Vom Schreien

Ich schreie nie, beiße normalerweise nicht um mich und verletze Mitmenschen niemals absichtlich. Und dennoch ist mir gerade danach, genau das zu tun. Ich möchte einfach losbrüllen. Wie verrückt, wie am Spieß und vollkommen unkontrolliert, solange, bis mir die Stimme ausgeht. Aus Wut, aus Frustration, aus verletzten Gefühlen heraus. Zum Abbau von Stress und Druck und überbordenden Emotionen.
Aber ich bleibe still.

Wieviel Kraft mich das wirklich kostet, zeigt mir meine allabendliche Gemütslage. Ich bin, was ungewöhnlich für mich ist, unfassbar nahe am Wasser gebaut. Zurzeit schlafe ich unglaublich früh ein. Denn sobald ich Zuhause bin, überfällt mich eine bleierne Müdigkeit, der ich mich nicht zu entziehen vermag. Trotzdem finde ich mich vier Stunden später hellwach in meinem Bett wieder. Zähle die Stunden bis zum Weckerklingeln runter. Noch immer rasend wütend. Und in Gedanken brüllend.
Morgens bin ich müde.

Das soll vorbeigehen.
Ich will nicht so wütend sein.

Vom Rumpelstielzeln

"Old Godzilla was hoppin' around,
Tokyo City like a big playground,
when suddenly Batman burst from the shade
and hit Godzilla with a Bat Grenade.
Godzilla got pissed and began to attack..."

(Lemon Demon - The Ultimate Showdown)


Miesepetrig. Das bin ich. Rüchtüch. Schlecht. Gelaunt. Dabei war der Tag schön. Aber dann habe ich Kopfschmerzen bekommen und im Supermarkt gab es keine Essigchips und im Auto war es mir zu warm und ich hab mich geärgert und ungesund gegessen und zu viel Kaffee getrunken und die Waage ist heute auch ein Miststück und irgendwie klappt gar-gar-nichts. Verfrühte Wechseljahre vielleicht. Aber damit kann ich umgehen. Ich gehe jetzt rumpöbeln und rumpelstielzeln und igeln. So richtig. Mit auf den Boden aufstampfen und bockig sein. Und damit es keine Mitmenschen trifft, nehme ich mit Hubert vorlieb. Das ist mein Gartenzwerg. Der kann das ab, der kennt mich schon ewig und der mag mich auch pöbelnd. Er verzieht nicht mal das Gesicht. Ich glaube, das regt mich am meisten auf.


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