Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom Warten auf den Schnee


„Er musste lächeln, als er beobachtete, wie ihr Blick immer wieder nach draußen wanderte, zu den Flocken, die so langsam an den großen Fenstern vorbeischwebten, als drehe sich die Welt plötzlich in Zeitlupentempo.“

(Cornelia Funke: Herr der Diebe)

Ich lege meine Handflächen gegen die Fensterscheibe. Sie sind ganz warm und lassen das Glas sofort beschlagen. Ich sehe hinaus und flüstere sanft: „Schnee! Ich will Schnee…“.

Aber meine Bitte bleibt unerhört. Es schneit nicht. Obwohl der Himmel danach aussieht, so grau und schneevoll; obgleich sich die Sonne im Dunst bricht und alles bereits nach Schnee riecht. Zwischen meinen Händen hindurch hauche ich meinen Atem gegen die Scheibe und zeichne mit der Fingerspitze meines rechten Zeigefingers ein Herz auf das Glas. Mein Herz für dein Herz. Denke ich. Ein Leben für ein Leben.

Dann muss ich lächeln. In die Welt hinaus. So ist das also, wenn man schließlich groß, beinahe erwachsen ist und endlich so viele Fensterbilder mit den Fingern malen kann, wie man es schon immer – allen mütterlichen Ermahnungen zum Trotz – tun wollte. Ich werde meine Fenster nicht putzen. Stattdessen schaue ich nach draußen und warte auf den ersten richtigen Schnee des Jahres.
 

In mir ist es Winter geworden und ich habe es nicht einmal bemerkt.
Die Welt vor meinem Fenster steht still.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vom Aufräumen

Von Tagebuchsachen

Von Dingen