Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Von der späten Erkenntnis

Zwischen Staubsaugen und dem Abwaschen des alten Geschirrs, ist er plötzlich da, dieser Moment, auf den ich seit vielen, vielen Monaten warte: Mit einem Male fühlt es sich richtig an, mir einen Stapel weißes Papier zu nehmen und ihm einen Brief zu schreiben. Mein Stift fliegt über die leeren Seiten, füllt sie mit Worten, während sich zeitgleich mein Kopf immer mehr leert. Ich schreibe alles auf, was mir auf der Seele liegt. Alles, was mir wichtig erscheint und alles, was ich sagen will. Fast vier Stunden lang schreibe ich.

Erst einige Stunden danach spüre ich die Sackgasse, in die mich dieses Schreiben hineingezwungen hat. Denn es geht mir nicht besser. Ganz im Gegenteil. Ich ringe vielmehr um Fassung und mir ist danach, mich zusammenzurollen und zu weinen. Denn mit einem Schlag wird mir bewusst, dass die Zeilen, die ich geschrieben habe, niemals ihren Empfänger erreichen dürfen. Denn es ist doch so: Wir haben seit vielen, vielen Jahren keinen Kontakt mehr. Und nichts und niemand gibt mir das Recht, das, in Form meines Briefes, zu ändern. Es steht mit schlicht und ergreifend nicht zu, einem Menschen, den ich früher mal kannte, der mir aber heute vollkommen fremd ist, mit meinen Zeilen zu konfrontieren. Es wäre eine vollkommen brachiale Art und Weise in seine Welt, seinen Alltag, vielleicht: seine Familie einzudringen.

Wenn ich ihm den Brief schicken würde, wäre es absolut egoistisch. Denn eines ist ganz klar: Ich habe all die Worte für mich geschrieben. Damit es mir besser geht. Damit ich verstehen kann. Damit es mir möglich wird, loszulassen. Das zu erkennen, fühlt sich für mich an, als müsste ich zwischen seinem und meinem Wohlbefinden wählen. Und ich bin kein Mensch, der sein eigenes Wohl über das anderer Menschen stellen kann.

Ich darf ihn also nicht mit meinen Gedanken und Gefühlen belasten.
Richtig?
Ach, fuck. Das ist so scheiße.

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