Von verhexten Beziehungen

In den letzten Minuten hab ich viele Sätze getippt, nur um sie anschließend wieder zu löschen. Ich kann fühlen, was ich schreiben will, aber es fällt mir schwer, es auf den Punkt zu formulieren: Es beschäftigt mich seit ein paar Tagen mal wieder intensiv, dass ich in den allermeisten meiner Beziehungen das Gefühl habe, nicht gesehen zu werden und nicht gut genug zu sein.  Da ist zum Beispiel die enge Freundin, die mir Tag und Nacht WhatsApp-Nachrichten schreibt, mich quasi in Echtzeit an ihrem Seelenleben teilhaben lässt, aber nicht einmal auf die Idee kommt, mich zu fragen, was los ist, obwohl ich klar formuliere, dass es mir nicht gut geht. Da ist der Mann, der in all den Jahren nicht auf die Idee gekommen ist, mich heiraten zu wollen. Vermutlich weil ich nicht gut genug bin. Was einerseits okay ist, weil ich nicht heiraten will, aber andererseits in stummer Beharrlichkeit das Gefühl in mir erzeugt hat, dafür wohl nicht gut genug zu sein. Ein Gefühl, das schmerzt. Da ist die Freundin

Vom sterbenden Täubchen

Hunderte von Füßen, eilig laufend. Blicke, die sich am Horizont verlieren. Gesprächsfetzen, bremsende Autos, Regen, der auf kalten Asphalt fällt. Inmitten von allem eine Fußgängerzone, am Boden hockt eine Taube, klein und grau. Der Kopf hängt hinab, der gefiederte Körper atmet schwer. "Guck mal, eine Ratte.", sagt ein kleiner Junge, zeigt auf den Vogel und greift nach der Hand seiner Mutter. "Komm weg.", sagt diese, "Die ist krank und stirbt.". Der Atem der Taube wird langsamer.  Nur Zentimeter neben ihr rollt schwunghaft ein Kinderwagen vorbei. Das Täubchen zittert. Es sieht aus, als würde es, in dem Versuch, sich wegzuschleppen, alle Kraft zusammennehmen. Dennoch gelingt es nicht. Und dann ist es vorbei.
Manche Dinge brechen mir einfach so das Herz.

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