Grat zwischen "Ich kann nicht zur Arbeit, weil es draußen glatt ist." und "Ich will nicht zur Arbeit und suche einen Grund, um nicht hingehen zu müssen." ist meines Erachtens schmal.

      Eines ist aber - so oder so - klar: Kein Job der Welt ist es wert, seine Gesundheit zu riskieren. Hier bin ich also wieder voll bei dir. Ansonsten mag ich es einfach, eine klare Linie zu fahren und beispielsweise Erwartungen offen zu kommunizieren. Mir ist wichtig, dass mein Gegenüber weiß, woran er bei mir ist.

      Hoffentlich bist du von der Grippe verschont geblieben?
      Ich drücke die Daumen!

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  2. abwarten herr x. probleme werden beachtet, wenn sie auftauchen.

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    1. Hach. Ja. Finde ich gut! Über ungelegte Eier zu diskutieren ist so gar nicht meine Welt...

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  3. Habe kurz gestutzt: Mein Weg zur Arbeit beträgt ebenfalls 23 Kilometer, bis ich 55 bin, vergehen allerdings noch ein paar Jahre.

    Nehmen Sie einen Fotoapparat mit, bei einer solchen Witterung können sich wunderbar dramatische Lichtstimmungen zeigen. (Allerdings wohl noch nicht um 5 Uhr morgens.)

    Tatsächlich hätte ich (ohne jegliche Kenntnis über den Herrn und in der Annahme, er sei ernsthaft besorgt, vielleicht sogar ein wenig ängstlich) geantwortet: Machen Sie sich rechtzeitig auf den Weg, so dass Sie ohne Zeitdruck auch bei Eisregen sicher ankommen können. Und wenn es gar nicht geht, drehen Sie um, melden sich und fahren später, wenn die Streudienste unterwegs waren.

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    1. Danke - ich sehe das ganz genauso. Ist doch super, wenn ich am Samstag schon weiß, dass es am Montag regnet. Dann kann ich mich dementsprechend eintakten und eher losfahren. Das habe ich ihm auch gesagt.
      Dramatische Lichtstimmungen zeigen sich sicher auch um 5 Uhr morgens - was ist dramatischer als absolute Dunkelheit? ;-)

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  4. Herr Mustermann, ich finde es klasse, dass Sie sich so gut vorbereiten auf Ihre Schicht. Damit können wir uns jetzt schon überlegen, wie wir evt. mit den vereisten Straßen umgehen und ich bin auch besser vorbereitet auf meinen eigenen Weg ins Büro. Sollten die Straßen am Montagmorgen vereist sein, rufen Sie bitte noch einmal bei mir an und ich erkläre Ihre verspätete Ankunft bei der Firma, damit diese sich darauf einstellen können. Sobald die Straßen gestreut sind, fahren Sie dann bitte vorsichtig los. Vielen Dank für Ihr Engagement! Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende!

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  5. Ich hätte ihn ins Bett geschickt. In dem Alter so spät noch auf, da muss man ja besorgt sein.

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    1. Sie überraschen mich echt immer wieder, Doktor.

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    2. Deine Antwort ist großartig! :-)
      Ich brauche dich, DrSchwein, als kleinen Mann in meinem Ohr, damit du mit gute Antworten zuflüsterst, die mir sonst immer erst viel zu spät einfallen.

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