Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Von Dingen

Es heißt, dass es Dinge gibt, die das Leben von Grund auf ändern. Hätte ich diesen Satz vor kurzem gelesen, hätte ich ihn als übertrieben und pseudo-dramatisch empfunden. Seit Sonntag weiß ich es aber besser. Es gibt Dinge, die das ganze Leben ändern. Ganz ohne unnötige Dramatik und Übersteigerung.
Was ich jetzt bräuchte ist Zeit für mich. Um mich zu sortieren, meine Gedanken und Gefühle in Form zu bringen, um zu realisieren. Aber stattdessen schneidet sich einer meiner Mitarbeiter die Pulsadern auf. Während der Arbeitszeit. Absichtlich. Und so tobe ich mich zusammen mit Notarzt, Polizei, Chirurg und sozialpsychiatrischem Dienst durch den Tag. Bis ich abends ziemlich erschöpft auf dem Sofa lande. Und Curry beim Lieferservice bestelle. Bevor mir wahrscheinlich in circa sieben Minuten die Augen zufallen.

Kommentare

  1. das ist eine schlimme sache, die man nicht wirklich live erleben muss. du weisst schon, dass du selbst auch psychologische Hilfe in anspruch nehmen kannst, wenn du das gefühl hast, dass es dich zu sehr "mitnimmt". solche situationen werden als "arbeitsunfall" bewertet. solltest du ersthelferin sein, dann ist es automatisch mit abgedeckt. über die berufsgenossenschaften. ich wünsche dir alles gute.

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  2. Antworten
    1. Nein. So gar nicht.
      Aber danke der Nachfrage.
      Unkraut vergeht nicht und schlechten Menschen geht es immer gut. Das wird also sicher irgendwie wieder...

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