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Von den Sonntagsgedanken

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Am Samstag habe ich Lust, mich mal wieder ans Klavier zu setzen. Nur steht mein Klavier an einem anderen Ort. Und ich finde das Netzteil für das Keyboard partout nicht. Trotzdem spüre ich, dass ich irgendetwas kreatives tun muss, um meine Gedanken zu sortieren. Also greife ich nach langer Zeit mal wieder zu Papier und Bleistift und merke dabei, dass meine Finger richtig eingerostet sind. Es ist schon einige Monate her, dass ich das letzte Mal versucht habe, etwas Sinnvolles zu Papier zu bringen. Wie auch beim letzten Mal, schaffe ich es innerhalb von 15 bis 20 Minuten, mich so richtig schön selbst zu frustrieren. Also fliegt der Stift kurzerhand wieder in die Ecke und das Papier folgt auf dem Fuße. Denn das Problem ist: Ich möchte Zeichen nicht lernen. Stattdessen will ich es einfach können. Ich bin zu perfektionistisch für dieses Hobby. Die Bilder nicht exakt so hinzubekommen, wie ich sie mir in meinem Kopf vorstelle, macht mich einfach nur wahnsinnig.
(Zeichnung,…

Vom Hochgespultsein

Freitagnachmittag spüre ich, dass ich allmählich an meine Grenzen stoße.
Da ist zum einen der Job, der tagtäglich 100% von mir fordert, und in dem es absolut keine Gelegenheiten gibt, mal zur Ruhe zu kommen. Unendlich viele Dinge müssen zeitgleich erledigt werden. Ohne den Überblick über die Gesamtsituation zu verlieren. Am Nachmittag beginnt mein Körper mit Übelkeit und Schwindel zu kämpfen. Der Kreislauf ist es nicht. Zumindest zeigt mein Körper nicht die Anzeichen einer Kreislaufschwäche. Ich arbeite einfach jegliches Unwohlsein weg. Was anderes bleibt mir bei der momentanen Bürobesetzung auch einfach nicht übrig.
Zum anderen läuft es im privaten Bereich im Moment auch eher suboptimal. Ich verstricke mich in allen möglichen Gedanken, drehe mich im Kreis und kämpfe mit Gefühlen, die ich eigentlich nicht haben sollte, weil sie mir nicht zustehen. Sehnsucht und Eifersucht sorgen für ein Wechselbad der Gefühle. Dabei balanciere ich permanent auf dem Grat zwischen dem Bedürfnis nach Näh…

Von der virtuellen Nähe

Am frühen Nachmittag vibriert mein Handy und zeigt eine SMS einer mir unbekannten Nummer an.
"Bist du das noch immer, Muschelmädchen. Oder bist du es nicht mehr?", steht da.
Für ein paar Minuten bin ich ziemlich verwirrt. Mir fallen diverse Personen ein, von denen die Nachricht kommen könnte. Der Stalker, um den es in den vergangenen Monaten sehr ruhig geworden ist, eine alte Partybekanntschaft und nicht zuletzt denke ich sogar an Ephraim, obwohl ich versuche, diesen Gedanken ganz weit wegzuschieben.
Nachdenklich schreibe ich zurück:
"Wenn du mir verrätst, wer du bist, sage ich dir, ob ich es bin."
Anschließend grinse ich in mich hinein.
Es dauert keine Minute, bis sich mein Handy wieder meldet.
"Ich suche ein ganz bestimmtes Muschelmädchen.", steht in der nächsten SMS.
Und ich gebe zu, dass ich bereits an diesem Punkt ahne, wer es ist, der mir da schreibt. Allerdings sitzt mir der Schalk im Nacken und ich bin noch nicht bereit, mich als die Gesuchte zu o…

Von der Betrügerin in mir

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P., zu dem ich stets ein freundschaftliches Verhältnis genossen habe, hat irgendwann mal zu mir gesagt: "Du bist jemand, der niemals in seinem Leben alleine sein wird. Es wird immer einen Menschen geben, der dich liebt." Dieser Satz von ihm hat mir damals sehr zu denken gegeben. Ich habe ihn zergrübelt, bis mir keinerlei neue Gedanken mehr einfielen. Dabei habe ich mich stets hin- und hergerissen gefühlt zwischen dem leisen Wunsch, wirklich niemals vollkommen einsam sein zu müssen und dem Bedürfnis, ihn für diese kleine verbale Ohrfeige zur Rede zu stellen. Denn ich bin und war nie ein Mensch, der (um jeden Preis) geliebt werden muss. Selbst zu lieben - Menschen, Tiere, das Leben, die Farben - habe ich immer als viel wichtiger empfunden. Rückblickend vermute ich, war es das, was die Menschen in meiner Umgebung angezogen hat. Und Menschen gab es viele.

