Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Von Tagebuchsachen

Der Mann im Baumarkt hat "50 shades of Grey" (btw: Schlechtestes Buch der Welt) gelesen. Oder zumindest den Kinofilm gesehen. Denn sein Blick, als ich ihn frage, wo ich Kabelbinder finde, ist einfach nur Gold wert: Ihm rutscht nicht nur alles aus dem Gesicht, sondern er wechselt auch gleich zweimal die Gesichtsfarbe, während er mich von Kopf bis Fuß mustert. Die Situation ist einfach nur köstlich und bringt mich dazu, leise in mich hineinzukichern.
Leider kippt meine Stimmung im Laufe des Tages. Es ist ein langsames Kippen, aber irgendwann kann ich ihm nicht mehr standhalten.
  • T. bittet mich, noch ein wenig zu bleiben. Ich zögere kurz. Ja, ich zögere wirklich. Erinnere mich an die letzten Worte, die gefallen sind und an das Versprechen, das ich mir selbst gegeben habe: Ich habe die Tür geschlossen. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Ich brauche Respekt, Wertschätzung, Sicherheit und Stabilität in meinen Beziehungen. Menschen, die mir gut tun.
  • Der Motorradfahrer fliegt schneller aus der Kurve, als ich es realisieren kann. Sein Kopf schlägt auf dem Asphalt auf, der Körper rutscht hinterher und schrammt einige Meter über den Beton. Viel Blut. Viele Polizisten. Viele Sanitäter. Mein Erste-Hilfe-Kasten. Einer der Sanitäter fragt, ob er mir meinen Erste-Hilfe-Kasten wieder auffüllen soll. In dem hektischen Geschehen um mich herum wirkt die Frage merkwürdig irrelevant. Aber wenigstens halte ich etwas in den Händen, an dem ich mich festhalten kann. Ich schüttle den Kopf. Meinen Erste-Hilfe-Kasten gebe ich nicht aus der Hand.
  • Es gibt einen Menschen, der mir sehr unter die Haut geht. Wahrscheinlich ist das nicht gut. Ich bin nicht gut darin, emotionale Distanz zu wahren, wenn ich jemanden mag. Irgendwie geht das alles zu schnell. Am Abend bin ich merkwürdig leicht verletzbar und spüre, wie die Angst in mir hochkriecht. Nicht gut, nicht gut, nicht gut. Zu viel Risiko, erneut beschädigt aus diesem Wiedersehen herauszugehen. Außerdem bin ich doch noch ganz kaputt. Und generell irgendwie irreparabel.
Aber ich bin am Leben. Das Leben erscheint so wertvoll nach einem Tag wie diesem. Trotzdem fühle ich mich gerade einfach nur traurig.

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