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Von sinnlosen Gesprächen

Obwohl ich der ausgeglichenste Mensch der Welt bin, gibt es Sätze, die mich vollkommen unvermittelt rasend wütend machen. Allen voran der Satz "Ich bin so.", der häufig als Ausrede benutzt wird, um sich gegen jedwede Form von Selbxtreflexion und Weiterentwicklung zur Wehr zu setzen. Denn das wiederum würde ja Arbeit bedeuten, weil man sich dazu mit sich selbst auseinandersetzen müsste. Daran muss ich denken, als ich heute ein Gespräch mit meinem Chef führe.

"Die Geschäftsführung will, dass ich ein Führungskräfteseminar belege.", sagt der Chef. "Kannst du mal über den Kursinhalt gucken, Muschelmädchen?", bittet er mich, "Ich würde gerne wissen, ob du denkst, dass ich das nötig habe."
Ein wenig irritiert sehe ich von meiner Arbeit hoch.
"Ich denke nämlich, dass ich das alles schon kann.", stellt er fest.
"Und dann lese ich die Inhalte und sage Ihnen, dass ich denke, dass Ihnen die Fortbildung gut tun würde, damit sie im Anschluss s…

Von der uralt-Festplatte: Tagtraum

Gestern kam ich auf die Idee, mal in der Kabelkiste zu kramen, die seit Jahren unangerührt im Schrank steht, und entdeckte dort meine alte Festplatte. Natürlich war ich neugierig. Und seitdem vertreibe ich mir meine Zeit mit einer kleinen Zeitreise. Die erstaunliche Erkenntnisse mit sich bringt. Eine ist die, dass ich offenbar gar nicht seit 2012 blogge. Sondern seit 2010. Der erste Blog war auf myblog. Der zweite auf twoday. Ich kann mich tatsächlich noch daran erinnern, dass ich ganz aufgeregt vor meinem Computer saß und auf Kommentare wartete, nachdem ich den ersten Post abgesetzt hatte. Und ich wartete und wartete und wartete. Aber es geschah: nichts. Und jetzt guckt mal nach links: Ich habe elf Follower. Andere Blogger mögen darüber müde lächeln. Ich dagegen freue mich und bin ein bisschen stolz, dass ich überhaupt einen Leser hab. Toll, oder?! :-)


Ich habe unwahrscheinlich viele tolle Dinge auf meiner alten Festplatte gefunden.
Unter anderem ein word-Dokument mit dem Titel "…

Vom Muschelmädchen: U-Boot-Christin

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Wenn ich an dich denke, dann sehe ich dich mit geschlossenen Augen an deinem Küchentisch im Obergeschoss sitzen, die Hände ordentlich zum Gebet gefaltet. Jedesmal, wenn ich zu dir komme, um mich in die Schule zu verabschieden und dir einen schönen Tag zu wünschen, zuckst du zusammen und erschreckst dich. Deshalb beginne ich irgendwann damit, mich während deiner Gebete still an den Türrahmen zu lehnen, dein Mienenspiel zu beobachten und dich einfach in Ruhe dein Morgengebet beenden zu lassen. Bis du die Augen öffnest.

An jedem einzelnen Tag laufe ich an deinem Steckkalender vorbei, der neben der Haustür hängt. Er ist ganz schwer und viele Jahre lang bin ich felsenfest davon überzeugt, dass er aus echtem Gold besteht. Mehr als das beeindruckt mich aber der Spruch, der mit zarten Lettern in den Kalender eingraviert ist: "Edel sei der Mensch, / hilfreich und gut! / Denn das allein / unterscheidet ihn / von allen Wesen, / die wir kennen." (Johann Wolfgang von Goethe) Diese Zeilen…

Von damals

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"Ich verbringe die Nächte in fremden Wänden,
und wache früh auf, um zu verschwinden.
Ich kenne mich aus und komme viel rum,
ich trage dich noch in Erinnerung."

(Selig: Wir werden uns wiedersehen) 
"Was willst du mit diesem Typen an deiner Seite?", fragt er, "Er hat sich nicht einmal seine Hände gewaschen, nachdem er auf Toilette war. Ich könnte kotzen bei dem Gedanken, dass er dich danach berührt hat!"
Die Art, wie er mich ansieht, während er spricht, berührt mich mehr, als jedes Wort, das er sagen könnte. Ich überlege, ob es sinnvoll ist, ihm zu erklären, dass ich ein schlechter Mensch bin. Ich flüchte mich lediglich in die Beziehung zu einem anderen Menschen, weil mir meine Gefühle ihm gegenüber so sehr Angst machen. Sie sind zu tief. Zu allumfassend, zu existentiell, zu ehrlich. Verstanden zu werden, ohne sich erklären zu müssen ist unheimlich. Permanent begleitet mich das Gefühl, bis in den letzten Abgrund hinein durchschaut zu werden. Das macht mich u…

Vom Wagemut

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"Und eines Tages, Baby,
da werden wir alt sein
(...)
und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
Und die Geschichten, die wir dann stattdessen erzählen, werden traurige Konjunktive sein wie:
Einmal bin ich fast einen Marathon gelaufen
und hätte fast die Buddenbrooks gelesen
und einmal wär' ich fast bis die Wolken wieder lila war'n noch wach geblieben,
und fast, fast hätten wir uns mal demaskiert und hätten gesehen, wir sind die gleichen, 
und dann hätten wir uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten."
(Julia Engelmann: One day)

Von den Erkenntnissen des Tages

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Habe herausgefunden, wo man hier Gras kauft. Super. Sitze direkt an der Quelle.Im Stau lernt man leicht Leute kennen. Vor allem Männer. Wobei mir das Wohnmobil mit den 5 jungen Dänen, das neben mir in der Vollsperrung stand, fast ein wenig gruselig war. Eine Studie belegt ja, dass die Dänen das glücklichste Volk der Welt sind. Meine Stichprobe heute war klein. Hat das aber definitiv bestätigt.Wenn man aus dem Süden kommt und im Dunkeln über die A7 auf den Hamburger Hafen zufährt, fährt man an einem Lichtermeer aus Laternen vorbei. Jedes einzelne Mal fasziniert mich dieser Anblick. Es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen, wenn ich diese Stelle passiere.Ich bin wahnsinnig schlecht darin, es zu ertragen, wenn den Menschen, die mir etwas bedeuten, meiner Meinung nach Unrecht angetan wird. In solchen Momenten mutiere ich zur Löwenmutter. Und habe, obwohl ich unfassbar harmonie- und friedliebend bin, durchaus das Gefühl, das Gewalt eine Lösung sein könnte. Frage mich seitdem, was ich tun…

Von seinen Worten