Vom Aufwachen

Ich sehne mich danach, von dir geweckt zu werden. Vollkommen nackt kniest du über meinem Gesicht, auf der Eichel deines harten Schwanzes glitzert ein Lusttropfen. Während ich noch verschlafen blinzle, schiebst du dich langsam, aber bestimmt, zwischen meine Lippen. Immer tiefer tauchst du in meinen Mund ein. Als du den Widerstand hinten, in meinem Rachen, überwindest, nimmst du mir die Luft. Mein Körper verkrampft sich. Du spürst es und stöhnst genüsslich. Zu wissen, dass ich dir nicht ausweichen, meinen Kopf nicht wegziehen kann, weil er von dir, deinem Schwanz, bereits tief in die Matratze gedrückt wird, gefällt dir.
Als du den tiefsten Punkt in mir erreichst, hältst du inne.
Wartest.
Spürst das Zucken, das in Wellen durch meinen Körper läuft.
Nimmst förmlich überdeutlich wahr, wie ich unwillkürlich, aber dafür sehr bereitwillig, meine Schenkel spreize.
Du lächelst in dich hinein. Weißt, dass du mich jetzt an dem Punkt hast, an dem du mich haben wolltest. Alle Widerspenstigkeit ist, …

Von der Auszeit

Es waren bewegte Zeiten zuletzt. Auf der Arbeit baue ich einen Fehler nach dem anderen, meine Konzentration gleicht der einer Eintagsfliege und ich spüre, dass ich nicht einfach nur an meine Grenzen stoße, sondern mich bereits jenseits aller Grenzen befinde. Abends kann ich mich kaum noch an den vorangegangenen Tag erinnern. In meiner Erinnerung verschwimmt alles. Aber das Schlimmste ist, das ich merke, dass ich mir selbst entgleite. Plötzlich sind da komische Gedanken, die sich durch mich hindurchtoben. Begleitet von absoluter Gleichgültigkeit. Manchmal stelle ich mir beim Autofahren vor, wie es sich anfühlen würde, das Steuer loszulassen. Oder ich frage mich, während ich auf dem Dach stehe, was mich davon abhält, einen Schritt, über den Dachsims hinaus, zu gehen. Jeder dieser Gedanken löst irgendwie nichts in mir aus. Bis in die letzte Faser hinein fühle ich mich gefühlstaub. Und erkenne mich nicht wieder.
Ich weiß nicht, wer diese Frau ist, die mir aus dem Spiegel entgegenblickt und plötzlich älter aussieht, als noch vor ein paar Wochen. Was ich von ihr weiß, ist, dass sie funktioniert. Dass sie das Gebinde für die Beerdigung bestellt, Sonnensternchen, die sich auf dem Weg der Besserung zu befinden scheint, ihre Medikamente verabreicht und mit der Familie über die Beerdigung spricht. Sie geht arbeiten, diese Frau aus dem Spiegel, und scheint irgendeine Art von Schein aufrecht erhalten zu wollen. Aber insgeheim fühlt sie sich leer. Der Akku ist tot. Null Kraftreserven. Für gar nichts. Ich kann mich ohne mentale Vorbereitung in eine Ecke meiner Wahl stellen und einfach anfangen loszuheulen. Meine Nerven sind nicht mehr nur dünn, ich glaube, sie sind gar nicht mehr vorhanden. Ich bin fertig.

