Vom Aufwachen

Ich sehne mich danach, von dir geweckt zu werden. Vollkommen nackt kniest du über meinem Gesicht, auf der Eichel deines harten Schwanzes glitzert ein Lusttropfen. Während ich noch verschlafen blinzle, schiebst du dich langsam, aber bestimmt, zwischen meine Lippen. Immer tiefer tauchst du in meinen Mund ein. Als du den Widerstand hinten, in meinem Rachen, überwindest, nimmst du mir die Luft. Mein Körper verkrampft sich. Du spürst es und stöhnst genüsslich. Zu wissen, dass ich dir nicht ausweichen, meinen Kopf nicht wegziehen kann, weil er von dir, deinem Schwanz, bereits tief in die Matratze gedrückt wird, gefällt dir.
Als du den tiefsten Punkt in mir erreichst, hältst du inne.
Wartest.
Spürst das Zucken, das in Wellen durch meinen Körper läuft.
Nimmst förmlich überdeutlich wahr, wie ich unwillkürlich, aber dafür sehr bereitwillig, meine Schenkel spreize.
Du lächelst in dich hinein. Weißt, dass du mich jetzt an dem Punkt hast, an dem du mich haben wolltest. Alle Widerspenstigkeit ist, …

Von der verlorenen Nacht

"Can anybody see me?
Can anybody help?"

(Sia - I´m in here) 

Es ist mitten in der Nacht, als ich aufwache und nicht mehr einschlafen kann. Ich versuche, das Gedankenkarussell loszuwerden, aber habe keine Chance. Zu sehr tobt sich der vergangene Abend durch meinen Kopf. Zu laut, zu intensiv, zu verzweifelt.

Es ist - für meine Verhältnisse - schon relativ spät, als gestern Abend das Rufbereitschaftstelefon klingelt. Am Apparat ist eine Mitarbeiterin von mir. Sie weint heftig und vor lauter Schluchzen kann ich kaum verstehen, was sie mir erzählen will. Zumal wir uns auf englisch unterhalten. In der Regel verstehe ich englisch ziemlich gut. Besser als ich letztendlich spreche. Aber dieses Mal fällt mir das Verstehen schwer. Weil die Mitarbeiterin immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt wird. Alles, was ich wieder und wieder aus ihrer Erzählung rausfiltern kann, ist das Wort "Polizei". Und das sie morgen nicht arbeiten gehen kann. Ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Aber natürlich stelle ich sie für die Arbeit am kommenden Tag frei. Denn eines ist klar: Was passiert ist, muss schlimm sein. Daran habe ich keinen Zweifel.

Etwa eine Stunde später ruft mich ein Werksleiter an. Er erzählt mir, dass soeben ein Arbeitsunfall passiert ist und dass der Notarzt eine Mitarbeiterin von mir abgeholt hat. Ich bin verwirrt. In der Nachtschicht habe ich keine Frauen eingesetzt. Als ich den Namen von der Mitarbeiterin, die den Arbeitsunfall hatte, haben will, um gegebenenfalls Angehörige zu informieren und im Krankenhaus anzurufen, kann er mir nicht weiterhelfen. Er selbst ist nicht vor Ort. Einer seiner Schichtleiter hat ihn über den Unfall informiert. Er gibt mir die Telefonnummer der Schichtleitung.
Als ich den Schichtleiter schließlich ans Telefon bekomme, ist er emotional vollkommen aufgewühlt. Auch hier dauert es eine Zeitlang, bis es mir gelingt, zu rekonstruieren, was passiert ist. Der Schichtleiter ist nicht nur verwirrt, er scheint vollkommen konfus zu sein. Fassungslos. Schließlich aber fügt sich ein Puzzleteil dem anderen:
Die Mitarbeiterin, die mich vorhin angerufen hat, und die ich kaum verstehen konnte, weil sie so sehr geweint hat, ist von ihrem Mann verprügelt und anschließend vor die Tür gesetzt worden. Weil sie hier in Deutschland niemanden außer mir, ihren Arbeitgeber, hat, vollkommen alleine ist, ohne Familie oder Freunde in der Nähe, macht sie sich auf den Weg zur Arbeit. Um dort um Hilfe zu bitten. Kaum ist sie auf Arbeit angekommen, bricht sie direkt vor den Augen des Schichtleiters zusammen und verliert das Bewusstsein. Er verständigt den Notarzt, der sie vor Ort stabilisiert, aber für weitere Untersuchungen mit ins Krankenhaus nimmt.

