Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom Liebesentzug

Familie. Ein stetiger Quell der Freude.
"Weil du nie etwas für mich tust!", faucht sie.
Ich muss schlucken. Unser Streit hat sich gerade an einer vollkommen banalen Kleinigkeit entzündet. Aber eigentlich ist es vielmehr ihr Streit. Denn ich sage gar nichts. Bereits nach den ersten gefallenen Worten versuche ich, mich in mich selbst zurückzuziehen. In meine Muschel. Um das, was kommen wird, abzuwehren. Es nur nicht zu nahe an mich heranzulassen.
"Ich würde nicht einmal auf die Idee kommen, dass du freiwillig etwas für einen anderen Menschen tust!", sagt sie scharf und laut.
Fassungslos starre ich sie an. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel Macht sie über mich hat. Es fällt ihr leicht, mich zu verletzen. Und das nutzt sie vollkommen ungehemmt, vermutlich sogar unbedarft, aus. Als Entschuldigung Temperament und Impulsivität vorschiebend.

Als sie die Wohnung verlässt und die Tür hinter sich zuschlägt, fühle ich mich, als wäre ich wieder neun Jahre alt. Ein Kind, das um jeden Preis geliebt werden will. Aber nicht richtig geliebt werden kann, weil es einfach zu viele Fehler macht, extrem unsicher ist und einige charakterliche Schwächen aufweist. Streicheleinheiten und Liebkosungen sind fester Bestandteil eines Belohnungssystems. Und Belohnungen muss man sich verdienen. Worin ich nicht besonders gut bin. Weswegen sie manchmal tagelang meinen Blicken ausweicht und mich sowie sämtliche meiner Gesprächsversuche ignoriert. Ich bin zu Luft degradierte Enttäuschung. Ein Gefühl, dem ich mich manchmal heute noch, im Erwachsenenalter, versuchen muss zu widersetzen.

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