Vom Irren

Es ist nicht so, dass ich nicht versucht habe, mich mit ihm darüber zu unterhalten. Aber wenn ich daran denke, wird mir übel. Weil ich seine Argumentation so unterirdisch finde.
"Was soll ich denn tun, wenn ich dich anfassen will? Dann muss ich das doch."
"Ich kann nichts dafür, dass du scharf bist."
"Du tust ja gerade so, als hätte ich dich vergewaltigt."
"Nicht, dass du jetzt zu einer frigiden Trulla wirst!"

Heute hat mich jemand, der diesen Blog liest, gefragt, ob mich dieses Thema, das ich in meinem Jahresrückblick angeschnitten habe, noch beschäftigt. Meine Antwort war "Ja." Danach konnte ich nicht mehr sprechen, weil der müselig zusammengekleisterte Staudamm sich angefühlt hat, als wäre er kurz davor, zu brechen. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und einen riesigen Kloß im Hals. Das hat mich selbst erschrocken. Bisher war mir nicht bewusst, wie tief meine Empfindungen dazu gehen. Aber wie sollte mir das auch bewusst sein: Ich…

Von Herzen und Augen

"Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll."
(Johann Wolfgang von Goethe)

"Sie haben ein großes Herz", sagt die Bewerberin und sieht mir direkt in die Augen. Ich werde ganz verlegen. Neben mir sitzen meine Geschäftsleitung und mein oberster Chef. Doch die Bewerberin lächelt mich an und spricht einfach weiter: "Man sieht es an ihren Augen, wissen sie?", sagt sie lächelnd, "Augen verraten sehr, sehr viel über einen Menschen. Sie sind ein guter Mensch. Ich hoffe, sie wissen das."
Ich wünschte, sie hätte recht.
Stattdessen habe ich das Gefühl, irgendwo in meinem Inneren, ganz leise, etwas Brechen zu hören.

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