Manchmal, wenn der Tag sich dem Ende entgegen neigt und meine Kraftreserven verbraucht sind, habe ich Angst davor, eine Betrü…

Von der Angst vor Frauen

Wie verhält man sich den bei Posts wie dem folgenden?
Dieser Blog hilft mir persönlich dabei, Erlebnisse und Gefühle zu ordnen und zu sortieren. Unter anderem halte ich hier Situationen fest, die mir im beruflichen Alltag zu schaffen machen. Als das hier noch ein vollkommen ungelesener Nischenblog war, habe ich mir über meine Wortwahl keine Gedanken gemacht. Mittlerweile haben sich die Klickzahlen erhöht und ich bin ein wenig vorsichtiger geworden, was Formulierungen angeht. Nichtsdestotrotz möchte ich schon aufschreiben, was mich bewegt. Deshalb ist es vielleicht ganz gut, wenn ich vor diesem Post mal deutlich hervorhebe, dass das, was ich hier schreibe, lediglich eine Beschreibung dessen ist, was ich in meinem Berufsalltag erlebe und empfinde. Dieser Post gibt keine politische Meinung wieder. Ich bin ein großer Menschenfreund. Bin ich wirklich. Ich könnte meinen Job nicht machen, wenn ich das nicht wäre. Und wenn sich ein deutscher Bewerber mir gegenüber so verhalten hätte, hätte ich…

Vom Zauber der Nacht

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"Was kann mir schon geschehn? Glaub mir,
ich liebe das Leben - das Karussell wird sich weiterdrehen..."

(Vicky Leandros: Ich liebe das Leben)

Bereits als wir in Hamburg ankommen, haben wir zwei Flaschen Sekt intus - wobei ich zu diesem Zeitpunkt vermutlich mindestens eine Flasche alleine getrunken habe, um zu kompensieren, dass ich zwei Stunden lang ein und denselben Schlager in Endlosschleife hören muss. Dafür bin ich um eine Kondompackung, die mir zehn Quickies erlaubt, reicher und mittlerweile ziemlich entspannt. Denn was auf den Schl.agermove passiert, bleibt bekanntlich auf dem Schl.agermove. Und mir ist so oft versichert worden, dass ich einfach tun und lassen soll, was ich will, dass meine Risikobereitschaft in den letzten zwei Stunden mit Sicherheit gestiegen ist. Mag auch sein, dass da Dr. Soul, Berater in jeder Lebenssituation, eine Rolle spielt, der vorher noch empfiehlt, locker zu sein und einfach rumzuknutschen.

Im Grunde genommen ist der Schl.agermove ein Fest …

Vom Wiedererkennen

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"Da habe ich begriffen, dass manche Momenente ewig andauern. Sogar, wenn sie vorbei sind, dauern sie noch an, sogar, wenn man tot und begraben ist dauern diese Momente noch an, vorwärts und rückwärts, bis ins Unendliche. Sie sind alles und überall gleichzeitig. Sie sind es, worauf es ankommt."
(Lauren Oliver : Before I fall) 



Um 16:55 Uhr, während ich noch auf Arbeit bin, klingelt mein Telefon. Beiläufig angle ich danach spüre regelrecht, wie mein Blick entgleist, als mir der Name des Anrufers ins Auge fällt: Es ist P. Und ich denke, dass das doch völlig verrückt ist und überhaupt nicht sein kann. Nicht jetzt und nicht heute. Besonders nicht, weil ich gestern diesen Blogpost über P. geschrieben habe und dabei so unglaublich traurig geworden bin. Und das Telefon klingelt und meine Hände zittern und ich starre auf den Absender, bis das Handy schließlich verstummt. "Entschuldige bitte.", flüstere ich leise in mich hinein. Es ist mir so unverständlich, warum er da…