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Vom Weg

„Dieses Lächeln machte mich frei. Es war ein ebenso endgültiges, in seinen Folgen selbstverständliches und nicht mehr umkehrbares Ereignis wie die Erscheinung der Sonne. Es öffnete den Zutritt zu etwas Neuem. Nichts hatte sich geändert, alles war verwandelt.“
(Antoine de Saint-Exupéry: Brief an einen Ausgelieferten)

Von Meinungsverschiedenheiten

Der freundliche Ägypter, der mal bei mir beschäftigt war, weist mich brüllend darauf hin, dass ich in Zukunft aufpassen soll, wenn ich auf die Straße gehe. Es kann ja sein, dass dort draußen jemand auf mich wartet und mich absticht. Immerhin bekommt jeder seine gerechte Strafe. Meine ist der Tod. Nachdrücklich warnt er mich davor, mich nirgends mehr sicher zu fühlen und verspricht mir, mich zu finden. Egal wo.
Gefährlich ruhig verweise ich ihn des Hauses.
Als ich die Nummer der Polizei vor seinen Augen wähle, rotzt er mir vor die Füße.
Dann geht er und tobt sich im Treppenhaus weiter aus.
Sobald die Tür hinter ihm zugefallen ist, muss ich mich erstmal setzen.
Jede Faser meines Körpers zittert.
Bei mir im Büro wird es niemals langweilig.

Vom Mann-mit-Ahnung

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Vom Herzschlag

"I'm selfish, impatient, and a little insecure. I make mistakes, I am out of control, and at times hard to handle. But if you can't handle me at my worst, then you sure as hell don't deserve me at my best."*

(Marilyn Monroe)
Ich wälze mich im Bett herum und kann nicht schlafen. Die Frage, die ich eine Stunde zuvor jemandem gestellt habe, spukt in meinem Kopf herum. Und ich finde keine Antwort. Deshalb greife ich irgendwann nach meinem Handy.
"Was ist falsch an mir?", tippe ich.
Die SMS geht einmal an mein komplettes Telefonbuch. Zwei Blogger und die ADAC-Hotline, die ich nicht mit Mädchenkram behelligen will, ausgenommen.

Die Antworten bringen nicht die erhoffte Erkenntnis.
Hier ein Querschnitt:
Meine Mutter schreibt: "Gar nichts. Ich habe dich lieb."
T. antwortet: "Nichts. Nichts ist falsch an Dir. Wieso denkst Du das?"
Meine Chefin lässt verlauten: "Du sollst nicht so viele Drogen nehmen, Butterblümchen."
Die Worte he…

Vom Anfang

Irgendein Sonntag, zwischen Winter und Frühling, vier Jahre später. Vor dem Fenster klebt am blauen Himmel die Sonne, ihr helles Licht tut mir in den Augen weh und ich denke, dass das irgendwie absurd ist, dass die Welt so schön aussieht, weil es in mir stürmt, blitzt, hagelt und brennt. Während ich hier sitze und das Wetter so überhaupt nicht mit meinem Innenleben überein bringen kann, denke ich darüber nach, warum ich eigentlich so gottverdammt dämlich bin. Während andere aus den Fehlern, die sie begehen, lernen, sogar an ihnen reifen, sich weiterentwickeln und herausfordern lassen, drehe ich mich im Kreis. Lernresistent. Am Ende bleibt nur das tosende Gefühl es wieder nicht hinbekommen, wieder unter einer Altlast eingeknickt zu sein, wieder ein wenig zu wild geträumt zu haben. Ohne daran zu denken, vorab ein sicheres Auffangnetz zu spannen.
Schön dämlich. Schön ich.

Und dann ist da plötzlich so ein Gedanke in meinem Kopf: Nämlich die Idee, der Angst ein Schnippchen zu schlagen. In …

Von der Seltsamkeit der Männer

Die längste durchgängige Zeit, in der ich single war, beträgt 4,5 Jahre. In dieser Zeit habe ich händeringend einen Mann gesucht, der mir gefällt. Aber es war, als hätte man mir ein für mich selbst nicht sichtbares "Achtung, diese Frau sucht verzweifelt einen Mann!" auf die Stirn tätowiert. Denn es gab einfach keine Männer, die mich wollten. Zumindest wenn man von dem Sadisten, der in seiner Kindheit sexuellen Missbrauch erfahren musste, absieht. Und von dem langhaarigen, blonden Mann, der nicht nur einen Kopf kleiner war als ich es bin, sondern auch so aggressiv sächsisch gesprochen hat, dass sich weder Anziehung noch körperliche Erregung einstellen wollten. Nicht mal unter dem massiven Einfluss von Alkohol und Haschisch. Und auch nicht in der Kombination beider Genussmittel. Ehrlich, ich habe es ernsthaft versucht.

Dabei war ich damals, finde ich, ganz nett und auch noch ein bisschen weniger vollweiblich, als ich es heute bin. Ich war - zumindest hoffe ich das - nie eine F…

Von der Heirats-Lüge

Der Werksleiter hat seit fast drei Monaten nicht mehr mit mir gesprochen. Meine Chefin hat ihm vor etwa zwölf Wochen in einem Vieraugengespräch erklärt, dass ich in diesem Jahr heiraten werde. Dummerweise hat sie mich in diese Lüge nicht eingeweiht. Weder vor noch nach ihrem Gespräch. So bin ich einigermaßen überfordert, als er mich vor ein paar Wochen zur Rede stellt. Und stolpere natürlich. Verbal und emotional. Ich kann nicht lügen. Schaffe es aber irgendwie, mich herauszureden und aus dem Gespräch rauszuwinden. Was folgt ist eisige Funkstille. Er meidet mich. Ganz offensichtlich. Beschränkt unsere Gespräche auf das Notwendigste. Und auch wenn ich spüre, dass er mich auch im vollsten Raum beobachtet, lasse ich ihn in Ruhe. Obwohl mir das ein wenig schwerfällt. Denn jetzt muss ich in Kauf nehmen, dass er mich, seiner Wahrheit nach, berechtigterweise für eine ganz schön blöde Kuh hält.

Irgendwann fängt er an, mir E-Mails zu schreiben. Natürlich ausschließlich im beruflichen Kontext. …