Vom Schwindel

In letzter Zeit ist mir oft schwindelig. Hauptsächlich dann, wenn ich mich hinlege oder mich im Liegen von einer Seite zur anderen umdrehe. Wenn ich aufstehe, verschwindet das Schwindelgefühl meistens. Nur morgens, direkt nach dem Weckerklingeln, begleitet es mich noch für ein paar Minuten. Dann muss ich aufpassen, dass ich keine abrupten Bewegungen mit dem Kopf vollführe, weil es mir sonst die Beine wegzieht. Vor kurzem hatte ich mir vorgenommen, deswegen mal zum Arzt zu gehen. Aber dann verschwand der Schwindel wieder.

Nun ist er, seit ein paar Tagen, wieder da. Morgens muss ich aufpassen, dass ich nicht zu schnell aufstehe und mich nicht zu ruckhaft bewege, damit ich nicht umfalle. Heute hatte ich, nach einem wirklich harten Arbeitstag, zum ersten Mal auch tagsüber etwas vom Schwindel. Auf der Heimfahrt, nach der Arbeit, hätte ich am liebsten, wie ein kleines Mädchen, losgeheult. Vor Erschöpfung, Wut und Frustration über die Herausforderungen, die mein Arbeitstag für mich bereithie…

Vom nahenden Tod

Er steigt in das Auto hinein. Ich habe das Gefühl, dass er meinen Blick meidet und ich glaube, dass das daran liegt, dass wir beide wissen, dass es das letzte Mal sein wird, dass wir einander sehen. Er stirbt und, so Gott es will, ich werde noch ein wenig bleiben. Werden wir uns wiedersehen?

Schon jetzt hat der Krebs seinen Körper zerfressen. Man sieht, dass die Krankheit seine Statur und sein Wesen prägt. Aus dem Bär von einem Mann, der stets einen dunklen Rauschbart und einen mächtigen Bauch vor sich her trug, ist ein hagerer, zierlicher Mann mit Glatze geworden. Das Gesicht eingefallen, ein paar vereinzelte weiße Haare. Die Augen ernst. Als ich ihn drücke, habe ich Angst, ihn zu zerbrechen.
Damals hat er mich beschützt. Als ich ein Kind war.
Heute habe ich das Gefühl, dass ich ihm etwas geben muss. Liebe. Zuneigung. Wärme.
Aber wie viel Liebe kann man einem Menschen in so wenigen Stunden zuteil werden lassen?
Was ich ihm geben kann, ist viel zu wenig. Ich fühle mich ihm und seiner Krankheit gegenüber hilflos und unzureichend. Ungenügend. Wie so oft.

Er winkt, als sich das Auto in Bewegung setzt. Mit festem Griff schnürt mir die Beklemmung das Herz zusammen.
Ich wünsche dir Gesundheit und Frieden. Für dich sollte es Farben regnen. Und ich hoffe, dass du sie alle, in diesem oder unserem nächsten Leben, frei von Depression, sehen und genießen kannst.
Ich will dich nicht verlieren, weißt du?
Aber ich will dich auch gehen lassen.
Ich will das, was du willst.
Das was für dich am besten ist.
Zumindest will ich versuchen, das zu wollen.
Für dich.

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