Ich atme tief durch. Zunächst einmal versuche ich, den Schichtleiter zu beruhigen. Im Gegensatz zu mir kommt er normalerweise lediglich auf beruflicher Ebene mit meinen Mitarbeitern in Berührung. Ihre Probleme, Sorgen und Nöte bleiben ihm für gewöhnlich verborgen. Mir nicht. Aber ich kann seine Fassungslosigkeit verstehen. Wieder und wieder sagt er: "Aber Frau Muschelmädchen, das kann doch nicht sein! Es ist schlimm genug, dass der Mann sie verprügelt, aber wie kann er es denn fertigbringen, sie danach auch noch vor die Tür zu setzen? In einem Land, in dem sie niemanden kennt, in dem sie ganz alleine ist? Wie kann er das denn nur tun?!" Und er entschuldigt sich. Einmal, zweimal, achtmal. "Es tut mir leid, dass ich sie damit so zutexte. Aber ich bin so... fassungslos. Über so viel Gewalt. Und Unmenschlichkeit."
Innerlich nicke ich. Natürlich erzählen wir - die wir diesen Job ausüben - unsere Geschichten. Um sie verarbeiten zu können, erzählen wir sie sogar jedem, der sie nicht hören will. Aber es ist die eine Sache, so eine Geschichte nur zu hören. Wenn man sie hört, kann man sie einfach abnicken. Beiseite schieben oder als Übertreibung abtun. Eine ganz andere Sache ist es, eine dieser Geschichten plötzlich als Randfigur mitzuerleben. Blut und Tränen zu sehen. Der Schreck, der dem Schichtleiter in den Knochen sitzt, kommt mir vage bekannt vor. Auch ich habe irgendwann einmal so empfunden. Damals, als das Gift noch frischer war.
Ich verspreche dem Schichtleiter, mich um die Mitarbeiterin zu kümmern.
Als würde mir jemals etwas anderes einfallen.

Es folgen diverse Telefonate mit der Polizei und mit dem Krankenhaus.
Und mit einer Kollegin meiner Mitarbeiterin, die die Mitarbeiterin zwar nicht kennt, sich aber spontan, ohne zu wissen, was genau vorgefallen ist, dazu bereit erklärt, sie für ein paar Tage bei sich Zuhause aufzunehmen, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen wird. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. So viel Hilfsbereitschaft berührt mich sehr.
Und schließlich meldet sich meine Mitarbeiterin nochmal bei mir. Noch immer ist sie im Krankenhaus. Man will sie noch ein paar Untersuchungen unterziehen und ihr einen Psychotherapeuten zur Seite stellen. Trotzdem bin ich erleichtert zu hören, dass sich ihr Zustand stabilisiert hat. Auch wen sie fürchterlich traurig ist.
"Ich bin hier ganz allein.", sagt sie, "Du, Frau Muschelmädchen und deine Firma, ihr seid die ganze Familie, die ich hier in Deutschland habe. Es tut mir leid, dass ich dir so viele Probleme mache. Es tut mir so sehr leid."
Ich versuche sie zu trösten. Sage ihr, dass wir Lösungen finden werden. Dass alles gut werden wird. Aber ich spüre, dass sie mir nicht glaubt. Ich kann ihre Verzweiflung förmlich körperlich fühlen. Vor allem aber sehe ich ihre traurigen Augen vor mir. Ich kenne keine Frau, die trauriger gucken kann als sie. Und vermutlich keine, die hübscher ist. Mit ihren 21 Jahren.

Nachts, als ich hellwach im Bett liege und meine Gedanken Kreise drehen, frage ich mich, was ich gestern Abend hätte besser machen können. Ich frage mich, ob ich gleich ins Krankenhaus hätte fahren sollen. Ob ich nicht passendere Worte zum Trost hätte finden sollen. Ob es vielleicht zu indiskret war, ihr zu sagen, dass sie einen Mann verdient, der sie gut behandelt. Ich zweifle. An mir und daran, gestern wirklich alles richtig gemacht zu haben.
Um 4 Uhr morgens gebe ich die Nacht als verloren.
Stattdessen stehe ich auf, koche mir einen Kaffee und fange an, mir einen Plan zu machen. Jobcenter, Frauenhaus, Wohnungsbaugenossenschaften. Adressen und Telefonnummern. Ich muss etwas tun. Irgendwie muss ich helfen. Auch wenn nichts davon genug sein wird.



Kommentare

  1. Du bist unglaublich. Einfach unglaublich. Es gibt zu wenige von Dir.

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    1. Ach was...
      Wisst ihr, was wirklich unglaublich ist?
      Sie ist zu ihm zurückgegangen.
      Nur einen Tag später.
      Bin mir nicht sicher, ob ich hysterisch lachen oder weinen soll.

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  2. Du hast ein großes Herz, Muschelmädchen! Dafür (auch dafür) mag ich Dich. Sehr.

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    1. Dankeschön.
      Aber ich hab auch viele Fehler. Das will nur pro forma einmal gesagt sein...

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