Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom Trotz

"In the nighttime
When the world is at it's rest
You will find me
In the place I know the best
Dancin', shoutin'
Flyin' to the moon
Don't have to worry
'Cause I'll be come back soon..."

(Paul Kalkbrenner: Sky and Sand)

Auf dem Weg nach Hause fällt es mir plötzlich ein. Für einen Moment stehe ich regelrecht fassungslos neben mir. Aber in genau diesem Augenblick kann ich mich auch spüren. Mit all den Gefühlen, Gedanken und dem einzigartigen Chaos, das die letzten Wochen in mir hinterlassen haben. Ein Gefühl, das einem Flächenbrand ähnelt. Während die Sonnenstrahlen wärmend meine Haut streicheln und gleichzeitig eine Gänsehaut, von der  Zehenspitze bis in die letzte Haarwurzel hinein, über meine Haut wandert, durchzuckt mich eine Erkenntnis. Die in lauten Wellen nachhallt:
Irgendwo, zwischen dem Krankenhausaufenthalt meines Vaters, dem Tod meiner Opas und der Verantwortung, die ich viel zu lange für T.´s Wohlbefinden getragen habe, habe ich mich verloren.
Und habe vergessen, wie sehr ich das Leben liebe.

Ich hatte nie Angst vor der Ungewissheit, Krankheit, Tod und Schicksalsschlägen. Stattdessen war es mir immer wichtig, dass Leben so zu nehmen, wie es eben kommt. In dem unumstößlichen Vertrauen, das mir kein nachhaltiger Schaden entstehen wird und stets daran glaubend, dass mir nur das geschieht, was ich auch fähig bin zu bewältigen. Ich wollte an guten und schlechten Dingen wachsen. Das Leben, das mich mit all seinen bunten Farben verzaubert, annehmen. Und mir einen Spaß daraus machen. Aus dem matschbraunen Mischmasch langweiliger Alltagsroutinen, den blauen Nächten voller Exzess, den konfettifarbenen Überraschungen und Zufällen, aus all den rosaroten Farben der Liebe. Und auch aus den Momenten tiefster Dunkelheit.

Kurz, aber ganz deutlich, flimmert rasende Wut in mir auf.
Eines ist mir plötzlich ganz bewusst:
Ich habe nicht vor, mich vom Leben in die Knie zwingen zu lassen.
Nicht heute und nicht jetzt.
Dafür bin ich viel zu trotzig.
Ich bin es gewohnt, die zweite Wange hinzuhalten, wenn ich geohrfeigt werde.
Und zu lächeln.
Das ist es, was ich auch weiterhin vorhabe.
Noch brauche ich ein wenig Geduld mit mir.
Ich muss das Lächeln wieder üben.
Aber ich werde es hinkriegen.
Irgendwie.

Mit ein wenig Glück liegt noch mindestens ein halbes Leben vor mir. Ein Leben, das ich mit Lachen, Tanzen, Reisen, Gefühlen und bunten Farben füllen will. Und vielleicht auch - irgendwann - mit Kindern. Mit einfach allem, was sich mir anbietet.
Darum geht es.
Ich habe es nur vergessen.


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