Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Von seinen Worten



„Was tun Sie,“ wurde Herr K. gefragt, „wenn Sie einen Menschen lieben?“ „Ich mache einen Entwurf von ihm“, sagte Herr K., „und sorge, dass er ihm ähnlich wird.“ „Wer? Der Entwurf?“ „Nein“, sagte Herr K., „Der Mensch.“

(Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner)


"Was mir dabei plötzlich klar wurde, war, dass Du alles richtig gemacht hast. Du hast ja immer versucht, das Sattwerden hinauszuschieben. Das Verlangen, die Sehnsucht immer ein bisschen hungrig zu belassen. (...) Ich bereue heute so vieles, was in unserer gemeinsamen Zeit geschehen ist. Vor allem Verletzungen, die ich Dir (meist indirekt) zugefügt habe. (...) Was ich jetzt, heute, bereue, ist, dass ich Dir nicht mehr vertraut habe. Mehr Deiner Art, die Dinge anzugehen, vertraut habe. Du hast da intuitiv irgendwas verstanden, was ganz wichtig ist. Du hast versucht, durch Dein Offenhalten der Sehnsucht Stabilität zu erzeugen. So paradox das klingen mag. Ich glaube, damit hast Du Recht. Das ist der einzige Weg. Wenn man das nicht macht, wenn man alle Sehnsüchte stillt, ist man am Ende satt (...). Die Kunst ist, immer wieder neue Sehnsüchte zu erzeugen und die bestehenden in allerkleinsten Schritten auszukosten und hinauszuzögern. Ich verstehe das heute erst, und ich will Dir sagen, dass Du richtig bist. Alles, was Du getan hast, war richtig.
Ich hätte einfach nie versuchen sollen, dich zu dem Menschen zu machen, den ich mir von Dir entworfen habe. Ich hätte Dir öfter zuhören und öfter wirklich den Menschen sehen sollen, der Du bist und sein willst. Ich glaube, Herr Keuner hatte Unrecht."

(Brief, 15.11.2017)

Kommentare

  1. Herr Keuner ist kein Liebender, er ist ein Gefängniswärter. Hatte Gänsehaut beim Lesen der einleitenden Worte, so sehr stoßen sie mich ab.

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    1. Ursprünglich hatte ich noch einen Text unter diesem Post stehen. Aber ich habe ihn entfernt, weil ich keine "Bewertung" geben mochte.
      Grundsätzlich - wenn ich die Keuner-Geschichte nun aus dem Kontext löse, in dem ich sie verwendet habe - halte ich diese Keuner-Geschichte aber auch für sehr streitbar. Vor allem aber sind mir diese Geschichten zu einfach. Zu moralisch. Holzhammer-Mentalität.

      (Jetzt bin ich ein bisschen um die wirkliche Beantwortung deines Kommentares herumgesegelt. Das liegt daran, dass ich mir manchmal nicht ganz sicher bin, ob die betreffende Person, aus dessen Feder die obigen Zeilen stammen, hier mitliest. Entschuldige.)

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    2. Alles gut. Ich habe auch heftig reagiert. Eigentlich, so dachte ich, beziehe ich mich beim Kommentar nur auf Brechts Worte. Aber nein. Ich hatte/habe selbst zu viele Keuners im Leben, ging mir danach auf. Und jeder wollte nur das Beste... für wen auch immer. ;)

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    3. Vermutlich prägt uns die Idealvorstellung eines Menschen an unserer Seite zu sehr. Ob wir vielleicht auch für irgendjemanden Keuner waren?

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    4. Ich bestimmt. Für den Junior.^^

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    5. Ich nehme an, dass das so sein muss. Es wäre seltsam, wenn es nicht so wäre. :-)

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