Vom Aufwachen

Ich sehne mich danach, von dir geweckt zu werden. Vollkommen nackt kniest du über meinem Gesicht, auf der Eichel deines harten Schwanzes glitzert ein Lusttropfen. Während ich noch verschlafen blinzle, schiebst du dich langsam, aber bestimmt, zwischen meine Lippen. Immer tiefer tauchst du in meinen Mund ein. Als du den Widerstand hinten, in meinem Rachen, überwindest, nimmst du mir die Luft. Mein Körper verkrampft sich. Du spürst es und stöhnst genüsslich. Zu wissen, dass ich dir nicht ausweichen, meinen Kopf nicht wegziehen kann, weil er von dir, deinem Schwanz, bereits tief in die Matratze gedrückt wird, gefällt dir.
Als du den tiefsten Punkt in mir erreichst, hältst du inne.
Wartest.
Spürst das Zucken, das in Wellen durch meinen Körper läuft.
Nimmst förmlich überdeutlich wahr, wie ich unwillkürlich, aber dafür sehr bereitwillig, meine Schenkel spreize.
Du lächelst in dich hinein. Weißt, dass du mich jetzt an dem Punkt hast, an dem du mich haben wolltest. Alle Widerspenstigkeit ist, …

Von der Glaskugel

„Ich lebe in einer engen Welt der alten Wörter, dachte er, es gibt keine neuen. Selbst die neuen Dinge benennen wir mit alten Wörtern. Und für die Dinge, nach denen man sich sehnt, findet man keine. Wenn man die Sehnsüchte benennen könnte wie die tausend Düfte der Tees...“

(Ewald Arenz: Der Teezauberer)


Muschelmädchen ist ein aufgewecktes Kind. Das ihr der Schalk im Nacken sitzt, ist kaum zu übersehen. Die blonden Haare stehen wirr in alle Richtungen ab, tausende kleiner Sommersprossen sammeln sich auf ihrer Nase und beginnen zu tanzen, wenn sie lacht. Sie ist fröhlich und frech, lässt sich schnell von den Dingen begeistern, die die Welt zu bieten hat, und hinterfragt annähernd alles. Die Liebe zur Sprache lernt sie schon früh. Oma und Opa sind Lehrer, sie schenken ihr ihr erstes eigenes Balladenbuch und noch bevor sie eingeschult wird, kann sie lesen. Sie liest annähernd alles, was ihr in die Finger gerät: Zuerst wahllos Pferdebücher wie Bille und Zottel, dann Die rote Zora, Pippi Langstrumpf, Momo, Die unendliche Geschichte, Der letzte Mohikaner, Tom Sawyer und Huckleberry Finn, Die Schatzinsel und Moby Dick. Zehn Bücher darf sie sich jeden Freitag in der Schulbibliothek ausleihen und bereits Montag hat sie alle gelesen. Das liegt daran, dass sie all ihre Bücher mit auf ihre Streifzüge durch die Wildnis nimmt und nachts, bewaffnet mit einer Taschenlampe, heimlich unter der Bettdecke liest, bis ihr das Buch langsam aus den Fingern fällt und sie in den Schlaf hinübergleitet. 

Schon bald hat sie alle Bücher aus der kleinen Bibliothek gelesen. Also beginnt sie, sich an den Bücherregalen ihrer Eltern zu vergreifen. Sie liest annähernd alle Karl May-Bücher, viel zu früh gerät ihr Houellebecqs Elementarteilchen in die Hände, dicht gefolgt von Manns Die Buddenbrooks, Schillers Die Räuber und Goethes Faust. Die Entdeckung der Langsamkeit, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Das Spiel ist aus, Der Spieler und de Beauvoirs Alle Menschen sind sterblich reihen sich nahtlos an. Am liebsten hat sie Der alte Mann und das Meer.  
Viele der Dinge, die sie liest, versteht sie noch nicht so richtig, aber das macht ihr nichts aus. Sie denkt so lange über das Gelesene nach, bis sie es sich erklären kann. Und ihre Erklärungen sind toll, kreativ, verrückt, absonderlich. Von der Zehenspitze bis zur Haarwurzel strotzt sie vor Fantasie. Nichts Schöneres gibt es auf der Welt, als Zeit zum denken und träumen zu haben.
Manchmal versucht sie selbst zu schreiben. So sitzt sie eines Tages mit ihren Großeltern, bei strahlendem Sonnenschein, im Garten und beobachtet, wie sich die Blätter der Birke im Wind wiegen. Sie fragt die Oma nach einem Stift und einem Stück Papier und feilt stundenlang, voller Geduld und Konzentration, an vier Zeilen:  


Das Blatt in meinem Traum,
es fiel vom Birkenbaum.
Darum ist es jetzt mein, 
du lieber Sonnenschein.


Heute fühlt es sich manchmal so an, als wären die Worte ihr Gefängnis. Es sind immer die gleichen 26 Buchstaben, die sie zu den gleichen Worten verbindet, immer wieder landet sie bei ähnlichen Formulierungen und schafft es einfach nicht, aus ihnen auszubrechen. Während manche Menschen das als "Stil" bezeichnen, fühlt es sich für sie an, als fände ihr Schreiben innerhalb einer Glaskugel statt und sie würde ein ums andere Mal versuchen, das Glas von innen aufzubrechen, um schlußendlich  doch wieder an diesem Versuch zu scheitern. Vielleicht können manche Menschen im Schreiben keine Freiheit finden, solange sie selbst nicht frei sind. Von Freiheit zu träumen, reicht nicht aus, um Freiheit zu beschreiben. Sie will gelebt werden. Erst dann lässt sie sich vielleicht in Worte kleiden.

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