Wenigstens besitze ich noch genug Verstand, um mir einzugestehen, dass etwas überhaupt nicht stimmt. Ich fühle mich lächerlich, zutiefst dämlich, wenn ich es auch nur wage, hier etwas von Selbstmordgedanken zu schreiben. Denn: Dazu bin ich ja viel zu stark und reflektiert. Unkraut vergeht schließlich nicht und schlechten Menschen geht es immer gut. Trotzdem merke ich, dass ich reden muss. Irgendwie ist es wichtig für mein Seelenheil. Also vertraue ich mich jemandem aus meinem direkten Umfeld an. Jemandem von dem ich hoffe, dass er stark genug ist, damit umgehen zu können und von dem ich mir fast sicher bin, dass ich ihn nach einem solchen Gespräch nicht noch mitstützen muss, weil er unter meiner Last umzukippen droht. Ich sage ihm, dass es mir schlecht geht und dass ich Angst habe, depressiv zu werden. Und dass das eigentlich so gar nicht zu mir passt. Dass ich durchaus an Depressionen glaube, aber sie nicht bei mir dulde. Ich versuche zu erklären, dass mir plötzlich alles, absolut alles, so verdammt sinnlos erscheint. Am allersinnlosesten wirken Beziehungen, egal ob zu Menschen oder Tieren, auf mich. Weil ich mit einem mal das Gefühl habe, nur verlieren zu können, was ich liebe. Als würde der Verlust immer am Ende von allem stehen. Das ich in Erwägung ziehe, mich einer Therapie zu unterziehen, ist vermutlich Aussage genug über meinen Gemütszustand. Denn ich habe panische Angst vor Therapeuten, seit mir in jungen Jahren mal einer bescheinigte, ein schlechter Mensch zu sein und Beziehungen zu zerstören. Worte, die bis heute, in den richtig dunklen Momenten, immer mal wieder an mir nagen.

Obwohl ich völlig neben mir stehe, reagiert mein Umfeld regelrecht liebevoll auf mich. Mein Chef und meine Arbeitskollegen lassen mir einen Fehler nach dem anderen durchgehen, nicht immer begeistert, aber zumeist wenigstens nachsichtig lächelnd. Meine Familie lädt mich zur Beerdigung aus. Stattdessen tun sie alles, um mich in den Urlaub zu schicken. Eine Freundin fährt während meines Urlaubes, in der die Katzen morgens und abends von einer Nachbarin betreut, bespielt und bekuschelt werden, fünfhundert Kilometer zu mir nach Hause, um dort eine Nacht zu bleiben und sich zu vergewissern, ob es Sonnensternchen und Bernsteinchen wirklch gut geht. All das - diese lieben Taten - anzunehmen, fällt mir unwahrscheinlich schwer. Zum einen weil ich wirklich schlecht darin bin, mit selbst Gutes tun zu lassen. Zum anderen weil ich keine Ahnung habe, wie ich das jemals wieder gutmachen soll. Auch wenn das vielleicht nicht mal erwartet wird. Aber ich weiß nicht so recht, ob ich das verdient habe. Es kommt mir gerade vor, als würde ich von meinem Umfeld nehmen und nehmen und nehmen und nehmen. Dabei bin ich doch für gewöhnlich im Geben viel besser als im Nehmen. Wirklich. Mir liegt es nicht, zu nehmen.

Ein paar Tage später befinde ich mich dennoch auf dem Weg in den Urlaub. Schon auf der Hinfahrt spüre ich, wie unwahrscheinlich schwer es mir fällt, den ganzen Mist der letzten Wochen loszulassen. Wieder und wieder frage ich mich, ob es richtig ist, die Katzen alleine zu lassen. Zwar geht es ihnen gut, aber eigentlich will ich mich trotzdem Tag für Tag selbst davon überzeugen. Die Nachbarin, die die Beiden Zuhause betreut, spürt das scheinbar. Denn nur wenige Stunden nachdem ich losgefahren bin, schickt sie mir bereits die ersten Katzenfotos via Handy. Das lässt mein Herz ein wenig leichter werden.

Das kleine rostrote Schwedenhaus, das die nächsten 14 Tage mein Zuhause sein wird, verzaubert mich sofort. Alles in ihm ist irgendwie angeschrammelt und benutzt. Ein Haus mit Geschichte. Die Einrichtung ist wild zusammengewürfelt, kein Stuhl gleicht dem anderen, jeder Raum ist mit einer anderen bemusterten Tapete tapeziert und die Veranda, die sich nur wenige Meter vom Steg entfernt befindet, ist gelb gestrichen. Durch viele kleine, einfach verglaste Fenster, fällt das Licht ins Haus hinein. Das Seewasser glitzert in der Sonne. Einzig das ausgestopfte Eichhörnchen, das im Flur hängt, und mich aus seinen dunklen Knopfaugen traurig anstarrt, lässt mich ein wenig zusammenzucken. Aber nach kurzer Zeit gewöhnen wir uns doch aneinander. Ich nenne es Fred. Fred sieht ein wenig lädiert aus. Aber er ist, wie er mir in den letzten Tagen mit stoischer Geduld bewiesen hat, ein hervorragender Gesprächspartner und wunderbarer Zuhörer.
Rund um das Haus wachsen wilde Mageriten, Lavendel und Lupinen. Es gibt Pilze, Preiselbeeren, Himbeeren und Blaubeeren. Aber das Beste ist die Stille. Nichts ist hier zu hören. Absolut gar nichts außer der Natur. Die Bäume wiegen sich sanft im Windspiel, hier und da zirpt eine Grille oder ein Insekt summt und brummt friedlich vor sich hin. Manchmal ruft ein Käuzchen.
Weit und breit gibt es keine Nachbarn.
Das Häuschen befindet sich in absoluter Alleinlage.
Mitten im Paradies.

Und so kommt es, dass ich nicht nur meine Zeit damit verbringe, Beeren zu sammeln, mich zu sonnen, die Angel ins Wasser zu werfen und hier und da einen Hecht oder einen kleinen Barsch an Land zu ziehen, sondern auch viel schwimmen gehe. Nackt lasse ich mich in Rückenlage über das Wasser treiben, während mir die Sonne Sternchen vor die geschlossenen Augenlider malt und ich lächelnd versuche, einfach mal an gar nichts zu denken. Keine Pflichten, keine Zwänge, keine Erwartungen.
Zum erste Mal seit viel zu langer Zeit fühle ich mich, als hätte ich losgelassen. All das Gift der letzten Wochen. Als würde ein leichter, unbeschwerter Sommer vor mir liegen. Sonnenstrahlen streicheln meine Haut, fühlen sich an, als würden sie bis in mein Herz vordringen und es allmählich, ganz langsam, wieder aufwärmen.
Alles, was ich mir jetzt noch wünschen würde, ist, dass es für zwei, drei, fünfhundert Momente so bleiben könnte. Wenn ich dazu fähig wäre, würde ich jetzt die Zeit anhalten. Und mir leichte, viel zu zarte Küsse auf meinen Augenlidern, meiner Nasenspitze und meinen Lippen wünschen. Tröstende, behutsame, liebende Küsse. An den Menschen, der sich in den letzten Wochen völlig verloren hat. Küsse, die mich meinen. Nur mich und niemand anderen. Vorübergehend würde ich mich gerne halten lassen. Bis ich die Kraft wieder finde, mich selbst zu halten.



Kommentare

  1. Meine liebe gebende Freundin!! Du darfst nehmen, so viel wie du magst! Weißt du auch warum!? Weil du jetzt einfach Mal an der Reihe bist, dich zu bedienen. Und nein, es braucht dir weder unangenehm, noch sonst was sein. Tanke Kraft durch den Raum (etc.), den andere dir gerade schaffen. Beginne dich zu sammeln. Und wenn du das Gefühl hast, dir ist nicht mehr alles egal, vieles erscheint dir weniger sinnlos, dann darfst du DANKE sagen, selbst das wird aber niemand von dir erwarten!!
    Du bist wertvoll.
    Ich freue mich, dass du tatsächlich in den Urlaub gefahren bist. Abgeschiedenheit klingt traumhaft. Und die Kulisse lud doch sicher zum Loslassen ein!?
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, Liebes! Denk immer dran, es gibt immer und überall Menschen, die dich auffangen!!! ❤️

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    1. Liebe Freundin, es klingt so leicht, was du schreibst. Trotzdem empfinde ich es nicht als leicht, zu nehmen. Vermutlich weil ich es nicht als selbstvertändlich empfinde, dass ich überhaupt nehmen darf. Und das mag ich auch nicht als selbstverständlich empfinden...
      Du hast recht: Ich werde danke sagen. Das will ich unbedingt.
      Hab vielen Dank für deine lieben Worte.
      Sie haben mir gut getan!

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  2. Du darfst nehmen! Und Du sollst auch!
    Mal gibst, mal nimmst Du. So läuft das eben.
    Jetzt zur Zeit nimmst Du halt mal mehr.
    Vergleiche das ganz pragmatisch mal mit.....ner Talsperre vielleicht?
    Wenn immer nur Wasser rausläuft, ist die irgendwann trocken. Also muss auch mal was reinlaufen. Mal läuft mehr rein, mal läuft mehr raus. Und so gleicht sich das aus.

    Und was das Gefühl der Sinnlosigkeit bei Beziehungen angeht:
    Du schreibst, das Du da nur verlieren kannst...hm, das ist schmerzhaft, ganz ohne Frage.
    Wir können nur verlieren was wir haben. Wenn ich so was nicht habe, kann ich natürlich nicht verlieren....aber ist das wirklich besser?

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    1. Der Talsperren-Vergleich ist großartig. Ich musste sehr schmunzeln, als ich ihn gelesen habe und er wird mir sicher noch länger im Gedächtnis bleiben. Irgendwie ergibt dieses Beispiel einfach Sinn. :-)

      Nein, ich glaube nicht, dass es besser ist, keine Beziehungen zu haben, weil ich so nichts verlieren kann. Aber das denke ich heute. Vor anderthalb Wochen war ich ziemlich verzweifelt und vermutlich auch relativ nahe an meiner eigenen Schmerzgrenze. Da erschien mir dieser Gedanke durchaus schlüssig. Weil ich mir nicht vorstellen konnte, mit noch mehr Verlust umgehen zu können.
      Klingt das nachvollziehbar?
      Ich hoffe es.

      Und ich hoffe, dass es besser wird.
      Alles.

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  3. Durch Zufall über Deinen Blog gestolpert. Genieße diese Auszeit und die Abgeschiedenheit - was würde ich jetzt dafür geben.. und versuche zu dir zu finden und dich zu finden. So doof es klingt. Mach eine Liste am besten ganz groß und schreibe auf passt muss weg oder daran muss ich arbeiten.... Mir hat es geholfen. Allerdings bin ich noch nicht da wo ich gerne sein möchte. Bei mir ist es im Kopf gerade extrem wuselig manmal dreht sich alles wie ein schnelles Kettenkarusell oder ich steh mitten auf einer Riesenkreuzung alles fährt irgendwie drüber nur ich find den Weg nicht.
    Sicher ja ich habe Depris und MS und ja es ist nicht alles einfach und war es nicht aber da war jemand der im Weg stand nämlich ICH. Ich vergass mich.
    LG
    Ursula
    PS: Ich werde mir eine Psychologin suchen ja und wenn es nur jemand ist der mir zuhört und zwar richtig.
    Nur eines weiß sicher ICH komme zuerst auch wenn ich Familie habe - die ich überigens über alles Liebe -.

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    1. Na dann herzlich Willkommen hier. :-) Und lieben Dank, dass du trotz Stolperei sogar einen Kommentar hier gelassen hast!
      Deine Idee mit der Liste mag ich sehr. Und in meinem Urlaub, in dem ich mich zurzeit noch befinde, habe ich genügend Zeit dafür. Diese Zeit werde ich ganz bestimmt nutzen.

      Ich wünsche dir die Zeit, deine Gedanken zu sortieren und den Weg, der für dich richtig ist, zu finden. Vergiss dich nicht, du bist wichtig.

      Liebe Grüße.

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  4. Hej, Du är i Sverige? Det är bra. Det är mycket trevligt där!
    Ach. Es ist so lange her, dass ich dort oben war. Schon bald 10 Jahre her, dass ich das letzte mal versucht habe, mich mit einem Schweden in seiner Muttersparache zu unterhalten ...
    Geniesse die Zeit, Du hast es Dir verdient. Erfreu Dich der Natur, der Stille, der Elche und der Tomten!

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    1. Hej. Du hast recht: Es ist wunderschön hier. Fast neige ich dazu, einfach hierzubleiben.
      10 Jahre Abstinenzt ist einfach zu viel, lieber Horseman. Wird Zeit, dass du mal wieder Schweden besuchst, oder? Ich finde schon.

      Danke. :-)

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